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Tür auf, Schmöker raus, Tür zu

Zufallsbestückte Bibliotheken in Wasserburg: Hier steht die Bibel neben Erich von Däniken

Helga Haberl liest gerne. Hier fischt sie sich einen Konsalik aus dem öffentlichen Bücherschrank im Burgerfeld.
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Helga Haberl liest gerne. Hier fischt sie sich einen Konsalik aus dem öffentlichen Bücherschrank im Burgerfeld.
  • Winfried Weithofer
    VonWinfried Weithofer
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Es gehört zum Charme des Angebots der öffentlichen Bücherregale in Wasserburg, dass jedwede Ordnung fehlt – die Bibel steht neben einem Werk von Erich von Däniken, die Schwarte von Johannes Mario Simmel „Es muss nicht immer Kaviar sein“ neben einem Opus des Historikers Walter Laqueur. Die Nutzer sind begeistert.

Wasserburg – Hier darf man mit Fug und Recht von einem niederschwelligen Angebot reden: Tür auf, Griff ins Regal, Tür zu. Ganz ohne Registrierung. Dank öffentlicher Bücherregale, in Wasserburg Bücherschränke genannt, kommt man ganz leicht an Lesestoff, nirgendwo sonst geht der Wechsel von literarischem Besitztum so unbürokratisch vonstatten. Die Nutzer finden’s prima, Jung und Alt stöbern gerne in dem Sammelsurium.

Bairisch lernen

So etwa die 14-jährige Emina, die sich vom Bücherschrank am Altstadtbahnhof hat anlocken lassen. Sie weiß an diesem Tag nicht, was sie mitnehmen will, für Inspirationen ist sie gleichwohl offen. Rudolf Kann, 83, gehört zu den regelmäßigen Nutzern des Bücherschranks. „Ich gucke rein, wenn ich vorbeikomme“, sagt er. Unlängst hat der aus Westfalen stammende Mann einen Band mit bayerischen Anekdoten mitgenommen, „damit ich Bairisch lerne“. Von den Bücherschränken in Wasserburg ist er sehr angetan: „Von dem Angebot profitieren auch Menschen, die sich sonst keine Bücher leisten können.“

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Vier Bücherschränke gibt es in Wasserburg seit 2015, und zwar am Bahnhofsplatz vor dem Bürgerbahnhof, am Bahnhof in Reitmehring, in der Brunhuberstraße im Burgerfeld an der Bushaltestelle St. Konrad und in der Burgau am Willi-Ernst-Ring gegenüber dem Betreuungszentrum Wasserburg. Es gehört zum Charme des Angebots, dass jedwede Ordnung fehlt – die Bibel steht neben einem Werk von Erich von Däniken, die Schwarte von Johannes Mario Simmel „Es muss nicht immer Kaviar sein“ neben einem Opus des Historikers Walter Laqueur.

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Das Projekt liegt dem Geschäftsleiter im Wasserburger Rathaus, Thomas Rothmaier, sehr am Herzen. Auch er selbst fischt sich immer mal wieder etwas aus den Regalen heraus. Wie viele Bücher insgesamt in den umgewidmeten Telefonzellen stehen, kann er nicht sagen, auch die Zahl der Nutzer ist ihm nicht bekannt, aber er weiß, dass das Angebot gut genutzt wird: Das würden ihm die Bücherschrankpaten regelmäßig mitteilen – ehrenamtliche Helfer, die für Ordnung in den Ausleihstationen sorgen und in den Regalen aufräumen, und das ein- bis zweimal in der Woche pro Woche.

Oft genug werden die Bücherschränke ja als Mülleimer missbraucht, was nicht sein darf. Ohnehin darf dort nicht alles Bedruckte abgeliefert werden, politische oder religiöse Schriften etwa, selbstredend ist auch Pornografisches verboten. Ein großes Hinweisschild weist auf die Bedingungen hin, die mit dem Einstellen der Bücher verbunden sind. Einmal im Jahr erhalten laut Rothmaier die Bücherschrankpaten als Dankeschön eine Brotzeit vom Bürgermeister.

Nur ein paar Meter vom Bücherschrank im Burgerfeld entfernt wohnt Elisabeth Werner (45) mit ihren drei Kindern, der ihr regelmäßig neuen Lesestoff bietet. Sie weiß aus eigener Anschauung, dass das Angebot begehrt ist: „Ich sehe oft Menschen, die sich im Bücherschrank was holen.“

Nachhaltige Nutzung ist ein Anliegen

So wird auch Helga Haberl, 59, dort immer wieder fündig. Romane der US-amerikanischen Schriftstellerin Nora Roberts oder des deutschen Bestseller-Autors Heinz G. Konsalik hat sie sich geholt, sie ist ein Bücherwurm. „Ich lese viel, abends vor dem Schlafengehen, aber oftmals auch untertags, wenn das Wetter nicht schön ist.“

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Gern sucht sie zusammen mit ihrem Enkel Xaver (2) Kinderbücher aus. Haberl gehört auch zu denen, die für Nachschub sorgen: „Alles, was ich gelesen hab, stelle ich da rein.“ Eine nachhaltige Nutzung von Büchern: Das ist ihr wichtig.

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