Deimer fordert von Schülern Engagement

Intelligenter Ungehorsam ist nötig

Wasserburg - "Seid Akteure Eurer Lebenswirklichkeit." Mit diesen Worten ermunterte Josef Deimer, der ehemalige Oberbürgermeister von Landshut und langjährige Präsident des Bayerischen Städtetages, die Schüler der elften und zwölften Klasse des Luitpold-Gymnasiums zur Übernahme von Verantwortung für ihr eigenes Leben, aber auch für Staat und Umwelt - auch ehrenamtlich in ihrer Freizeit. Deimer war auf Einladung der Schulleitung nach Wasserburg gekommen.

Demokratie beginnt für Deimer auf der kommunalen Ebene. Hier gelte es, Kooperation zu erlernen und positive Kräfte für den Gemeinsinn zu entfalten. Den Konsens schätzt der erfahrene Kommunalpolitiker Deimer ungeheuer hoch ein. Dieser müsse die Regel sein, die Mehrheitsentscheidung dagegen die Ausnahme. In diesem Zusammenhang kritisierte Deimer die Talkshows im Fernsehen als "Trauerspiel vor Millionen", in dem es nur darum gehe, dass "einer dem anderen das Gesicht herunterreißt".

Kooperationsbereitschaft schließt für Deimer "intelligenten Ungehorsam" nicht aus. Das hatte er in den 70er-Jahren selbst unter Beweis gestellt, als er in der CSU als Rebell gegen die Atomkraft auftrat. Heute sieht er beispielsweise die Zersiedelung der Landschaft "aus Eigennutz und Egoismus" sehr kritisch.

Der Kompass im politischen Handeln von Josef Deimer war die christliche Soziallehre. Diese gehe immer "vom Personalen" aus, so Deimer. Das Prinzip der Subsidiarität verlange, dass der Einzelne sich einbringe in die Gemeinschaft. Das Solidaritätsprinzip dagegen betone das wechselseitige Füreinander eintreten. Kein Mensch in Not dürfe alleingelassen werden. Deimer sieht hier in unserer Gesellschaft durchaus Defizite und nannte als Beispiel die unzureichende Pflegeversicherung, die Menschen im Alter oftmals nur noch ein Taschengeld übrig lasse.

Ein persönliches Zeichen hatte Josef Deimer gesetzt, indem er auf eine Gage für seinen Vortrag verzichtete. Darauf wies Oberstudiendirektor Peter Rink in seinen Dankesworten ausdrücklich hin. Auch die Schüler wussten das zu schätzen und verabschiedeten Josef Deimer mit kräftigem Applaus. Martin Alt

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