30 Jahre Kommunalpolitiker in Rott

Marinus Schaber freut sich: „Endlich kein Termindruck mehr.“ Im Gemeinderat wird der bisherige Bürgermeister von Rott weiter aktiv bleiben. Ganslmaier
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Marinus Schaber freut sich: „Endlich kein Termindruck mehr.“ Im Gemeinderat wird der bisherige Bürgermeister von Rott weiter aktiv bleiben. Ganslmaier

Marinus Schaber blickt auf eine lange Amtszeit im Rotter Gemeinderat zurück: Vor 30 Jahren wurde er zum ersten Mal in das Gremium gewählt. Nach zwölf Jahren als Bürgermeister wird er nun wieder Gemeinderat.

Rott - Ab 2002 war er sechs Jahre Zweiter Bürgermeister und anschließend zwölf Jahre Erster Bürgermeister der Gemeinde. Seine Bilanz ist zwiegespalten: Die ersten Jahre als Erster Bürgermeister seien schwer gewesen, die nächsten sechs Jahre dann das komplette Gegenteil. Jetzt schließt sich der Kreis von 30 Jahren Kommunalpolitik: In den neuen Gemeinderat zieht Schaber wieder als Gemeinderatsmitglied ein.

„Es ist leichter, Bürgermeister zu werden als Bürgermeister zu sein“ – Diese Erfahrung musste Marinus Schaber machen, als er 2008 die Wahl zum Rotter Rathauschef gewann. Wie er im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt, wurde ihm „mancher Prügel zwischen die Füße geworfen“. Er habe zwischenzeitlich sogar da ran gedacht, das Amt niederzulegen, aber der damalige Zweite Bürgermeister Dr. Jürgen Hüther (SPD) und der Leiter der Geschäftsstelle, Daniel Wendrock, bestärkten ihn, weiterzumachen.

Dabei war Schaber kein Laie in der Gemeindepolitik. „Aber es ist ein Riesenunterschied, als Gemeinderat und Zweiter Bürgermeister tätig zu sein oder als Erster Bürgermeister die Gemeindebelange zu steuern“, weiß Schaber heute.

Erst CSU,dann fraktionslos, jetzt Bürger für Rott

Als Schaber 1990 erstmals in das Gremium gewählt wurde, war er Mitglied der CSU. Ein Jahr später verließ er die Fraktion, sein Abstimmungsverhalten stieß bei seinen Kollegen auf Ablehnung. Die restlichen fünf Jahre blieb er fraktionslos. Für die Kommunalwahl 1996 gründete er unter anderem mit Ruth Burghardt und Dr. Klaus Absmaier den Verein Bürger für Rott und zog auch mit ihnen in den Gemeinderat ein.

Von 1996 bis 2002 war Marin Schaber Zweiter Bürgermeister. Gemeindeoberhaupt war Georg Maier (CSU). „Wir haben gut harmoniert.

Schaber: „Es war ein tolles Zusammenarbeiten."

Als Schaber zum Rathauschef gewählt wurde, folgten seine „Lehrjahre als Bürgermeister“. Von 2014 weg wurde es spürbar besser, der Gemeinderat war neu zusammengesetzt „und es konnte endlich fraktionsübergreifend für die Sache zusammengearbeitet werden“, erinnert sich Schaber heute. Marinus Schaber kommt fast ins Schwärmen: „Es war ein tolles Zusammenarbeiten, es hat richtig Spaß gemacht“, bekräftigt er immer wieder.

Am letzten Tag seiner Amtszeit geht er nun mit einem weinenden und mit einem lachenden Auge. Das weinende Auge, weil das Positive überwog und er Etliches vermissen wird, wie die Zusammenarbeit mit Mitarbeitern oder zum Beispiel der Kollegenkreis im Landkreis. Das lachende Auge, weil er endlich frei von Termindruck ist. Er sei oft abends oder am Wochen ende von Termin zu Termin gehetzt und die Urlaubsplanung wurde vom Terminkalender begrenzt. Allein beim Einkauf der Frühstückssemmeln brauchte er mindestens 30 Minuten, ständig wurde er zu diesem oder zu jenem Thema angesprochen, dabei ist der Bäcker nur wenige Schritte von seiner Wohnung entfernt. Nun sei er wieder Herr seiner Zeit, hofft er. 

