Firma mit Tüftler- und Pioniergeist

Je schwieriger, desto besser: Das Albachinger Unternehmen Altmann baut außergewöhnliche Kräne

Firmenchef Robert Altmann (links) vor dem Teststand in der Fertigungshalle. Im Hintergrund ist Andreas Adolf zu sehen, er managt die Montage im Betrieb.
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Firmenchef Robert Altmann (links) vor dem Teststand in der Fertigungshalle. Im Hintergrund ist Andreas Adolf zu sehen, er managt die Montage im Betrieb.
  • Andrea Klemm
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„Irgendwie geht es immer“: Das Firmenmotto von Kranspezialist Altmann aus Albaching hat nichts mit der Corona-Krise zu tun. Vielmehr ist es ein Leitbild für den Sonderkranbauer, das das Unternehmen in den vergangenen 25 Jahren erfolgreich gemacht hat.

Albaching – „Wir machen Sachen, von denen andere sagen, das geht nicht“, sagt Geschäftsführer Robert Altmann, der den Familienbetrieb „Altmann Fördertechnik GmbH“ mit seinem Bruder Achim (43, Wirtschaftsingenieur) gemeinsam leitet. Angefangen hat der Betrieb als kleines Handelskontor für Hebezeuge, die für Kunden vor Ort konfektioniert wurden. Weil die Auftraggeber weniger Standardlösungen und mehr Sonderanlagen und alles aus einer Hand wollten, war der Weg vorgegeben.

Tüftler- und Pioniergeist

„Wir haben damit die Qualität selbst in der Hand und die ganze Wertschöpfungskette liegt bei uns“, sagt 54-Jährige. Robert Altmann hat ursprünglich BWL studiert, dann Maschinenbautechniker gelernt und eine Weiterbildung zum Baustatiker und Kransachverständigen oben drauf gelegt. „Der Tüftler- und Pioniergeist treibt uns alle an.“ Das jährliche Umsatzvolumen gibt er mit 8,5 bis 9 Millionen Euro an.

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Anlässlich des 25. Firmenjubiläums gibt er einen Einblick in sein Geschäft, das auf drei Standbeinen beruht: Reinraumkrane, Automatikkrane und Service. Eine Spezialität aus seiner „Tüftelküche“: Reinraumkrane. Reinräume kommen etwa in der Pharmaindustrie, Luft- und Raumfahrttechnik und oder der Nanotechnologie zum Einsatz. Dort herrschen Hochlaborbedingungen, extreme Hygieneanforderungen.

Altmann in Albaching bildet viele Gewerke ab: Ingenieure, Techniker, Schlosser, Elektriker, Mechatroniker und etwa Zerspanungsmechaniker arbeiten hier. Sophia Lutz macht eine Lehre zur Industrieelektrikerin. Ausbildungsleiter Markus Krude tüftelt mit ihr an einer Motorschaltung.

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In einer Hochlabor- Umgebung mit einem Kran arbeiten, der Abrieb an Seilen und Rädern verursacht, Fette hinterlässt und Propeller hat, die den „Schmutz“ in die Luft wirbeln? Eigentlich unvorstellbar. Doch die Firma Altmann hat sich ein „Standing“ in der Branche erarbeitet, wie der Firmenchef nicht ohne Stolz sagt.

Weltweit einzige Anlage

Die größte Reinraumkrananlage weltweit mit 60 Tonnen Tragkraft hat die Albachinger Firma für den Weltmarktführer in Halbleitertechnik mit Sitz in Baden-Württemberg gebaut.

„Altmann baut Tools, die nicht aus der Schublade sind. Es gibt zwar Wettbewerber, aber unsere Anforderungen sind so hoch, dass es schwer ist, jemanden auf dem Markt zu finden“, bestätigt der Projektleiter für technische Gebäudeausstattung bei Neubauprojekten innerhalb des Technologieunternehmens.

Hohe Geheimhaltungsstufe

Zum Schutz von Betriebsgeheimnissen dürfen weder der Name des Konzerns noch des Technikexperten genannt werden. „Das sind sensible Firmeninterna“, erklärt der Ingenieur für Versorgungstechnik.

Von einer Entwicklungsphase, einem laufenden Prozess, der bis zu sechs Monate gedauert habe, berichtet er. „Man hat sich rangetastet. Wir haben sehr hohe Anforderungen ans Material, das partikelabriebsarm sein muss – auch in Verkleidungen – sowie an die Genauigkeit und Geschwindigkeit des Krans. Auf vier Hubwerken können wir Lasten von 0 bis 60 Tonnen bedienen und synchron fahren. Ich kenne weltweit keine zweite Anlage dieser Art.“

Ausgeklügeltes Mess-System

Besagtes Unternehmen in Schwaben hat ein ausgeklügeltes Mess-System, das die Partikelentwicklung kontinuierlich während der Kranbewegungen überwacht.

