Die Wasserburger Zeitung schaut zurück

Jahresrückblick 2020, Teil II: Aufatmen im Wasserburger Sommer

Sinnbild des Wasserburger Sommers 2020: der gut besuchte Altstadtbiergarten an der Rampe.
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Sinnbild des Wasserburger Sommers 2020: der gut besuchte Altstadtbiergarten an der Rampe.
  • vonKatharina Heinz
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Das Corona-Jahr 2020 geht zu Ende. Die Wasserburger Zeitung schaut in Teil 2 des Jahresrückblicks zurück auf den Sommer. Für ein paar Monate gab die Pandemie ein wenig Ruhe. Die Wasserburger atmeten auf und genossen das wieder aufblühende städtische Leben.

Wasserburg – Stück für Stück erwachte in Wasserburg nach dem Lockdown wieder das Leben. Die Spielplätze öffneten und die Schulen bereiteten sich auf den Neustart vor. Viele Einschränkungen blieben jedoch: Die Schüler mussten Abstand zu ihren Klassenkameraden wahren und – im Mai zunächst nur auf den Gängen – Mundschutz tragen.

Im Mai: neuer Stadtrat nimmt die Arbeit auf

Auch die Wasserburger Gastronomen bekamen zu spüren, dass Corona noch lange nicht vorbei ist. Sie durften zwar wieder öffnen – erst nur die Außenbereiche, später auch die Innenräume – doch die Auflagen stellten die Wirte vor Herausforderungen. Neben Desinfektionsmittel mussten sie jetzt auch Listen zum Erfassen der Gäste-Daten bereitstellen. Damit sollte bei einer Infektion die Nachverfolgung vereinfacht werden. Außerdem galt in Restaurants und Co, solange man nicht am Tisch saß, Maskenpflicht.

Nachrichten vom Seniorenheim Maria Stern auf der Burg trübten ebenfalls die Stimmung. Dort war das Virus mit großer Wucht ausgebrochen und hatte bereits das zehnte Todesopfer gefordert.

Für etwas Aufmunterung sorgte da eine Aktion der Stadt: Alle Kinder waren aufgefordert, die mangels Veranstaltungen leeren Litfaßsäulen mit bunten Bildern zu schmücken. Der neunjährige Benjamin zum Beispiel schickte auf seinem Bild eine Giraffe los, die das Corona-Virus einfach auffraß.

Doch auch politisch ging es im Mai wieder los. Nach der Verabschiedung der scheidenden Stadtratsmitglieder – Otto Zwiefelhofer, Peter Stenger, Marlene Hof-Hippke, Andreas Aß, Dr. Christine Mayerhofer, Markus Hoeft und Sophia Jokisch – folgte die konstituierende Sitzung des neuen Gremiums. Dabei wurden Christian Flemisch (ÖDP), Katharina Hausmann (Bündnis 90/Die Grünen), Dr. Martin Heindl (SPD), Christoph Klobeck (CSU), Bettina Knopp (Bündnis 90/Die Grünen), Heike Maas (CSU) und Christian Peiker (linke Liste) vereidigt. Als Stellvertreter von Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) wurden Werner Gartner (SPD) und Edith Stürmlinger (Bürgerforum) gewählt.

Endlich wieder baden im Juni

Einfach abtauchen – das war ab Juni wieder im Badria möglich. Zunächst öffnete nur das Freibad, natürlich unter strengen Hygiene-Richtlinien. Das Lokal, von der neuen Pächterfamilie Korkmaz aufwändig umgebaut, musste allerdings noch geschlossen bleiben.

Während sich Bruno Bibinger, der neue Stadtpfarrer ab September, schon einmal im Interview in der Wasserburger Zeitung vorstellte, trat Klaus Vogl seine neue Stelle als Wasserburger Dekan an. Überhaupt war der Juni der Monat der Neuheiten. Von der Baustelle der neuen Klinik des Inn-Salzach-Klinikums und der Romed-Klinik in Gabersee, die im Jahr 2022 fertig wird, vermeldete man: „Alles wieder im Zeitplan“. Hier hatten eine Geländemodellierung und die Trennung von einem Planungsbüro für Verzögerungen gesorgt, die man allerdings unter Corona wieder reinholen konnte.

