Ist die Gemeinde Isen schon reif für Carsharing?

Carsharing hat Zukunft. Nun diskutiert der Gemeinderat in Isen, in welcher Form man das Auto teilen in der Gemeinde umsetzen könnte.
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Carsharing hat Zukunft. Nun diskutiert der Gemeinderat in Isen, in welcher Form man das Auto teilen in der Gemeinde umsetzen könnte.

Noch keine Entscheidung gab es in der jüngsten Gemeinderatssitzung darüber, ob und wie in Isen künftig Carsharing möglich sein wird. Das Gremium möchte keinesfalls die örtlichen Autohäuser umgehen und diskutiert mögliche Modelle.

Von Anne Huber

Isen – Zunächst soll Carsharing-Anbieter Mikar aus Deggendorf, der in der Kommune zum Stundentarif von 4,90 Euro (Tagestarif 44,90 Euro) einen 9-Sitzer zur Bürger-Nutzung bereitstellen möchte, wegen eines kleineren Fahrzeugs kontaktiert werden.

Örtliche Autohäuser einbinden

Um einheimische Firmen in die Entscheidung einzubinden, soll bei den beiden örtlichen Autohäusern angefragt werden, ob sie ihre Mietwagen auch stundenweise anbieten können. Dass die Kommune keine Entscheidung an den einheimischen Unternehmen vorbei treffen sollte, brachte Bürgermeisterin Irmgard Hibler (FW) in die Diskussion ein.

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„Wir sollten unsere örtlichen Firmen unterstützen“, sagte sie. Hinzu kommt, dass Isener Bürger bei den beiden örtlichen Firmen 20 Prozent Nachlass für die insgesamt sieben Leihwagen erhielten. Heimische Vereine müssen sogar nur die Hälfte des regulären Mietpreises zahlen.

Mikar finanziert sich über Werbegelder

Auch würde das Mikar-Modell in Isen nur dann gestartet werden, wenn von den Isener Betrieben und Unternehmen während einer vierjährigen Laufzeit 45 000 Euro an Werbegeldern aufgebracht würden, sagte Hibler. Hintergrund ist, dass die Carsharing-Fahrzeuge des Deggendorfer Unternehmens durch örtliche Werbepartner finanziert werden, die auf den Autos Werbeplatz für ihre Firmen erhalten.

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„Die Mietautos der Autohäuser Perzl und Spielberger und das Carsharing schließen sich nicht aus, da nimmt einer dem anderen nichts weg“, meinte Michael Feuerer (CSU). Auch Michael Kunze (SPD) sah keine Konkurrenz zwischen Mikar und den örtlichen Autoverleihern. „Ich glaub net, dass eine Hausfrau in so a großes Auto steigt“, sagte er über den Neunsitzer.

Was ist Unterschied zu Autovermietung?

Weite Teile der Diskussion drehten sich um den Unterschied zwischen Carsharing und Autovermietung. Während man sich zu Carsharing meist spontan entscheide, sei es ein geplantes Vorhaben, ein Auto zu mieten. „Bei Carsharing ist man flexibler und kann kurzfristiger buchen“, sagte Lena Geiger (Grüne).

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Für Wolfgang Betz (FW) ließen sich die beiden Geschäftsmodelle ohnehin nicht vergleichen: „Ich tu‘ mir damit schwer, anders wäre es, wenn die örtlichen Anbieter auch stundenweise vermieten würden“. Diese Möglichkeit soll nun die Verwaltung ermitteln.

Ausleihen muss einfach gestaltet sein

Erhard Aicher (CSU) schlug vor, dass die beiden KFZ-Unternehmen ein ähnliches System wie Mikar anbieten sollten: Durch eine Anmeldung als potenzieller Ausleiher könne man beispielsweise über einen Schlüsselkasten problemlos an die Fahrzeuge gelangen. Für Bernhard Schex (CSU) stand fest, „wenn wir Carsharing anbieten, dann sollten wir das mit den Örtlichen machen“. Die Verleih-Modalitäten sollten allerdings ähnlich einfach wie bei anderen Carsharing-Modellen sein, „ohne eine DIN-A4-Seite ausfüllen zu müssen“. Die Buchung sollte über eine App erfolgen können.

Keinen wesentlichen Vorteil von Carsharing gegenüber Mietwagen sah Michael Betz (FW). Da „niemand nur eine Stunde unterwegs sein wird“, sah er beim Stundentarif von 4,90 Euro keinen großen Unterschied zu den 39 Euro Tagestarif des kleinsten Fahrzeugs eines Autoverleihers. Probleme mit dem Standort der Fahrzeuge der örtlichen Anbieter hatte Feuerer. Während das Mikar-Auto zentral in der Tiefgarage des Rathauses untergebracht werden soll, lägen beide Autohäuser außerhalb. „Da muss man erst mal hinkommen“, sagte er.

Neunsitzer ungeeignet für Isen

Einig war man sich im Gremium, dass ein Neunsitzer das ungeeignete Fahrzeug für Isen ist. „Das könnte vielleicht mit einem Kombi auch funktionieren“, schlug Lena Geiger vor. Sie sah im Carsharing ein zukunftsfähiges Modell, „das möglicherweise das zweite oder dritte Auto im Haushalt überflüssig macht“.

Die Verwaltung wird nun ermitteln, ob Mikar auch einen kompakteren Wagen zur Verfügung stellen wird. Beide interessierte Autohäuser sollen darstellen, ob sie an Carsharing interessiert sind und wie sie sich eine Umsetzung vorstellen können.

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