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„Wir müssen kämpfen“

InnKlinik Haag in Gefahr: Wie der Standort gerettet werden soll

Der Gemeinderat Haag will alles ihm mögliche tun, um die Klinik in seinem Ort zu erhalten. Dafür werden auch die Meinungsverschiedenheiten beiseitegeschoben.
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Der Gemeinderat Haag will alles ihm mögliche tun, um die Klinik in seinem Ort zu erhalten. Dafür werden auch die Meinungsverschiedenheiten beiseitegeschoben.
  • Sophia Huber
    VonSophia Huber
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Der Haager Gemeinderat ist nicht immer einer Meinung. Zumindest in einem Thema ist sich das Gremium jedoch einig: in seinem Bekenntnis zur Klinik Haag. Das ist jetzt geplant.

Haag – Die Gemeinde Haag ist sauer auf den Landkreis, auf die Leitung der InnKliniken. Die dreimonatige Schließung des Krankenhauses passt dem Markt überhaupt nicht. Auch weil die Schließung geprägt gewesen sei von falschen Versprechungen. „Zunächst hieß es, dass das Schlaflabor und die Physiotherapie in Haag erhalten bleiben“, erläuterte Bürgermeisterin Sissi Schätz (SPD) dem Gemeinderat. „Das hat für das Schlaflabor nicht lange gehalten. Inzwischen ist es ebenfalls geschlossen.“ Dadurch sei zu befürchten, so die Bürgermeisterin, „dass das Klinikum Haag nicht in der gewohnten Form wieder öffnen wird.“

Resolution geplant

Eine Befürchtung, die sich auf keinen Fall bewahrheiten dürfe. Nicht nur wegen der Gesundheitsversorgung der älteren Haager, sondern auch wegen der Mitarbeiter. „Wir würden sehr viele attraktive, wohnortnahe Arbeitsplätze verlieren“, so Schätz. Bereits im Bauausschuss vor einigen Wochen sei deshalb die Idee entstanden, eine Resolution zu verabschieden, „um zu zeigen, dass wir hinter dem Krankenhaus stehen“, so Schätz.

„Ich habe einen Vorschlag gemacht“, erläuterte die Bürgermeisterin weiter. Die CSU-Fraktion habe dann eine abweichende Fassung vorgeschlagen mit Änderungen in der Einleitung und im Schluss.

Der Vorschlag der Bürgermeisterin hätte beispielsweise die Verantwortlichen lediglich dazu aufgefordert das InnKlinikum bis spätestens 1. Februar „in der bisherigen medizinischen Ausrichtung in vollem Umfang weiterzubetreiben“. Die CSU habe hier den Vorschlag gemacht, den Satz mit den Worten „oder einer anderen medizinischen Ausrichtung“ zu ergänzen. „Jetzt haben wir zwei Vorschläge“, meinte Schätze, „Es wäre natürlich gut, wenn wir uns auf einen einigen könnten, um ein größtmögliches Signal zu senden.“

Siegfried Maier (SPD) zeigte sich wenig begeistert von dem Vorschlag der CSU. „Ich will ja eigentlich nicht von Gegenseite sprechen“, meinte Maier und bezog sich auf die Klinikleitung, „aber ich bin der Meinung, wir sollten die Resolution nicht aufweichen, um der Gegenseite keinen Spielraum zu geben.“ Hans Urban (CSU) erklärte, dass der Vorschlag der CSU nicht als „Aufweichung“ gedacht sei, sondern eher im Gegenteil. „Bisher war ja auch der zweite Stock im Krankenhaus ungenutzt“, so Urban, „und wir dachten uns, wenn man hier ausbauen möchte, dann sollte man dem Landkreis und der Klinik auch die Möglichkeiten geben.“

Konzentration auf die Hauptforderungen

Bürgermeisterin Schätz schlug als Kompromiss vor, die Einleitung und den Schluss der Resolution wegzulassen und sich lediglich auf die Hauptforderungen zu konzentrieren. Diese seien auch nicht verändert worden.

