Zielquote: 60 Prozent

Corona-Impfung für Klinikpersonal und Betreute: Die Ersten haben sich in Wasserburg pieksen lassen

Auch Pflegekraft Stephan Heindl (links) ließ sich im Inn-Salzach-Klinikum von Dr. Susanne Vojacek impfen.
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Auch Pflegekraft Stephan Heindl (links) ließ sich im Inn-Salzach-Klinikum von Dr. Susanne Vojacek impfen.
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Auch am Inn-Salzach-Klinikum Wasserburg und in der Stiftung Attl hat das Impfen gegen das Coronavirus begonnen. Chefärzte und Vorstand gingen mit gutem Beispiel voran und ließen sich pieksen.

Von Heike Duczek

Wasserburg – Am Wochenende haben sich nach Angaben des Ärztlichen Direktors am Inn-Salzach-Klinikum, Professor Dr. Peter Zwanzger, 100 Mitarbeiter impfen lassen. Auch Zwanzger selber ließ sich die Spritze setzen („ich habe es gut vertragen“) – ebenso wie die Chefärzte.

Im Festsaal des Klinikums, übernahmen vier Teams die Aufgabe. Über 100 weitere Mitarbeiter meldeten sich nach dem ersten Wochenende für die nächste Impfaktion an. Die Premiere sei perfekt vorbereitet worden vom Pandemie-Beauftragten, Neurologie-Chefarzt Dr. Tobias Winkler.

Ziel: Quote von gut 60 Prozent

Dass auch bei Pflegekräften eine gewisse Impfskepsis zu spüren ist, stellt auch er fest. Bei einer Umfrage unter den Mitarbeitern hätte sich ein Drittel bereit erklärt, sich impfen zu lassen, ein Drittel habe mitgeteilt, noch keine Entscheidung getroffen zu haben, ein Drittel sich ablehnend geäußert. Zwanzger hofft auf ein Umdenken. Wenn das Drittel, das noch abwartend reagiere, sich doch zum Impfen entscheide, erreiche das Inn-Salzach-Klinikum eine Quote von gut 60 Prozent. „Das ist dann der richtige Schritt für Sicherheit am Arbeitsplatz.“

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Auch die ersten Patienten wurden nach seinen Angaben geimpft. Zuständig dafür sei das Impfzentrum in Rosenheim, das mobile Teams nach Wasserburg schicke. Besonders im Fokus: die Patienten im Zentrum für Altersmedizin in Gabersee. Auch Neuankömmlinge würde gleich bei der Aufnahme nach ihrer Bereitschaft, sich impfen zu lassen, befragt. Die Betreuer seien aufgefordert worden, sich Gedanken darüber zu machen, ob die von ihnen betreuten Personen geimpft werden sollten, so der Ärztliche Direktor.

114 Bewohner der Stiftung Attl nahmen teil

Am Samstag startete auch in der Stiftung Attl das Impfen. Über den Tag verteilt kamen drei mobile Teams der Malteser nach Attel sowie in die Außenwohngruppen nach Rott und Wasserburg und impften dort die ersten Betreuten.

Weil ein paar Dosen übrig waren, ging der Vorstand der Stiftung Attl, Franz Hartl, mit gutem Beispiel voran.

114 Bewohner nahmen teil

Mit 114 Personen haben etwa 25 Prozent der Attler Bewohner ihren ersten Schutz vor einer Covid-19-Erkrankung erhalten, freut sich Vorstand Franz Hartl. Für die erste Impfgruppe steht in etwa drei Wochen Ende Januar die Folgeimpfung an. Erst damit wird der Schutz komplett sein, betont der Stiftungsvorstand.

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Er ging mit gutem Beispiel voran. Sobald klar war, dass einige Impfdosen übrig bleiben würden, ergriffen Hartl und neun weitere Mitarbeiter der Stiftung Attl die Chance. „Es ist nur ein kleiner Pieks, der uns schon hoffentlich bald wieder Normalität ermöglichen wird“, so der Vorstand. Alle Geimpften vom Samstag hätten die Spritze gut vertragen. „Wenn wir eine Durchimpfungsquote von mindestens 60 Prozent erreichen, verliert das Corona-Virus seinen Schrecken“, umreißt er als Ziel. Hartl setzt auf Aufklärung und Information, um Ängsten bei den Betreuten entgegen zu wirken. Der Vorstand appelliert außerdem an die gesetzlichen Betreuer, die Chance für ihre Angehörigen auf die Impfung zu nutzen.

Turnhalle wird zum Impfzentrum ausgebaut

Schon in den nächsten Tagen soll das ambulante Einsatzteam erneut nach Attel kommen. Geimpft werde nur nach ausführlicher Anamnese und Einzelfallprüfung sowie nach der Einwilligung der gesetzlichen Betreuer. Die Stiftung hat aus den Erfahrungen der ersten Aktion am Samstag bereits gelernt: „Es hat gut funktioniert“, so Hartl, trotzdem werde die Turnhalle für den nächsten Termin zum Impfzentrum umgebaut. Das erleichtere die Organisation, weil der Auf- und Abbau der Technik nur einmal stattfinden müsse.

Hartl hofft auch, dass viele Mitarbeiter seinem Beispiel folgen und sich impfen lassen. Eine Umfrage beim Personal habe ergeben, dass 37 Prozent dazu bereit wären, 24 Prozent abwarten wollten, elf Prozent skeptisch und 28 Prozent ablehnend seien. Auch bei den 450 Bewohnern gebe es acht, die strikt Nein zur Impfung sagen würden.

So ist die Pandemie-Lage am Inn-Salzach-Klinikum und in der Stiftung Attl

Generell hat sich die Corona-Lage am Inn-Salzach-Klinikum, einem psychiatrischen Fachkrankenhaus und Kommunalunternehmen des Bezirks Oberbayern, nach einer Zeit mit einer dynamischen Entwicklung Anfang Dezember wieder deutlich entspannt, berichtet Ärztlicher Direktor Professor Dr. Peter Zwanzger. Aktuell befänden sich noch etwa 13 Mitarbeiter aufgrund von Infektionen in Quarantäne. Zwischenzeitlich waren, wie berichtet, 30 bis 40 Mitarbeiter gleichzeitig erkrankt gewesen, auch Patienten waren an und mit Corona verstorben. Viele Erkrankte befinden sich auf dem Weg der Genesung, so der ärztliche Direktor.

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Nach wie vor werde jeder Mitarbeiter im Zentrum für Altersmedizin täglich getestet. Nur noch vereinzelt komme es derzeit zu positiven Ergebnissen.

Das Aufnahmemanagement für die Patienten müsse jedoch nach wie vor flexibel auf die Lage reagieren: Mal seien eine, mal zwei Corona-Stationen notwendig.

Die zweite Welle der Pandemie hat die Stiftung Attl bisher gut überstanden, berichtet der Vorstand. Es seien keine neuen Infektionen in Klientelgruppen der Wohngemeinschaften und Werkstätten getragen worden. Die Besuchsregelungen und das Schutzkonzept mit eigener Testation und eigener Kontaktverfolgung habe sich bewährt, freut sich Hartl. Die Mitarbeiter, die in der Wohngruppen beschäftigt sind, werden zweimal in der Woche getestet: Diese Schnelltests hätten sich als sehr zuverlässig erwiesen. duc

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