Junger Mann flippt unter Drogen aus – und widersetzt sich Kontrolle der Polizei Wasserburg

Vor dem Jugendgericht stand ein 20-Jähriger, der sich vehement gegen eine Polizeikontrolle gewehrt hatte.
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Vor dem Jugendgericht stand ein 20-Jähriger, der sich vehement gegen eine Polizeikontrolle gewehrt hatte.

Ein 20-Jähriger ist vor dem Jugendgericht Rosenheim mit einer geringen Strafe davon gekommen. Er hatte sich – berauscht nach Drogenkonsum – der Kontrolle durch eine Wasserburger Polizeistreife widersetzt.

Wasserburg –Am Morgen des 6. Januars war der junge Mann der Kontrolle unterzogen worden, weil die Polizeistreife den berechtigten Verdacht hatte, er sei mit seinem Wagen unter Drogeneinfluss unterwegs. Gegen die Kontrolle sperrte und wehrte sich der Azubi derart, dass er festgenommen und in der Polizeiinspektion Wasserburg einer Blutkontrolle unterzogen werden musste. Dort stellte sich auch heraus, dass der Verdacht durchaus berechtigt gewesen war. Etliches an THC (Cannabis-Wirkstoff) befand sich im Blutkreislauf des Angeklagten, so die Beamten vor Gericht.

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Was den Widerstand anging, war der junge Mann umfassend geständig – nicht aber bei den beiden anderen Vorwürfen. Angeblich hatte er einem 21-jährigen Studenten aus dem selben Ort im nördlichen Landkreis Rosenheim für 40 Euro Cannabis verkauft. Ebenso bestritt er, man habe bei ihm zuhause vier Joints mit Haschisch aufgefunden.

Collage mit einem joint-ähnlichen Objekt

Letzteres war tatsächlich schnell ausgeräumt. Es handelte sich um eine Collage, auf der „joint-ähnliche“ Objekte montiert waren. Der Polizeibeamte, dem diese „Joints“ aufgefallen waren, bestätigte in seiner Zeugenaussage, dass es sich dabei nicht um echte Drogenobjekte gehandelt habe.

Danach wurde der angebliche Kunde aus dem vorgeworfenen Handel mit 40 Gramm Cannabis gehört. Dieser belastete sich mit seiner Aussage über den benannten Drogenkauf selber – was den Staatsanwalt dazu bewegte, dem Zeugen zu glauben. Andererseits war dessen Aussage in mehreren Punkten unsicher, widersprüchlich und von einem gewissen Belastungseifer getragen.

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Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe, die nicht über Schuld oder Unschuld zu befinden hat, aber beim Strafmaß durchaus Einfluss nehmen kann, beantragte zunächst nach Jugendrecht zu urteilen – was bei einem über 18-Jährigen keineswegs selbstverständlich ist. Dazu regte sie an, dem jungen Mann Drogentherapie-Gespräche und gemeinnützige Arbeiten aufzuerlegen.

Dieser Anregung folgte auch der Staatsanwalt, der auch den Vorwurf des Handeltreibens für erwiesen hielt. Er beantragte eine entsprechende Verurteilung und dazu ein absolutes Abstinenz-Gebot und 56 gemeinnützige Arbeitsstunden.

Widersprüchliche Aussagen des Belastungszeugen

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Marc Herzog, widersprach der Auffassung des Staatsanwaltes. Die Aussagen des Belastungszeugen seien – auch wenn der sich dabei selber belastet habe – derart ungenau und widersprüchlich, dass darauf unmöglich ein Schuldspruch gestützt werden könne. Sein Mandant könne also lediglich im Falle des eingestandenen Widerstandes gegen die Polizei verurteilt werden. Auch er folgte dem Ahndungsvorschlag der Jugendgerichtshilfe.

Das Jugendgericht unter dem Vorsitz von Richter Hans-Peter Kuchenbaur verurteilte den Angeklagten tatsächlich lediglich wegen des Widerstandes gegen die Polizeibeamten. „Auch wenn Sie sich damals fraglos in Drogenkreisen bewegt und ja auch selber konsumiert haben, bleiben bei dem Vorwurf des Handeltreibens Zweifel. Und deshalb sind Sie diesbezüglich freizusprechen“, hieß es.

Therapie und gemeinnützige Arbeit

Der Richter erlegte dem Angeklagten absolute Drogenabstinenz auf. Dazu muss er mindestens drei Beratungsgespräche in einer Drogentherapie besuchen und 56 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Das Jugendgericht Rosenheim verurteilte einen 20-Jährigen, weil er bei einer Polizeikontrolle Widerstand gegen Beamte geleistet hatte.

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