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Von Kaninchen, Käse und Koffern

Alles, was irgendwie stören kann, bleibt draußen – das ist die Regel bei Linienbussen.  Hampel
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Alles, was irgendwie stören kann, bleibt draußen – das ist die Regel bei Linienbussen. Hampel

Radltouristen, die vom Busbahnhof zum Bahnhof Reitmehring wollen, müssen schieben oder strampeln. Busfahrer nehmen sie und ihre Drahtesel nicht mit. „Warum darf man denn kein Fahrrad im Bus mitnehmen?“ Diese Frage tauchte am Rande der Bürgerversammlung auf. Was darf man überhaupt im Bus mitnehmen?

Wasserburg – Warum der Stadtbus kein Fahrrad mitnimmt, diese Frage beantwortet Andreas Hiebl, der zuständige Mitarbeiter der Stadtverwaltung, aus dem Stand: „Das geht in der Praxis meist nicht, weil Rollstühle, Rollatoren und Kinderwagen vorgehen. Und wir können nicht eine Haltestelle weiter, wenn ein Rollstuhlfahrer zusteigen will, den Radfahrer hinaus komplimentieren, ihm das Fahrgeld zurückerstatten.“

Ein freundlicher Mitarbeiter des Regionalverkehrs Oberbayern (RVO), der seinen Namen nicht lesen möchte, fügt an, dass Fahrräder mitgenommen werden können, wenn sie der Fahrgast selber sichert und wenn absehbar ist, dass der Fahrgast auch die ganze von ihm gewünschte Strecke mitfahren kann. Auch er schränkt aber ein, dass Kinderwagen, Rollstuhlfahrer und die immer mehr werdenden Rollatoren Vorrang haben. Bei den auf längeren Strecken eingesetzten Hochdeck-Bussen, die unten ein Gepäckabteil haben, ist die Mitnahme kein Problem. Allerdings übernehme der RVO keinerlei Haftung für Schäden, die durch ein eventuelles Herumrutschen der Räder entstehen. Lauf- und Dreiräder von Kindern seien gar kein Problem. Und Elektroscooter werden generell nicht mitgenommen, „die sind nicht zu sichern.“

Darf ein 13-Jähriger, der bei entsprechender Wetterlage zum Schlittenberg in der Burgau will, seinen Schlitten im Bus mitnehmen? „Wenn Platz ist – natürlich.“

Beim Taubenmarkt spontan in eine Taube, ein Huhn oder ein Kaninchen verliebt und keine Transportbox dabei. Geht das, das Tier einfach unter den Arm zu klemmen und in den Bus zu steigen? „Eher nicht“, sagt der RVO-Mitarbeiter. „Stellen Sie sich vor, die Taube kommt aus und flattert dem Busfahrer um den Kopf...“ Im Karton oder einer anderen Box ja, der Fahrer darf eben nicht beeinträchtigt werden.

Hunde werden jederzeit mitgenommen, dürfen sogar umsonst fahren. Ab einer bestimmten Größe und bei manchen Rassen bestehe der Busfahrer vielleicht auf einem Maulkorb, „aber das wissen die Besitzer meistens und sind entsprechend ausgerüstet.“ Katzen seien ihm noch nicht untergekommen. An der Leine oder in einer Transportbox sei es kein Problem. Höchstens für einen mitfahrenden Katzenallergiker.

„Jetzt fragen Sie gleich nach dem Esel“, amüsiert sich der Mann vom RVO – nein, aber nach süßem Lamm und putzigem Zicklein: „Das hatten wir noch nie“, kommt nach einer Lachsalve. Das sei aber wohl nicht zumutbar und deswegen muss das Lamm draußen bleiben.

Überhaupt die Zumutbarkeit: Einen penetrant riechenden Käse mitzunehmen, das ist nicht nett gegenüber den anderen Fahrgästen und dem Chauffeur. „Da müssen unsere Fahrer schon einiges mitmachen, denn die Herrschaften aus anderen Kulturen haben offensichtlich ein anderes Geruchsempfinden.“ Es habe schon Fälle gegeben, wo der Busfahrer die Fahrgäste bat, sich weiter nach hinten zu setzen, weil ihm vom Geruch – eines Lebensmittels oder gar der Person selber – schlecht wurde. „Und das dann, ohne beleidigend zu werden. Nicht einfach.“

Im Baumarkt eine neue Stehleiter und einen Kübel Farbe ergattert? „Da sind unsere Fahrer die Letzten, die da pingelig werden“, sagt der RVO-Mitarbeiter. Eigentlich werden laut Tarifsystem drei Euro für die Leiter fällig, die würden aber selten kassiert.

Wer mit dem Bus zum Zug und dann in den Urlaub will, sollte hoffen, dass der Bus nicht zu voll ist. Sonst könnte es Diskussionen geben. Und die fünfköpfige Familie bleibt mit fünf Koffern eher stehen. „Da ist die Gefahr zu groß, dass die fünf Koffer Menschen behindern, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind.“ Handgepäck sei keine Frage.

Die Schaufensterpuppe von der Geschäftsauflösung soll unbedingt im Bus mitgenommen werden? „Die ist theoretisch Stückgut. Aber wenn Platz genug ist, dann drückt der Kollege sicher ein Auge zu.“ Der auf dem Frühlingsfest gewonnene Riesenteddy darf mit, „da kräht kein Hahn nach. Der trägt ja auch eher zur Erheiterung der Mitfahrer bei.“

Fernseher und Co. seien gar kein Thema gewesen, „aber in den letzten Jahren hatten wir das öfter, weil sich die Flüchtlinge einrichteten. Elektrogeräte sollte man sich besser liefern lassen, das kann sonst schwierig werden.“

Alkohol? „Offene Flaschen bleiben draußen“, so die klare Ansage beim RVO. Das gilt auch für offene Kaffeebecher oder den Döner in der Hand. Austrinken oder aufessen vor dem Einsteigen. Und wenn der Alkohol schon im Fahrgast ist und das in größerer Menge? Dann muss der Fahrer abschätzen, ob er die Person noch einsteigen lässt oder nicht. Und wenn der Fahrgast mit Schlagseite Mitfahrer oder Busfahrer belästigt, gar aggressiv wird, dann hilft sowieso nur noch der Anruf bei der Polizei.

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