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AM 4. MAI

Internationaler Tag der Feuerwehrleute: Das treibt Männer und Frauen aus der Region Wasserburg an

Beim Hochwassereinsatz im Sommer 2020 erlebte die Wasserburger Feuerwehr besondere Wertschätzung: Die Bürger versorgten die Feuerwehrleute mit Brotzeit.
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Beim Hochwassereinsatz im Sommer 2020 erlebte die Wasserburger Feuerwehr besondere Wertschätzung: Die Bürger versorgten die Feuerwehrleute mit Brotzeit.
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  • Andrea Klemm
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Auf sie kann man sich verlassen: Feuerwehrleute. Egal, ob sie sich bei der Freiwilligen Wehr engagieren oder bei der Berufsfeuerwehr sind - diese Frauen und Männer sind zur Stelle, um zu „Retten, Löschen, Bergen, Schützen“. Zum Internationalen Tag der Feuerwehrleute verraten Ehrenamtler und Profis aus der Region, was sie antreibt.

Wasserburg/Eiselfing/Schnaitsee/Haag/Ramerberg/München – Stellen Sie sich vor, es brennt, und keiner löscht. Oder Sie sind nach einem Unfall im Auto eingeklemmt und niemand kommt, um Sie zu befreien. Ihr Keller ist nach Starkregen mit Wasser vollgelaufen? Pech!

Passten beim Wasserburger Faschingszug 2020 auf, dass keine Autos in die Altstadt fahren: Wasserburger Feuerwehrleute.

Ihre Katze hat sich auf einen hohen Baum verstiegen und traut sich nicht mehr runter? Dann verhungert sie eben da oben. Zum Glück ist das in Deutschland nicht der Fall. Die Freiwillige Feuerwehr und die Berufsfeuerwehr sind immer zur Stelle. Darauf kann man sich verlassen.

Tag des Schutzpatrons

Am 4. Mai, zum Internationalen Tag der Feuerwehrleute, lässt die Wasserburger Zeitung Menschen zu Wort kommen, die in der Region für „Retten, Löschen, Bergen, Schützen“ stehen. Der 4. Mai ist auch der Tag des Heiligen Florian, dem Schutzpatron der Feuerwehrleute.

Gruppenführerin, die zeigt, was sie kann

Manuela Fischl, Feuerwehr Wasserburg und Haag.

Manuela Fischl, Feuerwehr Wasserburg und Haag:

Der Grund, warum sich Fischl engagiert, ist einfach: „Weil ich gerne helfe“, sagt die Gruppenführerin. „Ich bin gerne für andere da.“ Das schönste Erlebnis für sie ist deshalb auch, zu sehen, dass es den Menschen, die von einem Einsatz betroffen waren, wieder gut geht. „Wenn man denen begegnet und sieht, die sind wieder auf dem Damm, denen geht es wieder gut, das motiviert sehr.“ Insbesondere, wenn sie zusätzlich noch deren Dankbarkeit mitbekommt. „Manchmal bekommen wir auch Briefe, das ist immer ein schönes Erlebnis.“

Kein Sexismus in ihrer Wehr

Auch die Gemeinschaft, die sich in den Feuerwehren erlebt, schätzt sie sehr. In Corona-Zeiten sei das schwieriger geworden, aber sie ist dankbar für die Möglichkeit sich dennoch im kleinen Rahmen zu treffen.

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Sexismus hat die die 40-Jährige bei den Feuerwehren in Wasserburg und Haag nicht erlebt. „Ich wurde von Anfang an sehr gut aufgenommen“, sagt sie. In München, wo sie zuvor tätig war, habe sie da andere Dinge erlebt. Aber klar sei auch: „Man muss schon zeigen, was man kann. Man kann sich nicht auf dem Frau-sein ausruhen.“

Bürgermeister und Jugendwart

Georg Reinthaler, Bachmehring.

Georg Reinthaler, Feuerwehr Bachmehring:

„Ich wurde vor 22 Jahren über die Jugendgruppe Mitglied bei der Feuerwehr Bachmehring/Eiselfing“, sagt Eiselfings Bürgermeister. „Seit 2006 übe ich in der aktiven Mannschaft die Funktionen als Gruppenführer und Jugendwart aus. Vor Ort Verantwortung für Mitmenschen in Not übernehmen zu können und schwierige Einsatzlagen gemeinsam als Team zu bewältigen, machen für mich die persönliche Motivation aus“, so der 36-Jährige.

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Und diese Erfahrungen und Werte rund um das Ehrenamt Feuerwehr möchte er im Rahmen der Ausbildung auch ganz bewusst an die Mitglieder der Jugendfeuerwehr weitergeben.

Belastend: Junge Frau verbrennt in ihrem Auto

Den Feuerwehrdienst mit dem zeitintensiven Bürgermeisteramt zu vereinbaren, sei definitiv eine Herausforderung. „Bei Alarmierungen tausche ich aber, wenn irgend möglich, das Büro im Rathaus mit dem Platz im Löschfahrzeug. In vielen Fällen ist es dann durchaus ein Vorteil, wenn die Einsatzleiter unserer vier Ortsfeuerwehren einen denkbar ,kurzen Dienstweg‘ zur Gemeinde haben“, so Reinthaler.

