Wegen Corona-Pandemie

Karrierebruch beim Nikolaus: Nach 55 Jahren muss Peter Stenger aus Wasserburg Zwangspause machen

Heuer bleibt der rote Mantel im Schrank: Peter Stenger muss als Nikolaus wegen Corona zum ersten Mal in 55 Jahren eine Zwangspause einlegen. re
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Heuer bleibt der rote Mantel im Schrank: Peter Stenger muss als Nikolaus wegen Corona zum ersten Mal in 55 Jahren eine Zwangspause einlegen.
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
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Eigentlich gehört er ins Guinessbuch der Rekorde, finden viele Wasserburger Familien: Denn Peter Stenger ist seit 55 Jahren Nikolaus. Nur heuer nicht: Corona unterbricht zum ersten Mal die ellenlange Karriere des Heiligen Mannes in der Innstadt.

Wasserburg – „Mir tut es wahnsinnig leid“, sagt der gebürtige Wasserburger, „doch es geht heuer leider nicht.“ Der Nikolaus ist mit seinen 77 Jahren schließlich selber Risikoperson – und von Haus zu Haus gehen, im Wohnzimmer von Familien Reden halten und Geschenke verteilen, Kindern den Stab überreichen und mit ihnen auf Sichtkontakt gehen, das ist im Corona-Jahr 2020 nicht erlaubt. Außerdem: „Mit Maske trete ich nicht als Nikolaus auf. Wie soll das gehen – bei diesem großen Bart.“

Peter Stenger.

Viele Familien haben ihn trotzdem angerufen und gefragt, ob er nicht heute kommen mag. Stenger hat sie jedoch vertröstet: „Nächstes Jahr ziehe ich – so Gott will – wieder den roten Mantel an.“ Auch sein Krampus von 2019, Osaro „Bobby“ Ziegbe aus Nigeria – wäre wieder gerne mit ihm auf Tour gegangen von Haus zu Haus. Er hat versprochen, 2021 ebenfalls wieder dabei zu sein. Im vergangenen Jahr absolvierte das ungleiche Paar mit dem hünenhaften, 25-jährigen Krampus und dem eher kleinen, schmächtigen Senior-Nikolaus an zwei Tagen über 25 Besuche.

Den Auftritt des dienstältesten Wasserburger Nikolaus werden auch die Senioren im Mehrgenerationenhaus sowie aus den Altenheimen und die Mädchen und Buben im städtischen Kindergarten vermissen.

„Der Nikolaus ist ein rücksichtsvoller Mann“

Doch Stenger, der seit seiner Jugend den Heiligen Nikolaus sehr verehrt, ist auch der Meinung, dass es nicht im Sinne dieser christlichen Figur wäre, wenn er heuer weiterarbeiten würde, als wäre nichts geschehen und gäbe es keine Pandemie. „Der Nikolaus ist ein sehr rücksichtsvoller Mann. Der hätte sich nicht aufgemacht und andere gefährdet. Dass ich diesmal daheim bleibe, bin ich ihm einfach schuldig.“

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Erinnerungen an viele schöne Erlebnisse

Also bleibt das Kostüm im Schrank. Mit seiner Frau schwelgt der 77-Jährige stattdessen in Erinnerungen – an 55 Jahre Nikolausdienst mit emotionalen und auch vielen lustigen Momenten: Mal klebte der ehemalige und langjährige SPD-Stadtrat den Bart falsch auf (ausgerechnet bei einem Auftritt vor dem Stadtrat), mal verlor er seinen Stab, mal versteckte sich ein Kind so gut, dass es nicht gefunden wurde und der Nikolaus unverrichteter Dinge wieder abziehen musste.

Familien buchen ihn in zweiter Generation

Fast immer gelang es Stenger jedoch, das Eis zu brechen und den Mädchen und Buben einen unvergesslichen Moment zu bescheren. Es gibt Familien, die buchen ihn schon in der zweiten Generation: für die Kinder der Kinder.

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Eine Sorge teilt Stenger, den in Wasserburg fast jeder Einheimische kennt, nicht. Werden Mädchen und Buben verstehen, warum der Nikolaus heuer nicht zu ihnen nach Hause kommen kann? „Ja, das werden sie“, ist der älteste Heilige Mann in der Innstadt überzeugt, „Kinder akzeptieren die Corona-Regeln meist viel besser als Erwachsene. Und freuen sich nächstes Jahr vielleicht ganz besonders.“

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