Jagdpächter kauft Drohne zur Rettung der Rehkitze und erfüllt seiner Nichte damit einen Wunsch

Jäger Stefan Spielvogl mit einem geretteten Rehkitz. Seine Nichte Lisa Bierwirth überredete ihn, eine Drohne mit Wärmebildkamera anzuschaffen, um Rehkitze vor dem Mähtod zu bewahren.

Rettet die Kitze! Darum geht es Jagdpächter Georg Binsteiner aus Rechtmehring, der sich auf die Bitte seiner Nichte hin eine teure Drohne mit Wärmebildkamera angeschafft hat. Nun spürt Lisa Bierwirth die Tierbabys mit moderner Technik auf.

Von Franz Manzinger

Rechtmehring/Schleefeld – Wenn im Frühjahr die Landwirte die erste Mahd ansteht, ist für die oft frisch gesetzten Rehkitzlein Gefahr in Verzug. Die Rehgeißen legen ihre Kitze gerne in das teils hohe Gras. Auch Georg Binsteiner ist darum bemüht, dass möglichst wenig Kitze ihr Leben lassen müssen. Besonders seine Nichte Lisa drängte ihn dazu, eine Drohne zu kaufen, um damit Kitze zu retten. „Mir haben die Tiere leidgetan“, sagt Lisa Bierwirth.

Drohne kostet rund 8000 Euro

Keine günstige Investition. „Das Teure ist die Wärmebildkamera, die alleine 6000 Euro kostet. Gemeinsam mit der Drohne sind wir dann bei 8000 Euro“, sagt Jagdpächter Georg Binsteiner, der die Anschaffung dennoch bezahlte.

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Die Drohne wird neben Lisa, die ihre Landwirtschaftslehre auf dem zweiten Bildungsweg gemacht hat, abwechselnd noch von Mitjäger Stefan Spielvogl und Jagdgenosse Thomas Bareuther geflogen. Sie machen das ehrenamtlich und haben dazu eine aufwendige Einführung erhalten, so Binsteiner. Mit diesem Engagement unterstützen sie auch die Landwirte. Denn grundsätzlich seien diese dafür verantwortlich, dass vor dem Mähen entsprechende Maßnahmen ergriffen werden, damit keine Kitze oder andere Wirbeltiere zu Schaden kommen, so Binsteiner.

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Ein gerettetes Kitz.

Sollte ein Tier verletzt oder getötet werden, müssen die Landwirte beweisen, dass sie entsprechende Maßnahmen ergriffen haben. Dazu kommt der praktische Nutzen für den Landwirt: Kommt nämlich ein totes Tier ins Futter, kann das bei den Kühen zu Botulismus führen, einer Art Fleischvergiftung. Das wiederum würde einen enormen finanziellen Schaden bedeuten. Sobald ein Landwirt bei Georg Binsteiner anruft und mitteilt, dass er eine Wiese mähen will, aktiviert der Jagdpächter einen seiner drei Drohnen-Piloten und die Wiese wird abgeflogen. Aufwendig ist bereits die Vorbereitung, denn jedes Areal muss zuvor in die Kamera eingespeichert werden. Je nach Größe der Wiese ist die Suche aus der Lift in ein paar Minuten vorbei.

Heuer bereits 27 Tiere entdeckt

In der Hochsaison sind die ehrenamtlichen Drohnenpiloten jeden Tag unterwegs. Ideal ist es am Abend oder am Morgen. Wenn es zu heiß ist, erkennt die Wärmebildkamera das Rehkitz nicht mehr, weil auch die Umgebung entsprechend aufgeheizt ist.

In diesem Jahr hat das Team bereits 27 Wildtiere gerettet. „Früher haben wir vor dem Mähen die Wiesen durchgekämmt und haben nach Kitzen gesucht“, erinnern sich Georg Binsteiner. Heutzutage mähen viele Landwirte mit einem sogenannten Schmetterling-Mähwerk, das bis zu neun Meter Arbeitsbreite hat. In atemberaubendem Tempo ist damit die Arbeit erledigt und die Wiese gemäht. Da sei konventionelles Suchen kaum mehr möglich.

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