Gerne in Erinnerung bleiben erfolgreiche und ungewöhnliche Einsätze – etwa, wenn man Brände schnell gelöscht hat, bevor sie großen Schaden anrichten konnten. Oder wenn eine Maus in einem Elektroschaltschrank einen Kurzschluss verursacht und der Biber durch Grabungen plötzlich einen Feldweg einstürzen lässt. „Mein bislang persönlich belastendster Einsatz war ein Verkehrsunfall, in dessen Folge eine junge Frau ohne Chance auf Rettung in ihrem Fahrzeug verbrannte. Ich war in dem Trupp, der sie nach den Löscharbeiten geborgen hat. Nach solchen Bildern und Eindrücken merkt man dann, wie froh man über jeden Tag sein muss, den man gesund mit der Familie verbringen darf.“

Schon als Bub fast Kommandant

Thomas Göschl, Feuerwehr Haag.

Thomas Göschl, Feuerwehr Haag:

Ein Leben ohne Feuerwehr kann sich Thomas Göschl, Kommandant der Haager Wehr, nicht vorstellen. Als 16-Jähriger war er bereits beigetreten. Vorher hatte er direkt vor der Haustür die Rettung eines Unfallopfers durch die Feuerwehr miterlebt und den Entschluss gefasst: „Ich möchte auch einmal helfen, wenn Menschen in Not sind.“

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Mittlerweile sammelte Thomas Göschl in 37 Jahren bei der Wehr eine Menge Erfahrung. Eine markante Neuerung stellt für ihn im Rückblick dar, als die Floriansjünger in Haag ihre 25 Meter hohe Drehleiter bekamen. Der erste Einsatz verlief dann aber ganz unspektakulär: Robert Scherzer vom Verschönerungsverein bestellte sie zum Ausschneiden der Lackner-Linde am Hofgarten.

„In den Anfangszeiten haben wir oft improvisieren müssen“, erinnert sich Thomas Göschl. Da habe man zwischen Gaspedal und Lenkrad einen Holzstab eingespreizt, um die Drehzahl zu erhöhen und im Winter die Heizung zum besseren Funktionieren zu bringen. Heute ist die Haager Feuerwehr mit fünf Großfahrzeugen und zwei kleinen bestens aufgestellt.

22 Kids in der Jugendtruppe

Göschl legte eine Bilderbuchkarriere ab: Als Bub war er mit dem Fahrrad der Wehr zum Einsatz hinterhergefahren und erhielt vor Ort vom Einsatzleiter einen Helm aufgesetzt: Wenn er schon da sei, solle er nicht nur herumstehen. Er wirkt seit 1990 als Ausbilder für den Atemschutz im ganzen Landkreis, wurde 2003 zweiter Kommandant, 2005 erster Kommandant und legte sämtliche Lehrgänge ab.

Sein besonderes Augenmerk gilt der gesamten Truppe der Haager Wehr. Sie umfasst derzeit die stattliche Zahl von 80 Aktiven. Im Gerätehaus und Hof der Haager Wehr werden zahlreiche Ausbildungen, Prüfungen und Übungen, auch auf Landkreisebene, vorgenommen. Derzeit wird der Kontakt aufgrund der Krisenverordnung über PC vom Schulungsraum aus hergestellt. Stets im Blick hat der Haager Kommandant Thomas Göschl die Nachwuchssituation. Seit Jahren ist die Feuerwehr, teils auch er persönlich in Kindergärten und den örtlichen Schulen präsent, um die Jugend für die Anliegen und Aufgaben der Feuerwehr zu motivieren. Das Konzept geht auch in der heute eher schwierigen Zeit auf: „Wir haben eine starke Jugendtruppe mit 22 Kindern.“

Niko Baumgartner, Wasserburger Kommandant und Berufsfeuerwehrler:

Niko Baumgartner, Wasserburger Wehr und Münchner Berufsfeuerwehr.

Als erfüllend bezeichnet Niko Baumgartner den Beruf des Feuerwehrmanns. „Man erlebt zwar viel Negatives, aber man erlebt auch sehr viel Schönes.“ Baumgartner ist Kommandant der Feuerwehr Wasserburg und in der Berufsfeuerwehr in München tätig. „Was mich motiviert, ist anderen Leuten zu helfen“, sagt er.

Aber auch die Kameradschaft schätzt er. Hier sieht Baumgartner auch den hauptsächlichen Unterschied zwischen der Berufsfeuerwehr und der freiwilligen Feuerwehr. „In München weiß ich immer, wer kommt. In Wasserburg ist das mehr eine Überraschung.“ Dasselbe gelte auch für die Einsätze. „Wenn ich Schicht habe, dann erwarte ich einen Einsatz. Das ist mein Beruf. Zuhause ist das dann doch etwas anderes.“

Bei der Berufsfeuerwehr habe er zudem mehr mit medizinischen Einsätzen zu tun. „First Responder Tätigkeiten, Reanimationen, das kommt dort öfter vor, als hier.“ Bei der Wasserburger Feuerwehr habe er hingegen häufig mit überregionalen Einsätzen zu tun, aufgrund ihrer Spezialfahrzeuge.

