Jugendliche im digitalen Dauerstress

Schülerinnen und Schüler einer 6. Klasse lernen im Präventionsprojekt den richtigen Umgang mit den digitalen Medien. re

Haag – „Wie kann ich meinem Kind den sinnvollen Umgang mit dem Handy beibringen und auch vorleben?“ Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Informationsabends für die Eltern an der Staatlichen Realschule Haag.

„Die Eltern mit ins Boot zu holen, ist fester Bestandteil unseres Projekts“, so Schulleiter Hermann Huber in seiner Begrüßung. „Gemeinsam mit Lehrerfortbildung und Workshops für die Schüler versuchen wir, die Jugendlichen rechtzeitig fit gegen die Sucht und das Umfeld sensibel für das Thema zu machen.“ Er dankte Dieter Trost von der AOK-Direktion Mühldorf dafür, dass die Gesundheitskasse das mehrere tausend Euro teure Projekt finanziert.

Nicht nur Alkohol, Zigaretten und illegale Drogen bedrohen die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen, sondern auch der digitale Dauerstress, der durch den ständigen Begleiter namens „Smartphone“ ausgelöst wird. „Wir möchten helfen, Suchtverhalten bei Kindern zu erkennen und darüber ins Gespräch zu kommen“, sagt Tobias Koy von der Rosenheimer Suchtberatungsstelle Neon, die das Projekt durchführt. Es gelte, die richtige Balance im Umgang mit dem Handy zu finden, Chancen und Risiken einander gegenüberzustellen und die Gefahren einzudämmen.

Die Eltern wurden angeleitet, ihren eigenen Umgang mit dem Smartphone zu reflektieren, sich ihrer Vorbildfunktion bewusst zu werden und auf Möglichkeiten eines sinnvollen Umgangs mit dem Handy hingewiesen.

Am Ende waren sich die Eltern einig: Information ist unabdingbar, ebenso wichtig sind Regeln im Umgang mit dem Handy und der ständige Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen, um im Gespräch über ihren Medienkonsum zu bleiben.

Neben dem Elternabend und der Lehrerfortbildung waren die Workshops für die sechsten Klassen ein Bestandteil dieses Präventionsprojektes. Die Schüler beschäftigten sich in kleinere Gruppen mit je 15 Personen einen Vormittag lang mit dem Thema „Chatten, Zocken, Cybercrime“. Die Zielsetzung war, die Schüler im Umgang mit den neuen Medien zu sensibilisieren.

Nachdem zunächst besprochen worden war, in welchen Bereichen sich eine Sucht grundsätzlich zeigen kann, wurde auch darauf eingegangen, welche Kriterien erfüllt sein müssen, damit man wirklich von einer Sucht sprechen kann. Ein Filmausschnitt regte zum Diskutieren an, Fallbeispiele wurden thematisiert.

Auch das Cybermobbing war Thema, die Schüler erarbeiteten mögliche Herangehensweisen. Nachdem auch noch besprochen wurde, welche rechtlichen Aspekte sich dahinter verbergen, wenn „einfach so“ ein Bild mit anderen Personen weitergeschickt wird, schrieben die Schüler einen Brief an sich selbst – mit Gedanken zum Workshop. re

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