Das „movable Skylight“ der Moscheenschleife in Mekka – die Fördertechnik stammt aus Albaching.

Wenn Robert Altmann in die Zukunft schaut, ist ihm nicht bange. Automatisierung sei omnipräsent – und Altmann baut auch Automatikkrane, mit denen der Kunde mittels Informationstechnologie beispielsweise Lager, Warenwirtschaft und EDV miteinander überwachen kann.

Fachkräftemangel durch Automatisierung kompensieren?

„Der Fachkräftemangel wird noch spürbarer, alle wollen studieren, doch Deutschland ist eben produktionslastig“, so der Firmenchef. Durch Automatisierung – Stichwort Industrie 4.0 – werden Unternehmen effektiver, Fehler weniger, die Qualität steige, das komme dem Verbraucher zu Gute und stärke den Industriestandort Deutschland. „Automatisierung vernichtet keine Arbeitsplätze. Sie ersetzt Stellen, die ja eh nicht besetzt werden können. Wir füllen einen Bedarf auf, der anders nicht mehr gedeckt werden kann. Automatisierung ist arbeitsplatzbewahrend. Firmen, die keine Leute mehr kriegen, wandern ab ins Ausland und die Jobs hier vor Ort gehen verloren“, resümiert Robert Altmann.

Movable Skylight ist exotischstes Projekt

Das exotischste Projekt, das der 42-Mann-Laden bisher verwirklicht hat, dürfte das „movable Skylight“ der neuen Moscheenschleife in Mekka (2014 erbaut) sein. „Die Araber hatten Kapazitätsprobleme in der Heiligen Moschee und wollten eine Erweiterung um zwölf Moscheen verwirklichen – mit automatisierten Schiebedächern.

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„Ein Engineeringunternehmen, ebenfalls aus Baden-Württemberg, bekam den Auftrag für die fahrbaren Kuppeln aus Glas und Stahl und holte uns ins Boot“, so Altmann.

Jedes Dach ist verschiebbar

Als Spezialist für Fördertechnik erarbeitete das Altmann-Team eine Lösung: Jedes einzelne Dach der zwölf Moscheen sollte hydraulisch angehoben, dann verfahrbar sein und wieder abgesetzt werden. Ein übergeordnetes Prozessleitsystem überwacht die 300 Tonnen schweren Dächer – sollte bei den einzelnen Gebäuden der Strom ausfallen, etwa bei einem Feuer oder bei einem Sturm.

Höchste Sicherheitsanfoderungen an Technik

„Es galt, den allerhöchsten Sicherheitsanforderungen zu genügen. Im Brandfall sollte die Entrauchung über die Dächer erfolgen. Die Sicherheitstechnik war das A und O. In den Dächern ist wahnsinnig viel Elektronik verbaut,“ so Robert Altmann, der das Projekt in Beirut vor dem Vergabeausschuss präsentierte und von einem „spannenden Auftrag“ spricht. Über Summen, die geflossen sind, darf er nicht sprechen, er hat eine Verschwiegenheitsvereinbarung unterschrieben.

Die Stahl-Glas-Kuppel für die Moscheenschleife in Mekka – die Fördertechnik, um die zwölf Dächer zu verschieben, hat die Firma Altmann konstruiert und gebaut.

Araber ließen Dächer mit Swarovski-Steinen verzieren

Den arabischen Auftraggebern war die Optik der Dächer wichtig. So bestehen die Kuppeln aus einzelnen handgeschliffenen Glaselementen und in die Edelstahlrahmen sind hunderte von Swarovski hergestellte Glasprismen eingearbeitet. Das einfallende Sonnenlicht sorgt für ein besonderes Spektakel, erwähnt Altmann am Rande.

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Teile per Schiff nach Mekka gebracht

Gefertigt wurden die tonnenschweren Teile für die computergesteuerten fahrbaren Kuppeln in Albaching und per Schiff nach Mekka gebracht. Das Altmann-Montageteam hat sie dort zusammengebaut.

„Wenn eine Anlage in Betrieb geht, begleiten wir natürlich den Kunden, liefern Ersatzteile, justieren eventuell vor Ort nach. Eine automatisierte Krananlage ist ein metamorphes System“, so Robert Altmann.

Was macht sein Unternehmen anders, als andere? „Es gibt nicht den einen Weg. Man muss offen an etwas rangehen, das sag ich meinen Konstrukteuren immer wieder. Was in Lehrbüchern steht, gilt auch nur so lange, bis es widerlegt ist“, so der Unternehmer.

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