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„So gehe ich mit Kameraden nicht um“

„Kampf gegen Windmühlenflügel“: Wasserburger Feuerwehrler bekräftigen Vorwürfe gegen Rathausspitze

Sehen keinen anderen Weg aus einer „verfahrenen Situation“ als den Rücktritt als Kommandanten: Niko Baumgartner (Mitte) und seine Stellvertreter Rudi Göpfert (links) und Stefan Gartner (rechts).
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Sehen keinen anderen Weg aus einer „verfahrenen Situation“ als den Rücktritt als Kommandanten: Niko Baumgartner (Mitte) und seine Stellvertreter Rudi Göpfert (links) und Stefan Gartner (rechts).
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Ihre schweren Vorwürfe gegenüber dem Bürgermeister haben die zurückgetretenen Kommandanten der Feuerwehr Wasserburg am Donnerstag, 24. März, in einem Pressegespräch am Gerätehaus noch einmal bekräftigt. Sie erklären, was das Fass zum Überlaufen gebracht hat.

Wasserburg – Vor dem Pressegespräch hatten die zurückgetretenen Feuerwehrkommandanten von Wasserburg eine schriftliche Erklärung abgegeben. Im Gespräch mit der Wasserburger Zeitung erläuterten Niko Baumgartner und seine Stellvertreter Rudi Göpfert und Stefan Gartner noch einmal persönlich, warum für sie das Vertrauen in die Rathausspitze so nachhaltig gestört ist, dass es keinen anderen Ausweg als die Amtsniederlegung zum 1. April gebe. Hauptvorwurf: mangelnde Wertschätzung gegenüber der Feuerwehr.

„Kampf gegen Windmühlenflügel“

Das Fass zum Überlaufe n gebracht hätten Kommunikationsprobleme und -pannen rund um die Planung des neuen Feuerwehrhauses, so die Kommandanten. Baumgartner spricht von einem „Kampf gegen Windmühlenflügel“. Die Entscheidung, die Ämter niederzulegen, sei nicht aus dem Bauch heraus spontan erfolgt, sondern eine Folge lang anhaltender Probleme mit der Rathausspitze.

Baumgartner war vor zwei Jahren als neuer Kommandant gewählt worden. Er hat das Amt nach eigenen Angaben motiviert und im Bemühen um einen objektiven sowie neutralen Blick auf die Zusammenarbeit mit der Stadt gestartet. Trotzdem habe auch er im Verlauf der beiden Jahre feststellen müssen, so Baumgartner, dass es schwer sei, mit der Rathausspitze zu kommunizieren. Als Beispiele nennt er Schwierigkeiten, Termine zu bekommen, in seinen Augen nicht eingehaltene Fristen und Versprechen, Informationen zeitnah an die Kommandantur zu übermitteln, sowie Entscheidungen über die Köpfe der Kommandanten hinweg. „Wir waren uns eigentlich mit dem Bürgermeister einig, dass es bezüglich des Neubaus enge Kontakte geben muss und keine Entscheidungen ohne Rücksprachen mit der Feuerwehr gefällt werden sollen.“

Daran soll sich Bürgermeister Kölbl jedoch zuletzt unter anderem bei der Frage, ob im neuen Feuerwehrhaus auch eine überörtlich dienende Atemschutzübungsstrecke eingeplant werden soll, nicht gehalten haben. Diese Anlage ist laut Claudia Schaber, Schriftführerin der Feuerwehr, vom Kreisfeuerverband gewünscht worden. Wenn schon neu gebaut werde, sollte ein Mittelzentrum eine solche Einrichtung gleich mit einplanen, findet sie.

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Nach Gesprächen mit dem Landrat und dem Kreisbrandrat habe Kölbl jedoch ausgeführt, die Atemschutzübungsstrecke sei gestorben, so die Kommandanten. Der Rathauschef habe dies damit begründet, dass der Landkreis für diese Anlage nicht als Bauherr auftreten könne und die Kosten von zwei Millionen Euro deshalb zu Lasten der Stadt gehen würden. Diese Summe ist nach Überzeugung von Göpfert „unrealistisch“: Der Landkreis sei durchaus bereit, die technische Ausstattung und den Betrieb der Anlage zu finanzieren, nur beim reinen Bau des Raumes könne dies aus Gründen der Gleichberechtigung mit bereits bestehenden kommunalen Anlagen in Prien und Bad Aibling nicht geschehen. Der Bau werde höchstens etwa 900 000 Euro kosten, so Baumgartner.

