Home-Schooling mit Hindernissen: So verläuft das Leben einer Wasserburger Familienmanagerin

Die Tochter malt einen Regenbogen fürs Fenster – ein bunter Gruß für andere Kinder in Wasserburg! Foto: Die Autorin.

Start in die Woche zwei der „Corona-Ferien“ – besser: „Home-Schooling“, denn das trifft es eher. Wenn Mama und Papa in die Rolle von Lehrerin schlüpfen, sind Probleme vorprogrammiert.

Wasserburg – Die Gewohnheiten am Wochenende haben wir beibehalten: Faulenzen am Samstag, aber Zimmer aufräumen, Brot backen und Baden am Sonntag. Was fehlt: Ausflüge machen und Freunde treffen. Aber wir haben was gegen Sehnsucht gefunden: Skype! So beginnen wir mit Woche zwei der „Corona-Ferien“.

Montag

Wir starten wie immer um 7 Uhr mit dem wachwerden. Der Sohn will wissen: „Was passiert eigentlich, wenn ich fünf Wochen nicht zum Friseur gehe?“ Wir machen 30 Minuten den Haushalt. Den Unterricht ab 9 Uhr übernimmt heute der Papa. Endlich darf er auch mal den Korrekturstift benutzen. Den in Rosa. Ich gehe zum Arzt, kommuniziere mit der Arbeit, denn ich bin zwei Wochen krank geschrieben. Das ist jetzt gut, weil ich mich um die Kinder kümmern kann, und schlecht, weil ich mich nicht richtig auskurieren kann. Ich sortiere Mails vom Elternportal mit den neuen Aufgaben für den Sohn, die er tapfer in seinen „To-Do-Ordner“ schiebt. Ich frage mich, ob er eigentlich den Überblick behält. Der Papa baut die Hochbeete fertig und siebt den Kompost dafür. Die Tochter darf eine Folge „Löwenzahn“ sehen – Bildungsfernsehen.

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In meiner Pause gehe ich spazieren am Inn und telefoniere mit einer Freundin. Sie arbeitet täglich viele Stunden im Homeoffice und stellt die Sinnhaftigkeit des Home-Schoolings in Frage. Am Nachmittag ist Spielstunde, wir wählen das „Verrückte Labyrinth“. Der Papa hat Abendessen gekocht, auch heute essen wir später als sonst. Dennoch sind um 20.30 Uhr alle Kinder im Bett.

Dienstag

Wieder gemeinsam Haushalt erledigen, dann sitzen der Sohn und ich am Küchentisch. Wir haben einen Elternbrief bekommen mit Empfehlungen zum selbstständigen Arbeiten. Wir schreiben einen Plan für Montag, dann geht es los. Wichtig sind die Brotzeitpausen, merke ich. Auch die Bewegung zwischendurch.

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Endlich wird auch die Druckerpatrone geliefert. Und Staubsaugerbeutel. Ich stelle fest: Ausstattung und Funktionsfähigkeit von Internet und Endgeräten gewinnen an Bedeutung.

Und: Das Thema Schule bestimmt unseren Alltag sehr.

Mittwoch

Familienfrühstück, Aufgabenverteilung, Haushalt und um 9 Uhr „Schule“. Ich finde es sehr verführerisch, sich einfach mal treiben zu lassen. Ein Artikel in der Zeitung über das Leben des Astronauten im Weltraum aber sagt: Feste Strukturen und Routinen helfen in Zeiten wie diesen. Abends wieder Skype für die Tochter: Sie bastelt mit ihrer Freundin ein Herz. Der Sohn darf zocken. Ansonsten nichts Neues in unserer kleinen Welt. In der „großen weiten Welt“ steigen die Zahlen derer, die sich mit Corona infiziert haben.

Donnerstag

Der Sohn weckt mich mit Kaffee, der Papa ist schon in der Arbeit. Leider gibt es keine Semmeln, der Sohn wurde vom Bäcker wieder nach Hause geschickt: Kinder ohne Eltern werden hier nicht bedient. Heute testen wir Telegymnastik um 7.20 Uhr im Bayerischen Fernsehen. Ich habe wieder einen Arzttermin, verbinde diesen mit einem Großeinkauf, der soll für die gesamte Woche reichen. Also machen die Kinder Home-Schooling allein. Wir haben besprochen, was zu tun ist. Das machen sie gut, sie sind ja schon „groß“ mit ihren sieben und 13 Jahren.

Albas Sportstunde auf Youtube

Nach der Mittagsruhe testet die Tochter „Albas tägliche Sportstunde“ auf Youtube – ihr gefällt es. Ich sorge mich um meine Tante. Sie ist vermutlich mit Corona infiziert. Meine Tochter hört „Sams“ aus der Bücherei in Endlosschleife, ich koche ein einfaches Linsengericht mit Salat.

Freitag

Wir verschieben die Routine vom Vormittag auf den Nachmittag und vergessen, feste Uhrzeiten zu vereinbaren – schon kommt alles durcheinander. Das WLAN spinnt, der Sohn muss Aufgaben an den Lehrer schicken, die Tochter fühlt sich vernachlässigt, ich möchte meinen Bericht für die Wasserburger Zeitung schreiben. Danach: Die Tochter lernt einen Witz auswendig und vereinbart mit der Omi einen Skype-Termin zum Aufsagen. Dann malt sie einen Regenbogen, den wir ins Fenster hängen wollen. Kinder, die spazieren gehen, können die Bögen zählen und wissen: Hier wohnt auch ein Kind – ein Aufruf, den ich über Whatsapp bekommen habe.

Aus Rücksicht auf ihre Kinder schreibt unsere Mitarbeiterin anonym.

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