Julia Scheeser aus Haag leiht Disneyfiguren ihre Stimme – Jetzt kommt ihr erstes Album

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Den Disney-Charakteren Jasmin in „Aladdin“ und Belle (Die Schöne und das Biest) leiht sie ihre Stimme als Sängerin und Synchronsprecherin, sie studiert an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover - jetzt hat die 23-jährige Haagerin Julia Scheeser ihr Album „Kopfkino“ veröffentlicht.

  • Julia Scheeser hat bislang als Synchrom-Stimme und Sängerin für mehrererDisneyfilme gearbeitet
  • Sie studiert an der Hochschule für Musik in Hannover
  • Nun erscheint ihr erstes Musikalbum

Haag/Hannover – Endlich darf sie wieder ein Konzert spielen: Julia Scheeser. Am 31. Juli wird die 23-jährige Haagerin in Cham in der Stadthalle um 20 Uhr vor Publikum mit ihrer Band auftreten und dabei auch ihr erstes Album „Kopfkino“, das in der Phase des Corona-Lockdowns herauskam, vorstellen. Natürlich sind auch Disney-Songs dabei, denn Julia Scheeser leiht als Synchronsprecherin und Sängerin den Disney-Charakteren Jasmin in „Aladdin“ und Belle (Die Schöne und das Biest) ihre Stimme.

Julia Milena Scheeser spielt auch als „JuMi“ Konzerte.

„Man muss fleißig sein, um erfolgreich zu bleiben“, sagt die junge Frau, die vor vier Jahren am Gymnasium in Gars ihr Abitur gemacht hat und schon von ihrer Musik leben könnte, obwohl sie noch Studentin ist. Unterstützung gibt es dennoch von den Eltern. „Ich könnte es allein stemmen, aber dann müsste ich mehr arbeiten und weniger studieren. Und jetzt in Corona-Zeiten erging es mir wie allen anderen Künstlern.“

Ihre Stimme kennt man aus Disneys „Aladdin“ und „Die Schöne und das Biest“: Julia Scheeser. Die junge Haagerin lebt derzeit in Hannover und hat mit „Kopfkino“ ihr erstes Album herausgebracht. Produzent ist der „Rosenstolz“-Sänger Peter Plate.

Studium an der Hochschule für Musik, Theater und Medien

Inzwischen wohnt sie im dritten Jahr in Hannover, der „City of Music“ und studiert „Popular Music“ an der Hochschule für Musik, Theater und Medien. Nebenbei unterrichtet sie und spielt Konzerte, sofern Corona es duldet. Julia Milena Scheeser, die auch als „JuMi“ auftritt, entstammt einer Künstlerfamilie. „Musik war immer da“, sagt sie. Ihr Vater Oliver Hahn ist Pianist. „Wenn er spielte, lag ich als Kind immer unter dem Flügel und war begeistert.“ Im Alter von vier Jahren brachte er ihr auf spielerische Art das Klavierspielen bei. Da er sonst nicht unterrichtete, hatte er kein Konzept, das er durchzog, sondern passte die Stunden individuell an seine Tochter an. „Das war super, so einen guten Lehrer kriegt man normalerweise nicht“, stellt die junge Frau fest.

Gesungen hat sie immer gern

„Ich bin krasse Tierliebhaberin“, sagt Musikerin Julia Scheeser, die aus Haag stammt. Unser Bild zeigt sie mit Hund „Knäul“.

Gesungen habe sie immer gern – wie auch ihre Mutter Petra Scheeser, die nicht nur Songwriterin und Gesangsdozentin ist, sondern auch Popsängerin. Keine Unbekannte. Für Deutschland holte sie in den 1980er Jahren zwei Mal den zweiten Platz beim Eurovision Song Contest mit der Gruppe Wind („Für alle“, „Lass die Sonne in dein Herz“). Sie wirkt in verschiedenen Bands und ist auch in Disney-Produktionen („Hannah Montana“ oder etwa „Tinkerbell“) als Solistin zu hören.

