Immer mehr Frauen zielen und treffen bei den 66 Schützenvereinen im Gauverband Wasserburg-Haag

Schützenmeisterin Maria Wittmannam Luftgewehr – sie kann aber auch Großkaliber abfeuern. privat
  • vonPetra Maier
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Die Mutter hat’s verboten, der Vater versuchte, es zu verhindern: Die Geschichten der Schützenmeisterinnen im Gauverband Wasserburg-Haag ähneln sich. Ihr Weg in die Schützenvereine war nicht einfach, besonders für die, die ihn ganz früh gegangen sind.

Wasserburg/Penzing – Eine Vorreiterin ist Maria Bauer-Naundorf. Im Alter von 21 Jahren trat sie der Schützengesellschaft Penzing bei. Damals ahnte noch niemand, dass sie später einmal die erste Ehrenschützenmeisterin im Gauverband sein würde. Erst recht nicht ihre Mutter, die verboten hatte, dem Schützenverein beizutreten.

20 Jahre Schützenmeisterin

„Du gehst mir nicht allein zum Wirt“, hatte sie der Tochter gedroht, doch Maria blieb stur. Als sie volljährig war und der Schützenverein in den Keller eines Privathauses zog, gab es für sie kein Halten mehr: Preisschießen, Rundenwettkämpfe – Maria war überall dabei. Später vertrat sie den langjährigen Schützenmeister ihres Vereins auch bei Versammlungen des Gauverbands. Irgendwann bat er sie, dass sie sein Amt übernehmen sollte. „Ich sagte: ‚Ja, wenn ich nicht am Grab verstorbener Schützen sprechen muss.‘“, erinnert sich Bauer-Naundorf. Das musste sie nicht – und so übte sie 20 Jahre das Amt der Schützenmeisterin aus. Bei ihrer Ernennung sagte der heutige Dritte Gauschützenmeister Helmut Schwarzenbeck: „Ich hätte mir keinen anderen vorstellen können.“

2017 wurde sie zur ersten Ehrenschützenmeisterin imGauverband Wasserburg-Haag ernannt – und weil es das vorher noch nicht gab, wurde die Ehrenurkunde kurioser Weise für „Herrn Schützenmeisterin“ ausgestellt – ein Umstand, über den die Geehrte heute noch herzhaft lachen kann.

Amüsieren kann sich auch Schützenmeisterin Maria Wittmann von den Kirchdorfer Schützen, wenn sie an ihre Anfänge denkt. „Mein Vater war im Schützenverein und ich wollte da auch unbedingt hin. Meine Freundin und ich wurden aber erst zugelassen, als wir drohten, dem Nachbarverein unserer Heimatgemeinde beizutreten“, erinnert sie sich heute. „Vor 40 Jahren war das noch so.“ Bis heute habe sich zum Glück viel geändert. Inzwischen sind ein Drittel der 130 Mitglieder ihres Vereins weiblich.

Es geht um Körperbeherrschung und Konzentration

Körperbeherrschung und Konzentration, das würde man beim Schießsport ungemein trainieren, erklärt Wittmann. „Das kann man auch im Alltag immer wieder gut gebrauchen.“

Dennoch ist ihr die Geselligkeit im Verein am Allerwichtigsten. Sie genießt die Treffen und das Messen beim Sport. Wittmann schießt noch immer mit Luftgewehr und Luftpistole. Sie hat aber auf Gauebene auch vereinzelt schon mit Großkaliber geschossen.

Den respektvollen Umgang mit Waffen lehren

Der Jugend möchte sie den respektvollen Umgang mit der Waffe vermitteln. „Wie mit Speer oder Bogen oder auch dem Degen beim Fechten muss man mit der Pistole sorgsam umgehen“, beschreibt sie.

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Sorgsam sollte auch der Umgang mit dem anderen Geschlecht sein. „Man muss sich auf Augenhöhe begegnen“, stellt sie klar und versichert: „Ich habe den Eindruck, die Schützen akzeptieren mich genauso wie einen Schützenmeister.“

"Frauen stehen Männern in nichts nach"

Und noch ein Hinweis: „Man darf nicht glauben, dass Schützenmeisterin der Titel für die beste Schützin im Verein ist. Schützenmeisterin und Schützenmeister ist einfach jeweils die korrekte Bezeichnung für die oder den Vorsitzenden des Vereins“, erklärt sie. „Und das könnten heute eben auch gern Frauen sein. Die Frauen stehen den Männern in nichts nach“, beschreibt sie die Situation heute.

Und Gauschützenmeister Erich Eisenberger vom Gauverband Wasserburg-Haag stimmt ihr zu. „Es gibt sehr, sehr gute Schützinnen bei uns“, resümiert er, „sie sind sogar regelmäßig auf deutschen Meisterschaften vertreten.“ Der Gauverband hat derzeit 8283 Mitglieder, 2428 von ihnen sind weiblich, zählt er auf.