Dritter Bürgermeister Dr. Florian Haas (PWG) begrüßte diese Idee. „Ich denke auch, dass wir es bei den Hauptforderungen lassen können, die sind ja unstrittig.“ Wichtig sei, dass die Gemeinde etwas tue. „Wir dürfen auf keinen Fall aufgeben. Wir müssen kämpfen“, so Haas. Seine Befürchtung sei allerdings, dass das Problem bei den InnKliniken größer sei, als bekannt. Man sehe es ja auch an der Schließung der Geburtsstation in Mühldorf. „Ich will nicht sagen, dass das Management Schuld ist“, meinte Haas, zudem er auch die Meinung vertrete, dass ein Krankenhaus nicht profitabel arbeiten müsse, sondern für die Bürger da sein sollte. „Aber ich glaube, dass das Problem viel tiefer liegt.“

„Mit Standhaftigkeit den Klinikstandort erhalten“

Zweiter Bürgermeister Stefan Högenauer erklärte sich auch im Namen der CSU-Fraktion mit dem Vorschlag von Schätz einverstanden. Es gehe um Feinheiten, die man auch weglassen könne. Denn das Hauptziel sei klar: „Wir wollen, das das Krankenhaus hier erhalten bleibt.“ Besser sei es, ein Hauptforderungspaket zu nehmen, „bevor wir uns in Feinheiten verstricken.“

Egon Barlag (FWG), der auch als stellvertretender Vorsitzender der Fördervereins Krankenhaus tätig ist, zeigte sich erfreut über die Geschlossenheit des Gemeinderats. Er erinnerte an den Kampf um das Klinikum 30 Jahre zuvor. „Mit Standhaftigkeit gelang es uns, den Standort zu erhalten“, so Barlag. „Mit der gleichen Standhaftigkeit sollten wir auch jetzt für das Krankenhaus kämpfen.“

Ohne Einleitung und Schluss, aber dafür einstimmig und mit hoch erhobenen Händen verabschiedete der Gemeinderat anschließend die Resolution. Bürgermeisterin Schätz bedankte sich für die Geschlossenheit. „Das wird ein starkes Signal senden.“

Die Resolution der Marktgemeinde Haag im Wortlaut:

„Wir fordern eine wohnortnahe stationäre Versorgung am Standort Haag i. OB. Besonders für geriatrische Patienten und deren Angehörige ist eine wohnortnahe Versorgung notwendig, vor allem in unserem ländlich geprägten Landkreis. Der westliche Landkreisteil wäre ein weißer Fleck auf der Landkarte, während es mit Mühldorf und Altötting zwei Krankenhäuser gibt, die nur 12 km auseinander liegen.

- Vor knapp drei Jahren haben sich die Landkreise Mühldorf und Altötting bei der Fusion der Kliniken zu allen vier Standorten bekannt. Wir fordern, dass die Politik verlässlich ist und ohne wenn und aber zu diesem Bekenntnis steht.

- Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten als Team. Nach dem Fachprogramm Akutgeriatrie des Bayerischen Krankenhausplans (Teil II- Abschnitt E Akutgeriatrie Ziffer 2) ist in der Geriatrie ein multiprofessionelles und interdisziplinäres Team tätig. Genau dieses Team gilt es jetzt zu halten, damit nach den drei Monaten der Schließung dieser Erfahrungsschatz des Personals nicht verloren geht. Die jetzige Schließung würde sich dann als Bumerang für alle Standorte des InnKlinikums erweisen. Wir fordern daher eine verlässliche Perspektive für das Personal bis Weihnachten, dass sie ihre gewohnte Tätigkeit in Haag spätestens zum 01.02.2023 wieder aufnehmen können.

- Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen aus Haag und Umgebung. Wir fordern, die wohnortnahen Arbeitsplätze zu erhalten. In Zeiten hoher Benzinpreise sind Arbeitsplätze in Wohnortnähe und Zeitersparnis beim Arbeitsweg wichtige Entscheidungskriterien für eine Arbeits- oder Ausbildungsstelle.

- Wir fordern eine deutliche Personalverstärkung für die Zeit der Wiedereröffnung des Haager Krankenhauses. Nach dem Bayerischen Krankenhausplan sind im InnKlinikum Haag i. OB 80 Betten vorgesehen. So wie jetzt das Haager Personal in Mühldorf aushilft, sollte dies umgekehrt auch gelten. Wir fordern deshalb die Wiedereröffnung in einer Personalstärke, mit der die 80 Betten belegt werden können.“

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