„Fasanenjagd“ gegen Nazi-Bonzen: Warum die Kapitulation in Wasserburg unblutig verlief

Widerstand gegen den Nationalsozialismusleistete der spätere Wasserburger Landrat und Bürgermeister Josef Estermann. Er sorgte dafür, dass die Stadt kampflos den US-Streitkräften übergeben wurde.
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Widerstand gegen den Nationalsozialismusleistete der spätere Wasserburger Landrat und Bürgermeister Josef Estermann. Er sorgte dafür, dass die Stadt kampflos den US-Streitkräften übergeben wurde.
  • Andrea Klemm
    vonAndrea Klemm
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Sepp Estermann gilt als beherzter Retter der Stadt Wasserburg 1945, weil er für eine Kapitulation in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges sorgte. Der Wasserburger Robert Obermayr hat dem einst einfachen Korbmacher in Gedenken an das Jubiläum „75 Jahre Befreiung“ eine Forschungsarbeit gewidmet.

Wasserburg – Der Wasserburger Robert Obermayr hat Josef Estermann eine Forschungsarbeit gewidmet, die der Wasserburger Zeitung in Auszügen vorliegt.

KPD-Mitglied und Ex-KZ-Häftling Josef Estermann wurde im Mai ’45 von der amerikanischen Militärregierung als Bürgermeister eingesetzt und im Oktober desselben Jahres mit dem Amt des Landrats betraut.

Fasziniert von der Person Estermann

Die Person Estermann fasziniert Obermayr schon lange, er hatte ihm auch einen längeren Wikipedia-Eintrag dediziert und steigt mit seiner aktuellen Abhandlung nun noch tiefer in die Lokalgeschichte ein. Heute vor 75 Jahren kam es in Bayern zur „Freiheitsaktion“. Dass sie unblutig verlief, dafür sorgte Estermann – während sie andernorts in Südbayern in einem Fiasko endete.

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„Achtung, Achtung! Es spricht der Sender der Freiheits-Aktion Bayern […] Das Stichwort ‚Fasanenjagd‘ ist durchgegeben […] Beseitigt die Funktionnaere [sic] der nationalsozialistischen Partei! Die F.A.B. hat heute Nacht die Regierungsgewalt erstritten“, hieß es in einem Radio-Aufruf der „Freiheitsaktion Bayern“ am 28. April 1945 (FAB, Widerstandskämpfer in den letzten Kriegstagen, die eine gewaltlose Kapitulation anstrebten, Anm. d. Red.).

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Zu diesen Männern gehörten auch Militärangehörige, die ein weiteres Blutvergießen vermeiden wollten und auch desillusionierte Parteimitglieder, die vom Durchhalteterror genug hatten, so Obermayr.

Fortsetzung folgt

Die „Fasanenjagd“ richtete sich gegen die NSDAP-Bonzen, die Gold bestickte Krägen trugen und deshalb im Volksmund „Goldfasane“ hießen. Wie Estermann es schaffte, etwa den NSDAP-Kreisleiter Kurt Knappe davon zu überzeugen, den anrückenden US-Soldaten keinen Widerstand entgegenzusetzen, zu wem er gesagt hat „Sorgen Sie dafür, dass kein Blut fließt“ und was sonst noch in den letzten Kriegstagen in Wasserburg geschah, lesen Sie in der folgenden Ausgabe.

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