Kameras und viel Kunstblut: Mittergars wird zum Filmstudio für Leschs Kosmos

Inszenierter Unfall in Mittergars: Auf der Straße liegt Georg Leitner vom Theaterverein, der einen schwer verletzten Jogger mimt.Münch
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Inszenierter Unfall in Mittergars: Auf der Straße liegt Georg Leitner vom Theaterverein, der einen schwer verletzten Jogger mimt.Münch
  • vonBruno Münch
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Ein Filmteam hat Mittergars in ein Aufnahmestudio verwandelt. Hier fanden Dreharbeiten für die ZDF-Sendung „Leschs Kosmos“ statt – mit zahlreichen Statisten aus dem Dorf. Dabei floss auch viel Blut.

Gars – Ein TV-Aufnahmeteam, zahlreiche Mitwirkende aus Rettungsdienst und Feuerwehr sowie einige Schaulustige bevölkerten am Samstag die Kreuzung an der kleinen Kapelle beim Weiler Reiser zwischen der Innwerksiedlung und Mittergars. Die schmale Straße, gesäumt von Feuerwehrfahrzeugen, Einsatzwagen des Roten Kreuzes und zahlreichen Privat-Pkws, wurde Schauplatz einer dramatischen Inszenierung: Für die ZDF-Sendung „Leschs Kosmos“ wurde ein Unfall simuliert: Ein Kleinwagen erfasst einen Jogger, verletzt ihn tödlich und auch der Fahrer stirbt am Unfallort.

Viel Aufwand für ein paar Minuten Film

Einen ganzen Drehtag nahmen die aufwendigen Szenen in Anspruch: Zuerst wurden Jogger und fahrender Pkw, dann Unfallstelle und Verletzte nach der Kollision in vielen Einstellungen erfasst. Schließlich hatten der Rettungsdienst und die Feuerwehr ihren Auftritt: Der verletzte Jogger wurde medizinisch versorgt, der Pkw-Fahrer mit Rettungsschere aus dem auf der Seite liegenden Fahrzeug befreit. Mit schwerem Gerät wurde das Schrottauto gezielt demoliert und ein Holzstapel wurde gewaltsam mit „Unfallspuren“ versehen.

Viel Aufwand wurde betrieben, um die Karambolage darzustellen.

Dank der Professionalität der Beteiligten, des Filmteams, der Feuerwehren aus Gars, Au, Mittergars und Lengmoos sowie der Haager Bereitschaft des Roten Kreuzes war die Simulation beeindruckend realitätsnah.

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Mehrmals ließ Tonmeister Johannes Holland eine Drohne steigen und erfasste so das Geschehen aus vielen Blickwinkeln von oben. Still wurde es am Set, wenn Kameramann Johannes Holland in Position ging und die Regisseurin Manuela Richter-Jähnig Zeichen gab. Der Ruf des Kameramanns „Ich brauche mehr Blut!“, verlor seine Befremdlichkeit, als die Regisseurin seinen Wunsch umgehend erfüllte und mit einer Pipette eine Socke des am Boden liegenden Joggers mit Theaterblut beträufelte.

Auch die Jugend beobachtete gespannt die Dreharbeiten, bei denen auch Dummys eingesetzt wurden.

Viel Geduld musste „Jogger“ Georg Leitner, Mitglied des Theatervereins Mittergars, aufbringen. Mit künstlicher Wunde zurechtgemacht, verbrachte er lange Zeit auf dem Boden – kämpfend gegen einschlafende Gliedmaßen. Er nahm es mit Humor und fand es hochinteressant, zu erleben, „wie lange auf so ein paar Minuten Film hingearbeitet wird“.

Regisseurin Richter-Jähnig fand es bemerkenswert, dass ihr Team so viel Unterstützung aus der Region erfuhr. „So viel Hilfsbereitschaft und Engagement findet man selten“, meinte sie und betonte, dass es eine Herausforderung gewesen sei, ein solches Projekt an nur einem Drehtag zu stemmen.

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Stefan Otter, Produzent in der Münchner TV-Produktionsfirma Bilderfest, gab am Set Hintergrundinformationen. Scherzhaft sprach er von seinem „Studio Mittergars“, das hier wie ein großes Filmstudio funktioniere. Das Schrottauto stamme von der Autofirma Gruber, ein Spezialfahrzeug von der Schreinerei Grasser, ein Akteur sei vom Theaterverein und die Mittergarser Feuerwehr sei auch dabei. Voll des Lobes war er für die Motivation und Begeisterung der vielen Mitwirkenden. Sogar auf Entlohnung habe man verzichtet, aber seine Firma werde sich mit einer Spende erkenntlich zeigen.

Darum geht es bei der Lesch-Folge aus Mittergars

Zur Folge von „Leschs Kosmos“, die im ZDF voraussichtlich gegen Ende November ausgestrahlt wird, teilte Stefan Otter vorab Einzelheiten mit. Sie wird sich mit „High-Tech-Diagnostik“ befassen, bezogen sowohl auf den menschlichen Körper als auch auf technische Abläufe und Materialien. Unter dem Arbeitstitel „Unfallanalyse“ soll die Episode mit dem Unfall des Joggers den Rahmen für vier Filmbeiträge abgeben.

Rettungsdienst und Feuerwehr stellten die Bergung eines Schwerverletzten nach.

Im ersten geht es um Unfalldummies, im zweiten um XXL-Scanner, die ein ganzes Unfallauto scannen können, im dritten um Autopsie mittels MRT (Magnetresonanztomographie) und im vierten um die Vorbereitung von Herzoperationen mit Hilfe von „Virtual Reality“. Nach den Gesamtkosten der TV-Produktion befragt, hielt sich Otter bedeckt, räumte aber ein, dass ohne den ehrenamtlichen Einsatz der vielen Mitwirkenden die Produktion in ihrer jetzigen Form nicht durchzuführen gewesen wäre.

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