Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


In Haag und Pfaffing

Wenn Roboter melken und füttern: So digitalisiert ist die Kuh von heute

Der Futteranschieber versorgt die Kühe achtmal am Tag.
+
Der Futteranschieber versorgt die Kühe achtmal am Tag.
  • VonLudwig Meindl
    schließen
  • Petra Maier
    Petra Maier
    schließen

Liegt im digitalisierten Stall mit Robotern als Helfern die Zukunft der Landwirtschaft? Landwirt Sebastian Bauer in Reit und Josef Andres, Kreisvorsitzender des Bauernverbands Rosenheim, beschreiben ihre langjährigen Erfahrungen.

Haag/Pfaffing – Ist der digitalisierte Stall mit Robotern zum Melken, Reinigen und Füttern die Zukunft der Landwirtschaft? Landwirt Sebastian Bauer in Reit (Haag) hat mittlerweile sieben Jahre Erfahrung mit der neuesten Technik und ist überzeugt: Tierwohl und Arbeitserleichterung seien garantiert.

Eine entspannte Atmosphäre herrscht in der großzügigen Innenanlage mit Lauf-, Fress-, Schlaf- und Melkbereich für die Tiere. Sie suchen den Melkroboter freiwillig auf, weil es hier Kraftfutter gibt und sie vom Milchdruck befreit werden. Wenn sie hingehen, öffnet der Roboter die Tür. Zuerst werden die Euter gereinigt, dann die Zitzen eingescannt, damit der Melkarm präzise ansetzen kann. Nach dem Melken und wiederholten Reinigen der Euter öffnet sich die Tür wieder automatisch und geht auf der Rückseite für die nächste Kuh auf.

Christian Bauer im Büro.

Computer speichert alle relevanten Parameter

Per Computer werden alle Parameter festgehalten: Milchmenge, Fetteiweiß und Eutergesundheit. Ginge eine Kuh nicht zum Melken, wird das gemeldet. „Wir schauen nach, ob sie bloß zu faul war oder ob sie was hat“, so Sohn Christian Bauer, der sich nach der Realschule sieben Jahre der Ausbildung für die digitalisierte Landwirtschaft widmete.

Weitere Artikel und Nachrichten aus der Region Wasserburg finden Sie hier

Sebastian Bauer geht jeden Tag morgens wie abends in den Stall unter seine Kühe und stellt fest. „Die sind total relaxed.“ Für die Kälber und das Jungvieh ist seine Frau Gertraud zuständig.

Wie auf dem Tischleindeckdich König Ludwigs wird das Futter per Roboter achtmal am Tag angefahren und zurechtgelegt. Ebenfalls über PC steuer- und kontrollierbar ist die automatische Fußbodensäuberung mit dem Spaltenreinigungsroboter: kein Stroh, kein Ausmisten mehr, stets sauberer Boden. Die Tiere schlafen auf Komfortmatten. Das schätzen auch die trächtigen Kühe in der Geburtenstation. „Die liegen da wie im Federbett“, so Sebastian Bauer.

Blick in den sauberen Kuhstall: Die Fußbodensäuberung erfolgt vollautomatisch.

2015 hatte er seinen Stall auf den neuesten Stand der Technik umgestellt. Per Urkunde ist sein Hof vom Geschichtsverein bereits seit dem Jahr 1566 als Oßl zu Reit dokumentiert.

Die Umstellung des Betriebs betraf auch die Energie, die gerade heute bestens ausgerichtet scheint. 85 Prozent der hofeigenen Photovoltaikanlage sind für den Stall nutzbar. Überstrom wird im Haus verwendet, Strom gespeichert, „wenn viel da ist“. Generell setzt man auf stromsparende Technik, so mit den elf Lampen im Stall, die auf 100 Watt ausgelegt sind und auf zwei Watt zurückgedreht werden können.

Daneben wird über Tag ein Eiswasserspeicher angereichert, um über Nacht die Milch zu kühlen. Zum Reinigen der Melkanlage erhitzt man die Heißwasserversorgung. „Der Grundstock ist eine solide Ausbildung, dass man mit dieser Technik umgehen kann“, berichtet der Ökonom Sebastian Bauer. Den Schritt in die Moderne habe er gewagt, weil die Voraussetzungen gegeben waren: „Ich habe das nur gemacht, weil mein Sohn Christian den Hof weiter bewirtschaftet.“ Die Gründe der Investition sieht er im Rückblick bestätigt: den aktuellen Stand der Technik, der ihm vom Schlafzimmer aus die Kontrolle über das ganze Anwesen und somit Arbeitserleichterung garantiert, und das sogenannte Wohl der Tiere, die ihre entspannte Atmosphäre offensichtlich genießen.

Maschine meldet eine Störung per Anruf auf Handy oder Festnetz

Sollte einmal eine Störung auftreten, ruft der Roboter über Handy und Festnetz an, um den Vorgang zu melden.

Fragen von Spaziergängern und Neugierigen muss Sebastian Bauer häufig beantworten. Eine Neubürgerin von Haag schien die großzügige Stallung total zu verwechseln, als sie nachfragte, ob hier noch eine Wohnung frei wäre, und der Landwirt schmunzelnd zurückgab: „Für oa Rindviech hätt i schon no Platz.“

„Manche Kühe gehen zweimal zum Melkstand, andere viermal am Tag“

Seit neun Jahren setzt auch Josef Andres, Kreisvorsitzender des Bauernverbands Rosenheim, in seinem Stall in Ebrach verschiedene Roboter ein – und ist sehr zufrieden. Seine 65 Milchkühe genießen beispielsweise den Luxus, sich, wann immer sie wollen, Tag oder Nacht, an den Melkstand begeben zu können, wo sie vom Roboter gemolken werden. Das sei schon eine tolle Sache, findet Andres.

„Ohne Kühe geht bei mir nix“, verrät Josef Andres, Kreisvorsitzender des Bauernverbands Rosenheim.

Der Computer notiert jeden Melkvorgang ganz genau. „Da kommen natürlich sehr viele Daten zusammen und wenn man die nicht auswertet, dann nützen sie einem gar nichts“, beschreibt der Landwirt weiter. Manche seiner Kühe gehen zweimal täglich zum Melkstand, andere sogar viermal, das kann aus den Daten schnell herausgelesen werden. „Die Pflege des Computersystems sei in diesem Zusammenhang sehr wichtig“, betont Andres. „Man kennt die Tiere durch die exakte Datenauswertung teils viel besser als vor der Umstellung auf Roboter, erklärt er weiter.

Steuerung per Handy

Doch, wer schon Schwierigkeiten mit dem normalen Handygebrauch habe, für den sei der Einsatz der Roboter sicher nicht sinnvoll, beschreibt er weiter.

Er steuert seine Anlage teilweise über das Handy und erhält darüber auch Störmeldungen. „Das Handy ist heute mein Arbeitsgerät geworden. Mit allen Vor- und Nachteilen: Da kann dann schon mal mitten in der Nacht das Handy klingeln, wenn sich am Melkstand ein Schlauch gelöst hat, oder eine Kuh den Melkstand nicht mehr verlassen will“, beschreibt Andres.

Er würde seinen Stall seinen Stall heute nicht mehr anders bewirtschaften wollen, stellt er fest und er glaubt auch, dass in der Digitalisierung die Zukunft liege. „Aber das muss jeder Betriebsleiter wirklich selbst entscheiden, je nachdem wie viele Mitarbeiter auf seinem Hof arbeiten, wie viele Kühe dort leben und wie gut er sich am Computer auskennt.“

Kommentare