Eine neue Chefin zog indes im Café Schranne ein, das während Corona schließen musste. Konditorin Barbara Hinterberger aus Soyen machte sich zunächst an die Renovierung, bevor sie im August als Tagescafé öffnete. In der Ponschabaustraße zogen die ersten Mieter ein. Die Stadt Wasserburg hatte dort für 5,5 Millionen Euro eine Anlage mit 23 barrierefreien und sozialverträglichen Wohnungen geschaffen.

Auch im Juli wurde fleißig gebaut. So begannen etwa die Arbeiten am Badria-Stadion, das für über eine Million Euro saniert wird. Erneuert wurde unter anderem die Laufbahn und die Kugelstoß-, Weit- und Hochsprunganlage.

Am Schopperstattweg nahe der Rampe poppte indes ein Biergarten auf. Auf der freien Fläche, auf der einmal das neue Feuerwehrhaus gebaut werden soll, entstand eine Freischankfläche auf Zeit mit Kultur-Programm – natürlich unter strengen Hygiene-Bedingungen.

Tierisch kurios: der Juli

Etwas später im Juli wurde es kurios und tierisch in der Altstadt. Zunächst kam es zu einem Zwergenaufstand neben dem Rathaus. In einer Aktion mit 30 Gartenzwergen machten die Selbsthilfegruppen der Region auf ihre Arbeit aufmerksam. Kurz darauf saß plötzlich ein überdimensionaler Hase auf dem Marienplatz. Die 500 Kilo schwere Bronzeskulptur war der Hingucker der „Großen Kunstausstellung“. Etwas später, im August, sollte der Mümmelmann sogar noch eine gehäkelte Karotte bekommen. Eine Wasserburger Häkel-Künstlerin war den ganzen Sommer über inkognito in der Stadt unterwegs, verzierte etwa die Bäume mit gehäkelten Corona-Viren, oder schenkte dem Hasen eben eine Möhre.

Schlechte Nachrichten erreichten indes den Wasserburger Stadtrat. Denn beim geplanten Neubau des Museumsdepots, über den schon lange gerungen worden war, kam es zu einer Kostenexplosion. Bei der ersten Gesamtausschreibung wurden die Preise der Gewerke teils bis zu 90 Prozent überschritten. Die Verwaltung setzte den Rotstift an. Trotzdem liegen die Kosten nun bei 3,8 statt bei drei Millionen Euro. Baustart soll 2021 sein. Ebenfalls im nächsten Jahr will die Stadt eine große Rettungsaktion für die Stadtmauer starten. Weil das historische Bauwerk zu zerbröseln droht, wurde sie mit bis dahin mit einer Stahlkonstruktion auf Friedhofsseite gestützt.

Nass, bunt und spannend: der August

Der August begann nass – erst von oben, dann auch von unten. Nach Dauerregen stieg die Hochwassergefahr am Inn, der schließlich einen Höchststand von 5,88 Metern erreichte. Der Inndeich sowie die Innbrücke wurden gesperrt. Neben den üblichen Überschwemmungen am Innweg kam die historische Rote Brücke aber glimpflich davon. Die Wasserburger Feuerwehr war mit 40 Kräften im Einsatz und hatte die Lage im Griff.

Nein, es waren keine Graffiti-Banausen, die da an der ehemaligen Essigfabrik am Werk waren. Die farbenfrohen Kunstwerke aus der Spraydose stammten von Kindern des Wasserburger Ferienprogramms und waren ausdrücklich erlaubt. Auf dem Areal sollen 2021 die Bagger anrücken, um die alten Firmengebäude abzureißen und Platz für ein neues Wohngebiet zu schaffen. Doch zunächst sind die Bauarbeiter noch auf der anderen Seite beschäftigt: Am Inn muss erst noch das neue Schöpfwerk fertiggestellt werden.

Außerdem kam es im August zu einem wahren Krimi in der Burgau.  Nachdem von dort bei der Feuerwehr ein Drohanruf mit Bombendrohung eingegangen war, sperrte man das Wohngebiet weiträumig ab und evakuierte die Anwohner. Sprengstoffexperten aus München und Nürnberg wurden mit dem Helikopter eingeflogen. Am Ende handelte es sich um nichts als heiße Luft. Die Polizei vermutete bei dem psychisch auffälligen Täter langjährige Streitigkeiten mit Nachbarn als Hintergrund. Sprengstoff wurde nicht gefunden.

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