Unterricht bei der Mama hat Julia nie gehabt. „Wir sind uns zu ähnlich, alleine das Temperament“, lacht die 23-Jährige. „Beide sind wir extrovertiert und stur, wir würden uns nur in die Haare bekommen“, sagt Julia gut gelaunt. „Also, im Teenageralter wäre das nicht gegangen. Gut, dass Mama mir immer meinen eigenen Kopf gelassen hat.“

In der Jugend eigene Texte vertont

In ihrer Jugend setzte sich Julia ans Klavier und begann, kleine Stücke zu komponieren und später auch eigene Texte zu vertonen.

Im Kinosaal fotografiert: Hier sitzen Disney-Liebhaber, die Julia Scheesers Singstimme aus „Aladdin“ kennen.

Gesangsunterricht nahm sie zum ersten Mal während des Studiums – und erst wenige Jahre später ist sie bereits Profi im Business. „Als Selbstständige muss ich mein eigener Chef sein und auch mit meiner Freiheit gut zurechtkommen. Man muss sich managen, gebucht werden, verwalten, Kontakte pflegen und extrem gut mit Geld umgehen können“, sagt Juli Scheeser. Das bedeute, die Fixkosten niedrig zu halten, Steuern, Versicherung und die Altersvorsorge am Start haben. Das geht nicht mit einem lässigen Studentenleben.

Mit „Kopfkino“ das erste Album herausgebracht

„Kunst ist mein Beruf, kein Hobby. Mit dem Begriff muss man sensibel umgehen, vor allem, wenn Veranstalter schlecht zahlen wollen, weil sie sagen, ich mache es ja gerne. Doch ich lebe davon. Ein Schneider macht seine Arbeit auch gerne und muss vernünftig bezahlt werden“, bringt sie ein Dilemma auf den Punkt, mit dem die Künstler-Szene immer wieder konfrontiert ist.

Fleiß und Ehrgeiz seien das A und O. Der Erfolg gibt ihr recht. Mitten in der Corona-Pandemie hat die 23-Jährige mit „Kopfkino“ ihr erstes Album herausgebracht. Deutschsprachige „Popmusik“, das ist ihr Ding. Nachgefragt, wie sie die Scheibe beschreiben würde, sagt sie, „nicht im Singer-Songwriter-Stil, dafür ist sie zu produziert. Es ist klassischer Deutschpop, Richtung ,Juli‘, ,Wilhelmine‘, ,Madeleine Juno’ oder ,Rosenstolz‘ “, beschreibt sie ihr Werk. Apropos „Rosenstolz“. Peter Plate, der männliche Part des Rosenstolz-Duos, der gemeinsam mit Joshua Lange und Ulf Leo Sommer das Label „Milch Musik“ gegründet hat, ist Produzent ihres Albums.

In Amerika auch schon Fans

„Damit schwimme ich im großen Becken der Deutschpopkultur“, freut sich die junge Musikerin. Dabei hat sie auch in Amerika bereits Fans. Kurze Zeit bevor Corona ein Thema wurde, hatte sie als deutsche Stimme der Jasmin aus „Aladdin“ ein mehrwöchiges Engagement im Disney-Epcot-Center in Florida. Dort durfte sie auf der deutschen Bühne ihr eigenes Album performen. Dann kam Corona „Ich nahm den letzten Flug, der möglich war, nach Hause.“

Für Julia eine große Ehre: Sie darf auf ihrem Album auch einige Disney-Songs veröffentlichen. So ist „Paris aus meiner Kindheit“ aus „Die Schöne und das Biest“ dabei; ebenso die Powerballade „Ich werd niemals schweigen“ und das Duett „Ein Traum wird wahr“ aus „Aladdin“. Doch ihre eigenen Stücke – vielfach autobiographisch – sind es, die den Blick auf ihr Talent freigeben. Es geht um Liebe und starke Frauen, dass man sich aufrappelt, wenn man auf die Nase fällt. „Das sind Themen, die würde ich auch in mein Tagebuch schreiben.“ Nicht nur rührselig, wenn es um eine verlorene Liebe geht, sondern mutmachend. „Wichtig ist der Prozess danach, wieder aufzustehen.“ Sie arbeite ihre Vergangenheit auf, auch eine wichtige Beziehung.