Was ihm von den beiden Feuerwehren besser gefalle, könne er nicht sagen. „Mir macht beides Spaß“, erklärt er. Das schönste Erlebnis für ihn war jedoch bei einem Hochwassereinsatz in Wasserburg im vergangenen Jahr. Die Wasserburger hätten sich besonders wertschätzend gezeigt. „Wir haben Brotzeit bekommen und die Leute waren sehr dankbar“, erklärt er.

Keine Nachwuchssorgen in Schnaitsee

Kommandant Sigi Hudelist, Schnaitsee.

Kommandant Sigi Hudelist, Schnaitsee:

Entwarnung gibt der engagierte Chef der Wehr für sein ehrenamtliches Team in Bezug auf Nachwuchssorgen. „Zwar macht uns momentan Corona einen Strich durch die Rechnung, aber Probleme haben wir bei den Jungen keine.“ Erstmals seit der Gründung der Jugendgruppe 2002 können wegen der Pandemie auch die Schnaitseer keine Nachwuchsgruppe bilden. „Das liegt aber nur an den Corona-Vorschriften.“ Zudem wünscht sich Hudelist mehr weibliche Aktive.

Hudelist, der sehr viel Zeit für die Aufgaben der Wehr verbringt, begründet sein Engagement mit seinem ureigenen Leitsatz: „Bei uns kommen die Leute zusammen, um da zu helfen, wo die Menschen der Hilfe bedürfen. Bei der Feuerwehr steht das ,Wir‘ an erster Stelle. Hier werden oft schwierige Situationen gemeinsam gemeistert.“

Schon der Papa war Kommandant

Hudelist kam schon als Bub fast jeden Samstag zur Feuerwehr und war beim Waschen der Fahrzeuge und Gerätschaften dabei. Da sein Vater auch Kommandant war, wuchs er förmlich in die Truppe hinein. Seit 1991 ist er ein Aktiver und seit 2006 Kommandant.

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Beim Gespräch im Feuerwehrhaus nennt Hudelist den Einsatz bei der Schneekatastrophe 2019 in den Bergdörfern, wie etwa Siegsdorf, trotz des harten Einsatzes beim Abräumen der Dachflächen, als positives Erlebnis. Dabei entwickelte sich wehrübergreifend eine starke Kameradschaft. „Und wir haben auch neue Freundschaften geschlossen. Etwa mit den Kameraden aus Kirchanschöring.“

Zu seinen schwersten Tagen zählt er Verkehrsunfälle. „Besonders wenn eigene Kameraden beteiligt sind und auch schwerst verletzt werden oder sogar am Unfallort sterben. Da kann ich nur das Helfer-Interventionsteam (HIT) hervorheben. Diese Leute verrichten eine höchst wertvolle Arbeit bei solchen Katastrophen.“

Als Berufsfeuerwehrler Amoktat in München erlebt

Zum Abschluss nennt Hudelist noch Worte des Dankes von Betroffenen: „Ein Vergelt´s Gott ist da mehr wert als jedes Geld. Solche Worte sind der „Sprit“ für unser Helfen.“

Manfred Reithmeier, Ramerberger Ex-Kommandant und Berufsfeuerwehr München.

Manfred Reithmeier, Bürgermeister aus Ramerberg und Berufsfeuerwehrler: Er ist Feuerwehrler aus Leidenschaft. Zwölf Jahre lang war er sogar Kommandant in Ramerberg.

Das hat Tradition in der Familie. Schon der Papa war in dieser Funktion ehrenamtlich tätig. „Ich war neun, da hatte ich schon meinen ersten Einsatz“, erinnert sich der Sohn schmunzelnd. Vater Fritz nahm ihn mit auf einen Einsatz, weil daheim keiner da war, der auf den Sprössling aufpassen konnte. So wuchs Reithmeier in das Ehrenamt hinein – und machte aus der Leidenschaft für die Feuerwehr sogar einen Beruf. Er ist bei der Berufsfeuerwehr München angestellt.

Ob haupt- oder ehrenamtlich: Seine Motivation fasst Reithmeier so zusammen: „Anderen helfen können“. Das ist manchmal emotional sehr herausfordernd – vor allem bei der Feuerwehr Ramerberg, denn hier kann es auch zu Einsätzen kommen, bei denen er die Betroffenen eines Unfalls oder Brands persönlich kennt. Reithmeier war auch im Einsatz, als 2016 ein Amokschütze im Münchner Olympia-Einkaufszentrum ein Blutbad anrichtete. Als sehr belastend empfindet er es, wenn Kinder Opfer sind. All dies verarbeitet er vor allem in Gesprächen mit den Kollegen.

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