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Renovierung

Im Dornröschenschlaf: Was wird aus der Haager Turnhalle?

Die einstige Turnhalle befindet sich derzeit in der Renovierungsphase, doch trotz der Arbeiten ist die Zukunft unklar.
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Die einstige Turnhalle befindet sich derzeit in der Renovierungsphase, doch trotz der Arbeiten ist die Zukunft unklar.
  • VonLudwig Meindl
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Haager Kino, Kleinkunstbühne, Stadtcafé: Die Turnhalle wurde vielfältig genutzt. Doch wie geht es künftig weiter?

Haag – Trotz langer Debatten im Gemeinderat ruht die einstige Turnhalle des TSV Haag auf dem Marktberg seit Jahrzehnten im Dornröschenschlaf. Im Moment wird sie renoviert, die weitere Zukunft ist aber immer noch unklar, wie eine Nachfrage bei der Gemeinde zeigt. Ein Blick in die Geschichte zeigt aber: Es könnte vieles hineinkommen, denn die Bestimmung wie den Besitzer hat sie schon oft gewechselt.

Von der Fabrikhalle zum Stadtcafé?

Vor 35 Jahren schickte hier die Moy-Brauerei die Bierflaschen auf das Abfüllband. In den vergangenen Jahren war im Gemeinderat vom Haager Kino, von Mehrzweckhalle, Kleinkunstbühne und Stadtcafé die Rede, wenn es um eine mögliche Nutzung ging. Seiner neuen Bestimmung muss die einstige Turnhalle am Ostflügel des historischen Zehentstadels noch entgegenharren. Wann sie zu neuem Leben erweckt wird, steht in den Sternen, obwohl Gemeindegeschäftsleiter Manfred Mörwald bekräftigt: „Wir sind jetzt schon ziemlich weit. Wenn die aktuelle Genehmigung durch ist, dann erfolgt die Vorbereitung zur Ausschreibung zu den Baumaßnahmen.“

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Das betrifft den gesamten Zehentstadel. Und beim Ausbauprozedere wird dem Westteil mit Bibliothek und Pfarrsaal Priorität eingeräumt. Dann erst käme die einstige Turnhalle zur Umgestaltung in einen „multifunktionalen Mehrzweckraum“ mit Café und Vorplatz an die Reihe.

In den 70er Jahren verkaufte die Gemeinde die Turnhalle an die Brauerei, als eben noch umgebaut und ein neuer Parkettboden eingerichtet worden war. Darunter befand sich noch das alte Feuerwehrhaus, das ebenfalls ausquartiert wurde. Später zog hier der Bauernmarkt ein.

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Von 1987 bis 1995 füllte die Brauerei Moy in der alten Turnhalle Weißbier ab und zog die Schallschutzdecke ein. 20 000 Flaschen Weißbier wurden in der Stunde gefüllt. Das gesamte Areal von Zehentstadel bis Bräuhausplatz und Betriebsgelände Moy diente der Bierherstellung, die in Haag eine über 500-jährige Tradition aufweist.

Die Fenster an der ehemaligen Bühne blieben, auch außen die Rundungen, in denen einst die vier F für den Turnerspruch „Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei“ standen. Sie sind heute verschwunden. An den ursprünglichen Bauherrn, den TSV 1864 Haag, erinnert jetzt nichts mehr.

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In den 20er Jahren konnte es den Haagern nicht schnell genug gehen, dass sie zum Turnen und für festliche Anlässe endlich ein Dach über den Kopf bekamen. So bauten sie an den Zehentstadel die Turnhalle an. Unter Leitung des TSV klopften die Buben Steine ab und reinigten sie. Mitarbeiter der Baufirma Sax fuhr sie von einigen aktuellen Abbrüchen auf den Marktplatz zusammen. Der Anbau musste vor allem billig sein. So forderten die Turnerinnen und Turner des TSV alle Haager auf, mit dem Kauf eines Bons mitzuhelfen.

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Damals erlebte die Turnhalle ihre große Zeit. Die Mitglieder der Turnerriege in ihrem weißen Sportanzug und die Damen in ihren weißen Kleidern turnten an Pferd, Becken, Barren und am Boden. Vor der Halle auf dem Marktplatz, wo heute Kriegerdenkmal und Maibaum stehen, fand das freie Turnen statt, das man damals Abturnen nannte. Beim Kriegerdenkmal befand sich die Sandgrube für den Weitsprung.

Derzeit im Besitz der Gemeinde

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Die Sängerriege des TSV und der Gesellenverein von Kolping zeigten ihre Glanzstücke auf der Bühne der Turnhalle. Unvergessen blieb vielen der „Holledauer Fidel“, die „Veronika“ und 1947 der „Paragraphenschuster“. Vor dem Weltkrieg hatte „Anita, das Findelkind“ große Resonanz gefunden. Der TSV ließ sein eigenes „Turnverein-Orchester“ mit Geigen und Kontrabass spielen und die Sängerriege zum Vortrag aufmarschieren. Daneben brillierte noch das „Klapphorn-Quartett“.

Das Areal gehörte einst den Haager Grafen, dann als Gebäude dem TSV, nachher der Gemeinde, die wiederum an einen Graf Guy von Moy verkaufte, bis schließlich die Brauerei das Gebäude zusammen mit dem Zehentstadel wieder an die Gemeinde veräußerte.

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