Vertrauensverhältnis nachhaltig gestört

Er habe vom Bürgermeister Informationen zur Frage verlangt, wie dieser auf zwei Millionen Euro komme. Nach Ansicht der Kommandanten ist dies die Summe, die für drei überörtliche Anlagen, von denen zwei Werkstätten unstrittig sind, zusammengezählt notwendig sind. Kölbl habe darauf bestanden, es gebe keine Mitfinanzierung des Landkreises. „Es ist der Eindruck entstanden, der Bürgermeister lehnt die Atemschutzübungsstrecke ab.“

„Wollten kein prunkvolles, möglichst großes Haus“

Der Kommandant hätte nach eigenen Angaben damit leben können, wenn nach reiflicher Diskussion mit der Feuerwehr die Entscheidung gefallen wäre, die Kriechstrecke nicht zu bauen – weil sie zu teuer sei. Doch die Art und Weise der Kommunikation sei nicht hinnehmbar, bekräftigen auch seine Stellvertreter. Sie seien stattdessen von Kölbl vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Für den Neubau des Feuerwehrhauses sehen sie unter ihrer Leitung deshalb keine Basis, „wenn es schon im Vorfeld so hakt“. Baumgartner unterstreicht, es sei nie Ziel der Feuerwehr gewesen, „ein prunkvolles, möglichst großes neues Haus zu bekommen“, sondern immer angestrebt worden, offen über die Sinnhaftigkeit aller Ausstattungen zu sprechen. Die Feuerwehr habe auch die wirtschaftlichen Aspekte immer im Blick gehabt, betont Gartner.

Kritik an Kölbl: „fehlende Empathie“

Die Kommunikationsprobleme hätten gezeigt: „So geht es nicht weiter.“ Dass das Vertrauensverhältnis nachhaltig gestört sei, würden Ereignisse zeigen, die sich nach der Mitteilung des Rücktritts in der Dienstbesprechung am 18. März abgespielt hätten. Der anwesende Bürgermeister habe es nicht einmal für nötig gehalten, mit Bedauern auf die Entscheidung der drei Kommandanten zu reagieren und ihnen für ihre Arbeit zu danken. „Er erklärte lediglich, den Rücktritt der Kommandantur anzunehmen, und wies jegliche Schuld daran zurück. Diese offenbar fehlende Empathie kam in der anwesenden Mannschaft nicht gut an“, heißt es wörtlich in der Presseerklärung. Nach der Dienstbesprechung habe Kölbl mit altgedienten Feuerwehrmännern und Ehrenmitgliedern im Florianstüberl beisammen gesessen und die Aussage getroffen, der Feuerwehrverein sei ihm egal. „Das zeigt den Mangel an Wertschätzung durch den obersten Dienstherren der Stadt.“

Kölbl betont auf Nachfrage zu diesem Kritikpunkt, er habe deutlich zwischen dem Verein und den Aktiven unterschieden. Als Vertreter der Stadt sei er nur für die Einsatzkräfte zuständig, was im Verein geschehe, gehe ihn in der Tat nichts an.

Ehemalige Ordnungsamtsleiterin kritisiert Ex-Chef Kölbl

Trotzdem sehen die Kommandanten eine mangelnde Wertschätzung durch Kölbl. Die ehemalige Ordnungsamtsleiterin des Rathauses, Schaber, bringt es so auf den Punkt: „Der Bürgermeister ist seit vier Jahrzehnten selber Feuerwehrler. Er weiß, dass wir Feuerwehrler die Kameradschaft sehr hochhalten. So gehe ich mit Kameraden nicht um.“

Streit um Bezahlung von Brotzeiten

Gartner, Göpfert und Baumgartner nennen als Beispiele für die mangelnde Wertschätzung durch die Verwaltungsspitze auch Streitigkeiten, die es unter anderem um die Bezahlung von Brotzeiten nach Einsätzen gegeben habe. Außerdem sei die Feuerwehr öffentlich bloßgestellt worden. „Die Freiwillige Feuerwehr ist in Wasserburg wie auch in allen anderen Gemeinden die einzige Pflichtaufgabe der Kommune, die nur durch Ehrenamtliche ausgeführt wird. Den Feuerwehrlerinnen und Feuerwehrlern und ihren Kommandanten geht es hierbei nicht um ein Lob von Seiten der Stadt. Das Wissen, anderen Menschen im Einsatzfall helfen zu können und die positive Resonanz aus der Bevölkerung sind vielen Aktiven Lob genug. Was in diesem Ehrenamt jedoch erwartet werden darf, ist eine ehrliche und wertschätzende Zusammenarbeit mit der Kommune als Träger.“

Entscheidung „schweren Herzens“ gefällt

Den Kommandanten unterstreichen, dass ihr Rücktritt eine Entscheidung sei, die sie schweren Herzens getroffen hätten. „Die Zusammenarbeit mit der Mannschaft und dem Feuerwehrreferenten Armin Sinzinger verlief einwandfrei.“ Letzter nennt die Entscheidung der Kommandanten „konsequent“. Informationen aus der Landkreisebene seien vom Bürgermeister nicht korrekt an die Feuerwehr übermittelt worden, das habe er selbst verifiziert.

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