Ein Unikat in der Stadt

„Ich wollte gar kein Töpfer werden“ - Gottfried Held aus Wasserburg hat seit 43 Jahren eine Werkstatt

In das Keramikhandwerk wollte Gottfried Held eigentlich gar nicht, bei einem Blick durch seine vollgestellte Werkstatt würde das kaum jemand glauben.
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In das Keramikhandwerk wollte Gottfried Held eigentlich gar nicht, bei einem Blick durch seine vollgestellte Werkstatt würde das kaum jemand glauben.
  • Sophia Huber
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Die Töpferei Held ist ein Wasserburger Unikat. Genau wie ihr Besitzer Gottfried Held. Dabei wollte der geborene Landshuter gar nicht ins Keramikhandwerk gehen, wie er selbst sagt. „Ich wollte eigentlich etwas anderes werden. Vielleicht Architekt oder Schreiner.“

Wasserburg – Beide Berufe hat er sich angesehen, doch aus beiden wurde nichts. Das hat verschiedene Gründen. „Bei dem Architekten habe ich nach ein paar Wochen festgestellt, dass der ein totaler Nazi war. Da bin ich dann weg.“ Der Schreiner habe ihm versprochen, dass er vor allem Schnitzereien anfertige. „Aber nach zwei Wochen habe ich dann immer noch Platten zerschnitten.“ Also habe er sich auch von diesem Arbeitgeber verabschiedet.

Im Jahr 1977 zog er nach Wasserburg

Über eine Freundin sei er schließlich im Töpferhandwerk gelandet, denn sie habe ihm vorgeschlagen, in der Keramikerschule vorbeizuschauen. Davor sei sein Eindruck von diesem Handwerk eher negativ gewesen. „Ich war Schüler im Leinberger Gymnasium in Landshut, da war gegenüber die Keramikschule. Damals dachte ich, das sind nur lauter Leute, die da richtig dreckig wieder gehen.“

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Angekommen bei der Keramikschule habe der Schulleiter ihn zunächst auf die Aufnahmeprüfung und die schon abgelaufenen Fristen hingewiesen. „Aber damals war das ja noch nicht so streng.“ Am Ende, so Held, sei er ohne Probleme aufgenommen worden. „Der Schulleiter war Bayer. Der meinte, dann schmeißen wir halt einen Preußen raus und nehmen dich dafür auf“, sagt Held und lacht bei der Erinnerung.

Werkstatt war früher ein Schweinestall

Danach gab es kein Entkommen mehr. „Mir hat das auch gefallen. Aber die Schule hat auch eine Rolle gespielt. Die war sehr ausgesiebt, da konnte man auch nicht mehr durchfallen.“

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Im Jahr 1977, mit gerade einmal 22 Jahren, eröffnete Held dann schließlich seine Werkstatt in Wasserburg. „Damals war der Martin Geiger Bürgermeister von Wasserburg. Der wollte jemanden, der hier ein Geschäft aufmacht und da habe ich mich gemeldet.“ Die Werkstatt habe davor zum Spital gehört. „Das war hier ein Schweinestall. Der Geiger hat mir angeboten, dass der für mich hergerichtet wird.“ Seitdem hat Held seinen Sitz in Wasserburg.

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„Natürlich hat der Inn für mich auch eine Rolle gespielt.“ Boot gefahren sei er schon immer gern. „In Landshut bin ich da immer die Isar entlang gefahren.“ In Wasserburg habe er das auch so gemacht. „Irgendwann hat mich dann jemand gefragt, ob ich sie auf meinem Boot mitnehmen kann.“ So sei dann die Idee mit der Innschifffahrt entstanden.

Nach einem kurzen Gespräch war auch der Bürgermeister mit an Bord. Nur die Genehmigung hat sich dann hingezogen. „Ich habe das beantragt und gewartet und gewartet. Nach vier Jahren kam dann die Absage vom Landratsamt. Die wollten das aus irgendeinem Grund nicht.“

Boot fahren tat er schon immer gern

Der zweite Antrag der Stadt verlief dann positiv. „Aber die Auflagen, die wir da bekamen, waren wirklich lächerlich.“ Das Boot sollte 500 PS haben, plus Reservemotor mit noch einmal 500 PS. „Dabei war ein Boot mit 50 bis 100 PS vollkommen ausreichend.“ Daraufhin habe er mit einem Sachverständigen vom TÜV geredet, der ihm einen guten Ratschlag gab „Ich habe dem Landkreis erklärt, dass ich die PS dann auch ausfahren will. Das wären dann 150 Stundenkilometer gewesen. Da war es vorbei mit der Auflage.“

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Neben der Töpferei und der Innschifffahrt hat Held außerdem drei Söhne. Der Jüngste, der der Größte ist, wie Held erklärt, ist erfolgreicher Leichtathlet. Auch Held selbst hat schon immer gerne Sport betrieben. „Aber nie im Verein.“ Für Vereine habe er keine Zeit, denn er sei Tag und Nacht in der Arbeit.

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