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Schleuderkugel entdeckt

„Kalksteinbummerl“ wiegt acht Zentner – Welche Geheimnisse verbirgt Ex-Brauerei in Wasserburg noch?

Diese Schleuderkugel aus Kalkstein wurde in Wasserburg geborgen.
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Diese Schleuderkugel aus Kalkstein wurde in Wasserburg geborgen.

Das Gelände der ehemaligen Brauerei Fletzinger in Wasserburg ist für allerhand Überraschungen gut, wie für die Entdeckung des „Fletzi“, dessen C-14-datierte Lebenszeit bislang nicht preisgegeben wird, da die Grabungspläne noch immer nicht vorliegen. Die neuste Entdeckung ist eine Schleuderkugel.

Wasserburg – Nunmehr ist es dem Spürsinn und der Hartnäckigkeit von Clement Stechl zu verdanken, dass ein ungewöhnliches Relikt aus einer frühen Belagerung der Stadt freigelegt werden konnte. Aus der Außenmauer seines Kellers, der zu den alten Salzgräden gehörte, die an die Stadtmauer angebaut worden waren, als diese ihre Schutzfunktion weitestgehend verloren hatten, ragte ein Stück eines gerundeten Steines heraus.

Bei der vorsichtigen Freilegung zeigte sich ein kugeliges Gebilde, das nun vollständig aus dem Mauerverbund gelöst werden konnte und sich als riesige Schleuderkugel erwies. Die aus Kalkstein gehauene, aber nicht vollkommen geglättete Kugel hat einen Umfang von circa 205 Zentimetern und einen Durchmesser von 75 Zentimetern. Möglicherweise wurde die Schleuderkugel im Verlauf der Belagerung Wasserburgs im Jahre 1422 durch Herzog Heinrich XVI. von Landshut in die Stadt katapultiert. Sie könnte eine mauerbrechende Wirkung gehabt haben.

Beschuss 1720 schriftlich festgehalten

Gabriel Bodenehr vermerkt auf der Textleiste seiner um 1720 entstandenen Stadtansicht: „Nach dem Concilio zu Costnitz überzog Herzog Heinrich von Landshut diese Statt, welche dazumahl seinem Vetter Herzog Ludwig zu Ingolstatt zugehörte, lag einen gantzen Monat darvor und schos 1366 große steinerne Kugeln in die Statt, die Burgerschafft aber hielte sich ritterlich.“ Ein Teil dieser Kugeln wurde zu einem „Denkmal der Bürgertreue und Tapferkeit“ aufgerichtet, das heute im Nebeneingang des Rathauses zu finden ist.

Wenn man bedenkt, dass diese Geschosse aus Granit nur 20 Zentimeter Durchmesser haben, kann man sich vorstellen, welche Zerstörungskraft die nun freigelegte Kugel hatte. Machte es bei den kleinen Kugeln die Menge aus, die über die Mauern der Stadt auf die Häuser geschleudert wurden, war es hier die Masse eines einzigen Geschosses, die Schrecken verbreitete. Nach Berechnungen aus dem 19. Jahrhundert habe eine Balliste bei einem Hebel von acht Metern und einem Gegengewicht von 3000 Kilogramm ein Geschoss von zwei Zentner 76 Meter weit schleudern können. Den Bau einer Maschine, die mehr als zwölf Zentner Gewicht werfen könne, hält man für unmöglich. Die nun geborgene Kugel hat immerhin ein Gewicht von circa acht Zentnern, sodass die Wurfmaschine nahe an der Mauer gestanden haben müsste, um ihre volle Wirkung zu erzielen. Was mit dieser Kugel nach der erfolglosen Belagerung durch Herzog Heinrich geschah, ist unbekannt.

Die Stelle, an der die Kugel in der Mauer steckte, bleibt als Nische erhalten.

Hatte man sie als sichtbares Zeichen für die Stärke der Stadtbefestigung, die Herzog Ludwig der Gebartete ab 1415 verstärkt hatte, in die Stadtmauer integriert und beim Bau der Salzgräden, die man einfach davor setzte, als willkommenes Baumaterial für die neue Außenmauer verwendet? Diente die Kugel überhaupt einem anderen Zweck? Viele Fragen, die noch zu erörtern sind.

Vorerst wird man sich bemühen, dieses Relikt aus dem Keller zu bringen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. /EW

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