Debatte im Gemeinderat

In Albaching gibt es keinen Bonus für den Hundeführerschein

Mops Seppi ist tiefenentspannt. Aber im Alltag gelingt das nicht immer. Ein Hundeführerschein, der vor allem dem Wissen der Frauchen und Herrchen dient, kann durchaus sinnvoll sein.
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Mops Seppi ist tiefenentspannt. Aber im Alltag gelingt das nicht immer. Ein Hundeführerschein, der vor allem dem Wissen der Frauchen und Herrchen dient, kann durchaus sinnvoll sein.
  • vonIrmi Günster
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Sind die Hundesteuersätze in Albaching angemessen und soll sich ein „Hundeführerschein“ auf diese auswirken? Der Albachinger Gemeinderat diskutierte darüber ausgiebig in der letzten Sitzung dieses Jahres. Dann stimmten alle Gemeinderäte dafür, die Hundesteuersätze vorerst unverändert zu belassen.

Albaching – So bleibt es dabei, dass der Besitzer eines Vierbeiners in Albaching derzeit 48 Euro pro Jahr für den ersten und 72 Euro für jeden weiteren Hund bezahlen muss. Außerdem soll es noch einmal eine Versammlung mit den Hundehaltern geben. Die Inhalte sollen in einer Gemeinderatssitzung wieder auf den Tisch kommen. Dieser Tagesordnungspunkt stand noch in Zusammenhang mit der örtlichen Rechnungsprüfung zur Jahresrechnung 2018, da der Prüfungsausschuss seinerzeit die Sätze als „sehr niedrig“ beurteilt hatte.

In der Dezembersitzung 2019 habe der Gemeinderat beschlossen, dass sich der neue, also jetzige Gemeinderat, mit dem Thema der Hundesteuer befassen und zudem prüfen solle, ob bei Vorlage eines sogenannten „Hundeführerscheins“ ein Erlass auf die Hundesteuer möglich sein könnte, erläuterte Bernhard Koblechner von der Verwaltung. Wenn ja, sollten die Hundesteuersätze erhöht werden, wobei diejenigen, die einen Hun-deführerschein vorlegen könnten, dann einen entsprechenden jährlichen Nachlass erhalten würden.

Neuntgünstigste Gemeinde im Landkreis

Bei einer Auflistung der Hundesteuersätze der einzelnen Gemeinden liege Albaching an neunter Stelle bei den günstigsten Sätzen, so Koblechner weiter. Feldkirchen-Westerham beispielsweise gewähre eine Steuerfreiheit für zwei Jahre, wenn der Hundehalter den Sachkundenachweis vorlegen könne. Anhand eines Internetauszugs verlas der Kämmerer nochmals die Grundlagen eines sogenannten Hundeführerscheins, der auch als „Sachkundenachweis“ bezeichnet wird. Er betonte, dass es hierbei nicht darum gehe, die Hunde zu überprüfen, sondern vielmehr die Halter. Der Hundeführerschein sei ein Leben lang gültig und gelte für jeden Hund, den der Halter aufnehmen möchte, wusste Koblechner.

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Nachdem das Hundesteueraufkommen die Ausgaben decke, sehe die Verwaltung grundsätzlich keine Notwendigkeit für eine Gebührenerhöhung, erklärte der Kämmerer zusammenfassend. Ob ein Hundeführerschein Besserungen im Hinblick auf negative Vorkommnisse, wie beispielsweise Beißvorfälle bringe, werde indes bezweifelt.

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Bürgermeister Rudolf Schreyer (GWA) meinte, gebührenmäßig sei man „recht gut bedient“.

Jessica Vital-Robarge (GWA) war hingegen „gar nicht damit einverstanden, wie das jetzt ist“. Grund seien allerdings nicht zu niedrige Hundesteuersätze, sondern das Verhalten mancher Hundebesitzer.

Für sie stand fest: Egal, welche Regelungen man festsetze, es betreffe dann zumeist „die, die eh schon alles richtig machen“, also die Mehrheit. Es sei doch schon vor einiger Zeit ein Treffen mit den Hundehaltern angeregt worden, was daraus geworden sei, wollte sie wissen. Sie sei „schon dafür, den Hundeführerschein zu fördern“. Dies sei vor allem auch für Neu-Hundebesitzer sinnvoll. Außerdem war sie der Meinung, dass auch sogenannte „Listenhunde“ gesondert betrachtet werden müssten: „Es gibt einen guten Grund, warum ein Listenhund ein Listenhund ist. Ich verstehe nicht, warum diese nicht mehr kosten“, so die stellvertretende Bürgermeisterin.

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Rudolf Schreyer erwiderte darauf: Es habe schon eine Veranstaltung mit Hundehaltern gegeben. Aber gerade die „Problemfälle“ kämen nicht zu solchen Treffen oder seien gar „unbelehrbar“.

Brigitte Voglsammer (GWA) gab ihrer Ratskollegin recht: Auch in anderen Gemeinden würden Listenhunde höher eingestuft, und auch einen Hundeführerschein „als Anreiz“ fand sie sinnvoll.

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Eine andere Sicht auf die Dinge hatte zweiter Bürgermeister Sebastian Friesinger (GWA): Viele meinten, wenn sie schon Hundesteuer zahlen müssten, dann hätten sie „alle Freiheiten“. Dem sei aber nicht so. Daher stand für ihn fest: Lieber weniger Hundesteuer verlangen und dafür pflicht- und verantwortungsbewusste Halter zu haben.

Keine zweckgebundene Abgabe

Seit über 200 Jahren wird in Deutschland die Hundesteuer erhoben. Sie ist keine zweckgebundene Abgabe, das heißt, sie wird nicht für die Beseitigung von Hundekot, dem Aufstellen von Hundekotentsorgungsspendern oder Auslaufflächen verwendet, wie oft fälschlicherweise angenommen wird. Stattdessen fließen die Gelder in einen gemeinsamen Topf und dürfen dort für alles eingesetzt werden, wofür sie gerade benötigt werden, sei das nun der Bau einer neuen Schule, die neue Fassade des Rathauses oder eben doch für die Straßenreinigung von Hundekot.

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