Warum sie den Schützensport gerade Frauen empfiehlt

Christine Gruber ist Schützenmeisterin bei den „Schützenbrüdern“ Wasserburg. Sie kam erst mit 30 Jahren durch ein befreundetes Ehepaar zu diesem Verein. „Der Sport verlangt von mir Disziplin und Ausdauer, und ist auch für die Kameradschaft sehr gut“, verrät sie und wirbt weiter: „Ich kann anderen Damen den Schießsport mit gutem Gewissen empfehlen.“ Neben der Kameradschaft werde auch Disziplin und Ausdauer gepflegt.

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Als Schützenmeisterin habe man sehr viele Aufgaben, weiß sie aus Erfahrung, „aber wenn man gute Kameraden hat, ist es sehr schön und es bereichert einem in allem. Wir treffen uns immer wieder bei Gauversammlungen und verschiedenen Veranstaltungen, wie Damen-Infoabend, Grillfeste und Damenschießen.“

Im Schützenverein Freude gefunden

Herta Hundschell ist beim SV „Zweibrücken“ in Altdorf stellvertretende Schützenmeisterin. „Ich bin als jung verheiratete Frau dem Schützenverein beigetreten“, verrät sie. „Damals habe ich mich dem Verein meines Mannes angeschlossen, um im Dorf Kontakte zu knüpfen.“ Das hat dann auch funktioniert. Im Verein fand sie Freundinnen.

Ein großes Plus am Schießsport sei, dass man dafür weniger Kraft und Muskeln brauche, sondern mehr Konzentration und Ruhe, beschreibt Hundschell. Sie könne den Schützensport definitiv anderen Frauen weiter empfehlen. „Besonders an diesem Sport ist, dass es hier kein Männer- beziehungsweise Frauenschießen gibt, sondern alle gemeinsam mit- und gegeneinander antreten.“ So falle es auch Neueinsteigern leicht, Kontakte zu knüpfen, ergänzt die Schützin.

Schützenmeisterin in Staudham

Barbara Lechner ist Schützenmeisterin beim Schützenverein Staudham. „In Punkto Leistung war Renate Langer aus unserem Verein ein Vorbild für mich. Sie behauptet seit vielen Jahren mit hervorragenden Ergebnissen die Spitze der Vereinsmeisterschaft für sich, hat unzählige Meisterschaften geschossen und mehrere Titel als Bayerische und Deutsche Meisterin erlangt.“

Vorbildfunktion für andere

Vorbildfunktion haben für Lechner auch Schützinnen, die sich im Vereinsleben und in der Ausbildung, vor allem in der Jugendarbeit engagieren – „und das bis in Höhere Ebenen wie Gau und Bezirk.“

Der mitgliederstärkste Schützenverein im Gauverband Wasserburg-Haag ist die Schützengesellschaft Griesstätt. In diesem Jahr wählten sie Doris Vucina zu ihrer stellvertretenden Schützenmeisterin. Sie war zudem die Schützin, die das Jahresbestenblattl des Vereins hatte. Anders als die meisten Schützenmeisterinnnen im Gau ist sie „als Quereinsteigerin“ zum Schießsport gekommen. Vucina war an ihrem früheren Wohnort im Kegelverein bevor sie vor drei Jahren durch ihren Lebensgefährten zu den Schützenbrüdern fand.

Begeistert vom Vereinsleben der Schützen

Das Vereinsleben begeisterte sie sofort – beim Schießen allerdings hatte sie leichte Schwierigkeiten. „Ich habe wohl am Luftgewehr zu sehr gezittert“, lacht sie heute. Inzwischen hat sie auf Luftpistole gewechselt und ist damit sehr erfolgreich. Seit letztem Jahr schießt sie in der Ersten Mannschaft von Griesstätt, gemeinsam mit Männern, und im Gauverband hat sie jetzt eine Liga erreicht, in der nur noch drei weitere Damen schießen, erklärt sie nicht ohne Stolz.

Jugend in Griesstätt ist gut aufgestellt

Wenn es nach ihr ginge, dürfte es gern noch mehr Frauen im Schießsport geben. „Im Vergleich zum Kegeln ist der Sport sehr ähnlich, man muss gut stehen und sich konzentrieren, dann klappt es auch“, verrät sie. Ihr Verein versuche, über Faschingsschießen oder ähnliche Veranstaltungen, neue Mitglieder zu gewinnen. „Da kann man gut reinschnuppern.“ Die Jugend sei zu ihrer Freude gut aufgestellt. 15 Jugendliche ab acht Jahren seien in ihrem Verein aktiv. Einen lauten „Tuscher“ zum Thema Frauen im Schützenverein liefern die Griesstätter Böllerschützen. Sie nehmen, verrät Vucina, nach wie vor keine Frauen auf – „weil es die Tradition so sagt.“

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