Ab dem 16. Jahrhundert

Kalte Burg und Fackelschein: Wie Bewohner des Wasserburger Schlosses einst die Feiertage verbrachten

Silhouette Wasserburgs: Eine Stadt mit Geschichte. Die Burg zu heizen war seit jeher eine Herausforderung.
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Silhouette Wasserburgs: Eine Stadt mit Geschichte. Die Burg zu heizen war seit jeher eine Herausforderung.

Kalt war es in den Gemächern, das Heizen eine Herausforderung: Das Leben dort oben im Winter in früheren Zeiten, wie hat es sich wohl angefühlt? Diese Frage stellt sich so manchem, der auf die Burg in Wasserburg blickt. Kreisheimatpflegerin Magdalena März hat herausgefunden, dass die Adeligen Wildschwein am Spieß brieten.

Von Magdalena März und Winfried Weithofer

Wasserburg – Immerhin weiß man, dass der Bau in Wasserburg in seiner heutigen Gestaltung auf Wilhelm IV. von Bayern in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zurückgeht. In erster Linie diente das Schloss als Wohn- und Amtssitz des herzoglichen Pflegers, also des Verwalters der Burg. Der Herzog selbst nützte es nur bei gelegentlichen Aufenthalten als standesgemäßes Quartier. Heute gehört die Burg der Kreishandwerkerschaft.

Da Graf Wolf von Öttingen, der erste Pfleger, der im neu ausgebauten Schloss ab 1539 eine Wohnung bezog, zugleich der Schwager des Herzogs war, ist von einer relativ engen Bindung Wilhelms an Wasserburg auszugehen, was auch dessen häufige Besuche dokumentieren. Die Weihnachtsfeiertage wird er dennoch kaum am Inn, sondern in der Hauptresidenz in München verbracht haben. Für den Pfleger samt Familie und zugehörige Bedienstete hingegen war das Schloss wortwörtlich Lebensraum.

Rauchlose Wärme als Winterluxus

Durch erhaltene Rechnungen aus der Bauzeit erfahren wir Details zu den Innenräumen. Maßgeblichen Anteil hatten aufwendige Holzvertäfelungen, die nicht zuletzt für Behaglichkeit und Schutz gegen Kälte sorgten. Man darf vermuten, dass die Räumlichkeiten auch sonst prächtig ausgestattet waren – ein Hinweis darauf, dass die im Schloss residierende Herrschaft Festtage zelebrierte und die Zugehörigkeit zum gehobenen Stand zum Ausdruck bringen konnte.

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Dazu gab es den Winter über nicht nur an Weihnachten viele Gelegenheiten: Für 1545 ist beispielsweise überliefert, dass es „zur Fastnacht auf dem Wasserburger Schlosse gar fröhlich zuging“. Zumal dann, wenn der Herzog den mit ihm verschwägerten Pfleger besuchte. Aus dem Kastenbau hat man Tische und Bänke in die „Türniz“ geschafft, wo auch getanzt wurde. Die „Türniz“ wurde mittels eines Ofens beheizt, was rauchlose Wärme und damit Winterluxus pur bedeutete. Diesem Raum entspricht der heutige Rittersaal mit den beiden Rotmarmorsäulen.

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Bevorratung von Brennholz und Lebensmitteln

Während sich dort die Herrschaft vergnügte, war in der Schlossküche harte Arbeit angesagt. Diese Küche befand sich im Erdgeschoss in praktischer Nähe zum Vorratskeller und zur Gesindestube. Zur Küchenausstattung gehörten laut den Rechnungen neben allerlei Werkzeug wie „gabln Zum vleisch“ und „schireisen“ ein eingemauerter „prater“ - also ein Bratendreher, sowie ein „pratspis zu wilden schwein“. An zentraler Stelle muss daher ein großer Herd gestanden haben, wo auch ein aufgespießtes Wildschwein brutzeln konnte.

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In diesem Arrangement offenbaren sich zentrale Themen des Lebens im Winter vergangener Jahrhunderte: Ein wichtiges war die Beschaffung und Bevorratung von Lebensmitteln und Brennholz. Damit der Herd befeuert werden konnte, musste von Arbeitern über Wochen Holz im Wald geschlagen, angeliefert, klein gemacht und eingelagert werden. Denn es gab eine große Zahl zu beheizender Räume, darunter auch die Pfisterei oder Backstube, in der sich ein für Brotherstellung konzipierter Ofen nahe der Küche befand.

Um die Wärme des Backofens optimal zu nutzen, wurde direkt oberhalb der Pfisterei eine vertäfelte Stube für die ‚gnädige Frau‘ eingerichtet – zu verorten am Südosteck des Schlosses, wohl mit Blick auf den Inn. Der Raum dürfte auch im Winter recht behaglich gewesen sein.

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Damit in der Küche und Backstube Speisen zubereitet werden konnten, bedurfte es der Planung über mehrere Monate im Voraus. Nahrungsmittel in entsprechender Menge und Qualität mussten beschafft und eingelagert werden.

Jagen war Privileg des Adels

Insbesondere die Erwähnung von Fleisch und explizit von Wild verweist auf einen gehobenen Status der Bewohner, denn die Jagd war ein Privileg des Adels.

In erster Linie jedoch waren die Weihnachtstage für die Burg- wie für die Stadtbewohner von der Teilnahme an kirchlichen Feierlichkeiten geprägt. Zwar hatte die Burg mit der Ägidiuskapelle einen eigenen Kirchenbau, doch die hohen Herrschaften werden an den Feiertagen der Stadtpfarrkirche den Vorzug gegeben haben. Dafür fand Wolf von Öttingen sogar eine ganz spezielle bauliche Lösung: ein überdachter, mit Fenstern ausgestatteter Gang setzte auf Höhe der Wohngemächer des Pflegers im Obergeschoss auf der Ostseite des Schlosses an und führte über das Burgtor hinweg auf drei gemauerten Bögen direkt zur Jakobskirche am Fuß des Burgbergs. Der Umriss des Eingangs in luftiger Höhe rechts des Turms ist noch heute zu erkennen. Diesen Gang wird zur Weihnachtszeit des Öfteren eine festlich gekleidete Gesellschaft bei Fackelschein beschritten haben.

Für sie wie für alle übrigen Teilnehmer der Gottesdienste war die Winterkälte wohl die größte Herausforderung. Bis in die jüngste Zeit mussten die Gefäße für den Messwein und das Weihwasser bei den Weihnachtsmessen in St. Jakob angewärmt werden, um Einfrieren zu verhindern. Früher hatten die Menschen andere Widrigkeiten auszuhalten.

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