Julia Scheeser ist authentische Künstlerin

Deutschsprachig zu texten und zu singen, war eine bewusste Entscheidung. „Man schreibt nahbarer in seiner Muttersprache“, stellt sie fest. In ihrer Single „Choreographie“ geht es um Individualisten. Darum, dass jeder sein Ding machen soll und gut ist, wie er ist. Ihre Botschaft: „Niemand sollte in eine Schablone passen müssen.“

Julia ist authentische Künstlerin, eine junge Frau, die weiß was sie will. Stark und unabhängig. Mittlerweile gibt es längst „so viele tolle starke Frauen im Musikbusiness. Aber es ist auch völlig in Ordnung, wenn ich mich mal nicht so stark fühle und das zum Ausdruck bringe. Wenn das dann als Schwäche interpretiert wird, ist das ein veraltetes Bild, das einem die Gesellschaft immer noch manchmal aufdrückt.“

Mit 13 zum ersten Mal im Studio

Julia arbeitet auch als Synchronsprecherin. „Meine Mutter macht den Job schon sehr lange, als Kind durfte ich öfter mit.“ So stand sie mit 13 Jahren das erste Mal vor dem Mikro im Studio für das Musical „Annie“. Die erste größere Sache war eine Hauptrolle in „Legend of Oz“– im Alter von 16 Jahren. Und mit 19, direkt nachdem sie am Gymnasium Gars ihr Abi absolviert hatte, lockte der Auftrag als Belles Singstimme in „Die Schöne und das Biest“. Kurios: Ihre Schulfreundin Gabrielle Pietermann aus Pürten bei Waldkraiburg bekam die Sprechparts der Belle. „Wir Garser Mädels teilten uns die Rolle“, sagt Julia schmunzelnd.

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Auch Gabrielle hat bereits als Kind eine beachtliche Karriere als Hörbuchsprecherin und Synchronschauspielerin hingelegt: Sie ist unter anderem die deutsche Stimme der Hermine Granger aus „Harry Potter“. „Beim Synchronisieren muss man immer ,bissl drüber‘ sein, weil man eine Emotion ausdrücken muss, ohne dass der Zuschauer die Mimik oder Gestik sieht“, erklärt Julia Scheeser.

Viel Zeit für Hobbys bleibt der Sängerin nicht mehr

Viel Zeit für Hobbys bleibe ihr nicht, zum Beispiel für Badminton. Aber als „absolute Tierliebhaberin“ hat sie einen Hund, der ihr viel bedeutet. „Knäul“ ist ihr bei einer Auslandsreise zugelaufen. Als sie noch in der Nähe von Haag lebte, ritt sie gerne mit dem Pferd ihres Vaters aus. Vor einigen Wochen war sie zuhause zu Besuch, um mit ihren Eltern Petra Scheeser und Oliver Hahn ein virtuelles Wohnzimmerkonzertzu geben. Die beiden Musiker machten aus ihren Privaträumen zu Zeiten des Lockdowns einen Konzertsaal und nannten die Reihe „Come to my House“.

Fragen kurz und bündig

Was gibt Ihrem Leben Sinn?

Julia Scheeser: MUSIK!

Was können Sie nicht ausstehen?

Juli S.: Ausgrenzung, Rosinen, Aufdringlichkeit, endlose WhatsApp-Romane.

Was würden Sie gerne noch tun?

Juli S.: Mit meinem Opa zusammen einen Esel halten.

Wann sind Sie an ihre Grenzen gestoßen?

Juli S.: Bei dem Versuch, alles unter einen Hut zu kriegen und meinen Erwartungen gerecht zu werden - regelmäßig!

Worauf sind Sie stolz?

Juli S.: Ich bin stolz auf meine Selbstständigkeit.

Rubriklistenbild: © LAURA SCHEPERS

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