Marinus Schaber im Interview

Was war Ihr größter Erfolg oder was waren für Sie wichtige Vorhaben, die Sie umsetzen konnten?

Marinus Schaber: Es konnten etliche wichtige Projekte verwirklicht werden. Das ist zum Beispiel der Neubau des Kindergartens, der Hochwasserschutz Rabenbach, der Breitbandausbau, die Friedhof erneuerung, der Geh- und Radweg von Meiling nach Maierbach, der Wasserleit- und Notverbund mit der Gemeinde Pfaffing, die Erweiterung des Gewerbegebietes Eckfeld-Ost, die Wohnbaugebiete Leitenfeld und Lengdorf und ganz aktuell die Schulhausplanung. Was mich besonders freut, ist der Grunderwerb von 360 000 Quadratmetern von Wohnbaufläche, Gewerbeflächen und landwirtschaftlichen Ausgleichsflächen. Das ist ein wichtiges Kapital, auf das meine Nachfolger zugreifen können.

Was hätten Sie noch gerne in Ihrer Amtszeit realisiert?

Schaber: Ich hätte noch gern für Rott einen Discounter realisiert. Doch die Übereinstimmung mit den drei wichtigen Handlungsparteien war schwierig. Das ist zum einen der Investor, zum anderen die Grundstückseigentümer und dann wieder die Gemeinderäte. Wenn nur einer von den Parteien sich quer stellt, ist das Projekt erstmals geschoben. Ich habe gesehen, wo die Rotter einkaufen und wollte das nach Rott holen. Ich wollte für Rott einen Discounter, einen Drogeriemarkt und einen Biomarkt.

Aus Ihrer langen Erfahrung im Gemeinderat heraus: Welchen Ratschlag geben Sie Ihrem Nachfolger?

Schaber: Für mich steht die Menschliche vor dem Erfüllen von Paragrafen. Ein Bürgermeister kann es bestimmt nicht jedem recht machen, aber er kann viel für viele bewirken. Mir sind die Mitarbeiter von Behörden ein Gräuel, die fernab an ihren Schreibtischen nur Paragrafen zitieren und das Menschliche völlig außer Acht lassen.

Da hat der neue Landrat nach meiner Ansicht den wichtigsten Auftrag: die Behörden und Ämter menschlicher und sensibler für die Belange der Einwohner zu machen.

Was wünschen Sie Ihrer Gemeinde für die Zukunft?

Schaber: Der Neubau von Schule und Kläranlage steht an, da kann ich Rott nur volle Kassen wünschen. Wichtig für Rott ist aber auch immer ein gut miteinander arbeitender Gemeinderat. Dann kann vieles umgesetzt werden. Letztendlich wollen doch alle für Rott das Beste. Nur der Blickwinkel ist manchmal anders.

Sie gehen vom Bürgermeisteramt zurück in den Gemeinderat. Ein sicherlich ungewöhnlicher Schritt. Warum?

Schaber: Erstmals will ich den neuen Bürgermeister unterstützen. Wer so ein Amt antritt, kann jede Hilfe brauchen. Zweitens habe ich mich schon immer engagiert. Ich war Fußballabteilungsleiter, war Festwirt und war bei der damaligen Dorfverschönerung dabei. Jetzt auf einmal gar nichts mehr zu tun, das kann ich mir nicht vorstellen. Ich habe in den 30 Jahren Kommunalpolitik viel Wissen und Erfahrung angesammelt, da wird bestimmt manches dabei sein, was ich einbringen kann. Jetzt bin ich in der glücklichen Lage zu sagen: „Jetzt kann ich, aber ich muss nicht mehr.“

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