WINDRAD AUF DEM DACH

Isener Elektriker baut sich seine eigene kleine Energiewende

Rudi Liebhardt hat sich ein Mini-Windrad auf sein Einfamilienhaus in Isen geschraubt.
+
Mehr um den Spaß als um das Stromsparen, geht es Rudi Liebhardt. Er hat sich ein Mini-Windrad auf sein Einfamilienhaus in Isen geschraubt. Bei Sturm schaltet er die Anlage nachts aus.

Windkraft ist eine diskutierte Variante regenerativer Stromerzeugung. Nicht geredet, sondern angepackt hat dabei Rudi Liebhardt. Der Isener hat auf dem Dach seines Einfamilienhauses eine Kleinwindanlage stehen. Nicht, weil sich dadurch viel Strom erzeugen ließe, sondern weil er Spaß daran hat.

von Anne Huber

Isen – Die Frage „Lohnt sich das denn?“, die Bekannte und Passanten Liebhardt stellen, muss der Bastler immer mit einem Nein beantworten. Denn die Anschaffungskosten von rund 1800 Euro für die Anlage, die er schon im Jahr 2015 installiert hat, haben sich nicht durch die Stromersparnis amortisiert. Aber darum geht es Liebhardt nicht.

Mit einer Nennleistung von 0,48 Kilowatt und einem Rotordurchmesser von 1,6 Metern zählt das Windrad zu den Mikroanlagen.

Weitere Artikel und Nachrichten aus der Region Wasserburg finden Sie hier.

Brummen durch Wind erzeugt

Die maximale Leistung erreicht die Anlage nur bei hohen Windstärken – vorausgesetzt Liebhardt zieht nicht schon vorher den Stecker. Denn weil das Gebäude wie ein Resonanzkörper wirkt, kann bei Starkwind ein Brummen im Haus auftreten. Fachleute nennen diesen Effekt Körperschallübertragung. „Dann schalt ich nachts aus“, sagt der gelernte Elektriker, der die letzten 30 Jahre seines Berufslebens als Elektromeister und Regeltechniker bei einem Großhandel für Elektroanlagen gearbeitet hat.

Faszination seit Kindheitstagen

Fasziniert von der Windkraft war der gebürtige Münchner, der bereits als Kind nach Isen gekommen ist, lang. „Ich hab schon als Bub die Anlagen bewundert, die manche Landwirte für ihre Brunnen hatten“, erzählt der 80-Jährige.

Auch interessant: Erdgas tanken in Rosenheim: Ein Zukunfts- oder Auslaufmodell in Hinblick auf die Energiewende?

Vor knapp sechs Jahren hat er sich dann den Wunsch erfüllt, ein eigenes Windrad zu besitzen. Schwierig war die Umsetzung nicht: Kleinwindanlagen sind in Bayern erst ab einer Höhe von zehn Metern genehmigungspflichtig.

Lediglich privater Nutzen

Weil die ohnehin geringe Maximalleistung von 480 Watt in den seltensten Fällen erreicht wird, verbraucht Liebhardt selbst den vom Windrad erzeugten Drehstrom, der über einen Umspanner in haushaltsüblichen Wechselstrom umgewandelt wird.

„Die Einspeisung ins Netz eines E-Werks wäre unrentabel, weil die mehr Gebühren verlangen als ich für den Strom bekommen würde“, sagt der Rentner, zu dessen Hobbys neben der Windkraft auch das Tanzen und Reisen gehört. Früher war er bei der Kultband „Separation“ Bassist.

Solaranlagen sorgen für Warmwasser

Rentabler als sein Windrad sei die Solaranlage, die er ebenfalls montiert hat. „Damit habe ich das ganze Jahr über warmes Wasser“, sagt Liebhardt. Dass seine Windanlage wenig Strom produziert, führt der Elektro-Fachmann nicht nur auf deren geringe Leistung zurück.

„Die Windstärke ist in den letzten Jahren zurückgegangen“, will Liebhardt festgestellt haben. Seinen Spaß am Windrad trübt das aber nicht. Liebhardt setzt trotzdem auf „vom Winde verdreht“.

Kommentare