UN-BESCHLUSS TRITT HEUTE IN KRAFT

Kampf gegen Atomwaffen: Heute ist ein Jubeltag für die Wasserburger Oehler-Zwillinge

Am 7. Juli 2017 wurde der Atomwaffenverbotsvertrag angenommen – dem Geburtstag von Daniel (Mitte) und Johannes Oehler (rechts) aus Reitmehring und ihrem Freund Johannes Eckert. Die Brüder setzen sich seit einer Weile für den Vertrag ein, heute haben sie einen weiteren Meilenstein erreicht: Der Vertrag tritt nun in Kraft.
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Am 7. Juli 2017 wurde der Atomwaffenverbotsvertrag angenommen – dem Geburtstag von Daniel (Mitte) und Johannes Oehler (rechts) aus Reitmehring und ihrem Freund Johannes Eckert. Die Brüder setzen sich seit einer Weile für den Vertrag ein, heute haben sie einen weiteren Meilenstein erreicht: Der Vertrag tritt nun in Kraft.
  • Sophia Huber
    vonSophia Huber
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Für Johannes und Daniel Oehler ist der 22. Januar 2021 ein Tag zum Jubeln. Denn heute haben die Brüder aus Reitmehring und ihrer Mitstreiter rund um den Globus einen großen Meilenstein erreicht: Das neue Atomwaffenverbot tritt per UN-Völkerrechtsvertrag in Kraft.

Wasserburg – . 84 Staaten haben den Vertrag inzwischen unterzeichnet, 50 ratifiziert. „Ein tolles Gefühl“, erklärt Johannes Oehler. Der 30-Jährige kämpft mit seinem Zwillingsbruder seit einiger Zeit gegen Atomwaffen. Mit dem heutigen Tag kommen sie ihrem Ziel – einem vollkommenen Verbot – einem großen Schritt näher. „Damit erschaffen wir eine rechtliche Norm“, sagt Oehler. „Und wir können eine internationale Ächtung von Atomwaffen erreichen.“

Ziel: Die internationale Ächtung erreichen

Der Grundgedanke sei, Druck auf die Staaten aufzubauen, die Atomwaffen weiterhin verwenden oder lagern. Außerdem sollen auch die, die das Abkommen noch nicht unterschrieben haben, zum Handeln gezwungen werden. „Man kann das Vergleichen mit der Erziehung von Kindern. Wenn 95 Prozent der Menschen sagen, dass man Kinder nicht schlagen darf, dann ist es schwieriger für die verbleibenden fünf Prozent, das zu tun.“ Genauso sei es nun schwieriger für die Staaten der Welt, Atomwaffen einzusetzen, sind die Brüder überzeugt.

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Ein wichtiger Schritt, den es lohne zu feiern. Auch Johannes Oehler, der als Wissenschaftler am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt tätig ist, hat sich für den heutigen Freitag extra freigenommen. Die Aktivisten hätten eine große Online-Party geplant, sagt er. Doch der 30-Jährige hat dafür keine Zeit, denn er hat schon die nächste Aktion geplant. „Ich werde nach Büchel fahren Anmerkung der Redaktion: (Fliegerhorst der Luftwaffe, an dem noch US-Atomwaffen gelagert sind) und dort mit anderen demonstrieren“, sagt er.

Deutschland hat noch nicht unterschrieben

Auch für das ganze kommende Jahr haben Oehler und die anderen Aktivisten bereits Pläne. „Wir werden jetzt, kurz vor der Bundestagswahl, Druck auf die Parteien aufbauen, damit sie sich zu dem Thema äußern.“ Denn Deutschland hat – wie viele andere NATO-Staaten – das Abkommen noch nicht unterzeichnet. „Am besten wäre es, wenn wir eine Frage diesezüglich in den Wahl-O-mat reinbekommen würden, damit die Leute darüber nachdenken.“ Denn Oehler sieht weiterhin ein großes Problem darin, wie wenig über das Thema Atomwaffen geredet werde. „Viele wissen nicht, wie viele Atomwaffen es gibt.“

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Der derzeit geltende Atomwaffensperrvertrag reicht Oehler nicht aus. „In diesem Vertrag wird als Ziel formuliert, dass die Atomwaffen irgendwann endgültig abgeschafft werden sollen. Das erreichen wir mit dem Verbot“, so Oehler.

Das sind die Inhalte

Der Atomwaffenverbotsvertrag ist eine Resolution der Vereinten Nationen (UN), die am 7. Juli 2017 angenommen wurde. Befürworter des Vertrages erhoffen sich eine internaktionale Ächtung zu erreichen, ähnlich der Ächtung von Chemiewaffen. Eine Solche gibt es, laut Befürwortern, trotz des Atomwaffensperrvertrags aus dem Jahr 1968 noch nicht, da dieser Vertrag nur Teilverbote enthalte. Beispielsweise erlaube er einigen Staaten weiterhin, Atomwaffen zu besitzen. Dies führe zu einem Ungleichgewicht zwischen Atommächten und anderen Staaten. Zudem werde das Abrüstungsgebot im bisherigen Vertrag nicht genügend durchgesetzt.

Der Atomwaffenverbotsvertrag enthält zwar ebenfalls keine konkreten Maßnahmen, wie eine Abrüstung zu erreichen ist. Er gibt aber Rahmenbedingungen vor, wie eine Verhandlung, über eine solche Maßnahme auszusehen hat. Der Atomwaffenverbotsvertrag verbietet außerdem die Entwicklung, das Testen, die Produktion, den Erwerb, die Lagerung, den Transfer und den Einsatz von Atomwaffen sowie die Androhung von deren Einsatz. Die Staaten verpflichten sich, offen zu legen, welche Atomwaffen in ihrem Besitz sind. Außerdem verpflichten sich die Staaten dazu, Opfern von Atomwaffen zu helfen und die betroffen Gebiete zu sanieren.

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