KAMPF GEGEN DIE PANDEMIE

Drei Testzentren: In Wasserburg startet eine Corona-Test-Offensive

Montag geht es los mit dem kostenlosen Testen im Johanniter-Zentrum an der Priener Straße.
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Montag geht es los mit dem kostenlosen Testen im Johanniter-Zentrum an der Priener Straße.
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
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Zu behäbig erschien in den vergangenen Monaten die deutsche Corona-Politik. Vor allem das Impfen kommt nur schleppend voran. Umso wichtig wird das Testen. In Wasserburg startet dazu jetzt eine Offensive.

Wasserburg – Im April eröffnen, wie berichtet, die Fußballer des TSV 1880 Wasserburg ein Schnelltestzentrum im Vereinsheim an der Landwehrstraße. Bereits am Montag starten die Johanniter mit einer weiteren Einrichtung. Auch das BRK in Wasserburg steht parat, um beim Aufspüren von Infektionen zu helfen. Viele Wasserburger Apotheken haben mittlerweile Selbsttests im Angebot, wurde im Haupt- und Fnanzausschuss des Stadtrates bekannt.

Ereignisse haben sich überschlagen

Bis vor kurzem mussten die Bürger aus dem Wasserburger Land zum Testen noch bis Rosenheim oder Haag fahren. Innerhalb weniger Tage hat sich die Situation vor Ort deutlich gebessert. „Die Ereignisse haben sich geradezu überschlagen“, berichtete Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) im Ausschuss.

Dieser hätte sich eigentlich auf Anfrage der Fraktion von SPD und Linker Liste mit dem Auftrag an die Stadt, ein Testzentrum zu planen, beschäftigen sollen. Zentral gelegen, gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, barrierefrei, so die Wunschvorstellungen von SPD und Linker Liste.

Fraktionsvorsitzende Friederike Kayser-Büker hatte den Antrag am 25. Februar eingereicht. Damals hieß es noch, die Kommunen müssten sich um die Planung von Testzentren kümmern. Am 8. März kam dann die Verordnung, die die Zuständigkeit den Landrats- und den Gesundheitsämtern zuwies. Mitte Februar hatten, wie berichtet, bereits die Wasserburger Löwen signalisiert, ihr Vereinsheim für ein Testzentrum zur Verfügung zu stellen.

Die Planungen der Fußballabteilung stießen auf große Zustimmung in der Verwaltung, so Kölbl. Nur das Vereinsheim erschien nicht als ideal für Gehbehinderte. Die Suche nach noch besser passenden städtischen und privaten Liegenschaften brachte jedoch keinen Erfolg, berichtete der Bürgermeister im Ausschuss. In Frage gekommen wären die VHS-Räume in der Polizeiinspektion. Doch die Volkshochschule müsse stets bereit sein, innerhalb einer Woche bei abnehmender Inzidenz wieder auf die Räume zurückzugreifem, um in den Präsenzunterricht zurückzukehren.

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Das Gesundheitsamt gab vor wenigen Tagen grünes Licht für die Initiative der Löwen und den Standort Vereinsheim. Am Tag der Sitzung bekam Kölbl die Nachricht von den Johannitern, ebenfalls ein Testzentrum zu errichten.

Es liegt an der Priener Straße 3 nahe der Johanniter-Rettungswache und kann direkt mit dem Auto angefahren werden – „eine sehr gute Ergänzung des Testzentrums der Löwen“, findet Kölbl. Am späten Nachmittag kam am Sitzungstag dann die nächste erfreuliche Mitteilung: Auch das BRKstehe parat, um ein Testzentrum in Wasserburg zu errichten, wenn weiterer Bedarf bestehe.

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Dieser ist groß, so Kölbl. Er rechnet damit, dass nicht nur Bürger der Stadt, sondern auch aus dem Umland nach Wasserburg zum Testen fahren werden. 40.000 bis 50.000 Einwohner sind potenzielle Nutzer, täglich rechnen Experten mit 2,5 Prozent der Bürgerschaft, die sich testen lassen wollen – etwa weil sie tagesaktuell Besuche planen und, wenn Gastronomie und Kultureinrichtungen wieder öffnen dürfen, zum Essen oder ins Kino gehen wollen. Das wären also etwa 300 Tests am Tag in Wasserburg, rechnete der Rathauschef vor.

Viel Lob für Initiative der Löwen

Die Fraktionen begrüßten einhellig das Engagement der Löwen und der Rettungsdienste und sagten per einstimmigem Beschluss die Unterstützung der Stadt zu. Die Fraktionsvorsitzende von CSU und Wasserburger Block, Heike Maas, sprach vor allem den Fußballern ein großes Lob aus. „Unsere Stadt kann stolz sein auf die Löwen“. Sie würden nach dem Kennedy-Prinzip agieren: „Schaue nicht, was die Stadt für Dich tun kann, sondern was Du für die Stadt tun kannst“. Das Angebot der Johanniter nannte Maas eine sehr gute Ergänzung.

Dritte Bürgermeisterin Edith Stürmlinger (Bürgerforum) schloss sich der Würdigung an. Mit großer Freude sollte die Stadt auch das Initiative der Löwen annehmen. Das sei etwas Besonderes, war sie mit Maas einig. Das Vereinsheim hält Stürmlinger außerdem als ausreichend zentral gelegen. Bürger könnten dort auch mit dem Auto vorfahren. Sie schlug vor, eine Parkbucht des Bauhofes für das Testzentrum freizugeben.

Testen, testen, testen: Das sei derzeit angesichts der schleppend vorankommenden Impfungen die wichtigste Strategie im Kampf gegen die Pandemie, betonte Zweiter Bürgermeister Werner Gartner (SPD). Das Doppel- oder sogar Dreifachangebot von professionell geführten Zentren in Wasserburg sei eine „perfekte Lösung“. Das sieht auch Wolfgang Janeczka (SPD) so: Denn die frei zu erwerbenden Selbsttests würden sich aufgrund schwer verständlicher Anleitungen nicht so gut eignen wie von geschultem Personal durchgeführte Tests.

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