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Imkern in der Stadt

Reich gedeckter Tisch für Insekten: Die Bienen mögen Wasserburg

Claus Steger und seine Bienen im Wasserburger Lehrbienenstand: In einer Wabe haben tausende Platz, ab zehn Grad Außentemperatur fliegen sie los und machen sich auf Nektar- und Pollensuche. Foto Weithofer
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Claus Steger und seine Bienen im Wasserburger Lehrbienenstand: In einer Wabe haben tausende Platz, ab zehn Grad Außentemperatur fliegen sie los und machen sich auf Nektar- und Pollensuche. Foto Weithofer
  • Winfried Weithofer
    VonWinfried Weithofer
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Bienenzucht in der Stadt? Das passt in Wasserburg. Hier gibt es einen reich gedeckten Tisch für die Insekten. Imker Claus Steger gibt Tipps, was Hobbygärtner tun können, um den fleißigen Bienchen noch mehr Gutes zu tun.

Wasserburg – Rettet die Bienen: Dies war vor zwei Jahren das Motto eines erfolgreichen Volksbegehrens im Freistaat. Bienen, keine Frage, stehen in der Bevölkerung hoch im Kurs, so auch in Wasserburg. 117 Mitglieder sind im örtlichen Bienenzuchtverein organisiert, seit Jahren eine stabile Zahl. Sie haben 900 Bienenvölker im Verein gemeldet.

Vorsitzender Claus Steger, Gärtnermeister und selber seit vielen Jahren ein begeisterter Imker mit 15 bis 20 Völkern, freut sich über den Zuwachs beim Frauenanteil und viele neue junge Mitglieder. Die Nachwuchswerbung mit dem Angebot „Imkern auf Probe“ zahle sich aus. Wegen Corona sind dem Verein freilich die Hände gebunden: „Wir versuchen, die dringend erforderliche Sachkenntnis in Kursen online zu vermitteln“, so Steger.

Kollegen verlor im Winter seine Völker

Bienen sind empfindliche Insekten, Steger weiß ein Lied davon zu singen. „Wir haben nach wie vor Probleme mit der gefährlichen Varroa-Milbe, mag es auch Gegenmittel geben“, sagt er und verweist auf einen Imkerkollegen, der deswegen in diesem Winter die meisten seiner Völker verloren habe. „Das ist eine dramatische Geschichte.“

Es gebe eben immer noch viele Züchter, die die Milbe unterschätzen würden. Steger selbst erinnert sich an einen 100-prozentigen Ausfall in seinen Waben im Jahr 2005. „Damals musste ich völlig neu beginnen.“ Glücklicherweise kämen andere Krankheitserreger, die die Bienen dahinraffen könnten, hierzulande kaum vor.

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Doch Glascontainer bereiten den Bienenzüchtern mitunter Sorgen. „Da sind oft viele nicht gespülte Honiggläser drin, und wenn die Bienen sich davon anlocken lassen, tragen sie die darin möglicherweise vorhandenen Erreger rasch in andere Völker.“

Bienen sind Überlebenskünstler

Steger ist ein Bienenexperte mit ausgewiesener Fachkenntnis. In Vorträgen – zurzeit ausschließlich online – gibt er Ratschläge für die richtige Zucht. Im Gespräch mit der Wasserburger Zeitung kommt seine große Bewunderung für die Insekten zum Ausdruck, etwa wenn er von deren Überlebensfähigkeit spricht. Kälte, sagt er, mache ihnen nichts aus: „Bienen erfrieren nicht, eher verhungern sie.“

Sie könnten die Waben durch Bewegung im Innern auf mindestens zwölf Grad aufwärmen, unabhängig von der Außentemperatur. Bei Versuchen habe man festgestellt, dass ein Volk sogar vier Wochen lang bei minus 100 Grad überlebt. Vorausgesetzt, es gibt genügend Nahrung.

„Biene ist ein Wundertier“

„Die Biene ist ein Wundertier“, sagt Steger. Die kühle Witterung der letzten Wochen habe deren Entwicklung in der Region freilich gebremst, ausschwärmen konnten sie kaum, um Pollen und Nektar zu sammeln. Den Rückstand würden sie aber aufholen, ist sich Steger sicher.

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Gibt es typiscenh Wasserburger Honig? „Aber ja“, sagt Steger, „der ist sogar bei mir erhältlich.“ In der gerührten cremigen Form, als Frühtracht, seien sämtliche Blüten der Obstbäume enthalten, auch die Kirschblüte, Raps und Löwenzahn. „Was es eben so alles gibt.“ Bei der Sommerschleuderung, die klaren Honig ergibt, ist hauptsächlich die Waldtracht dran, also Tanne und Fichte. Brombeeren und Himbeeren ergänzen die Palette.

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„Die Biene wird in Wasserburg auf jeden Fall fündig“, so Steger. Städte und Dörfer böten auf kurze Distanz ein ertragreiches Umfeld, weil dort mittlerweile verstärkt für pflanzliche Vielfalt gesorgt werde. Auf dem unbebauten Land tun sich die Imker nach seinen Worten dagegen wesentlich schwerer, weil dort oft och immer Monokulturen überwiegen würden: „Wenn der Raps verblüht ist, gibt es für die Bienen manchmal nichts mehr zu holen.“

Appell: wilde Ecke im Garten anlegen

Bei diesem Punkt appelliert Steger mit Nachdruck an die Grundstückseigentümer, für abwechslungsreiche Bepflanzung zu sorgen. „Warum nicht im Garten eine wilde Ecke anlegen, wo nur einmal im Jahr der Rasen gemäht wird?“ Und er rät, auf Geranien zu verzichten. „Es gibt andere, schönere Blumen, Geranien sind für Bienen nicht erreichbar.“ Männertreu, Fächerblume, Zweizahn. Stegers Credo: Für die Honigbienen, für die Insekten generell, kann jeder etwas tun.

Fleißige Bienchen

Für ein Glas Honig (500 Gramm) muss eine Biene im Durchschnitt etwa 60 000 Kilometer weit fliegen und 3,5 Millionen Blüten besuchen.

Die Sammelleistung eines Bienenvolks liegt bei zwei Kilo am Tag. Eine Biene kann bei einem Ausflug 40 Milligramm Pollen tragen.

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