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Das Hochwasser als Lebenselexier

Ökologische Nischen am kanalisierten Inn haben sich auch durch das Hochwasser entlang der - anfangs eher belächelten - Buhnen gebildet: Das Kehrwasser bietet Flussfischen Schutz, ebenso der Baum, der angespült wurde.
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Ökologische Nischen am kanalisierten Inn haben sich auch durch das Hochwasser entlang der - anfangs eher belächelten - Buhnen gebildet: Das Kehrwasser bietet Flussfischen Schutz, ebenso der Baum, der angespült wurde.

Wie hat die Inn-Fauna das Hochwasser überlebt? Fischer und Fachleute waren gespannt darauf, ob sich die Renaturierungs-Projekte der letzten Jahre bewährt haben. Fazit: "Stresstest bestanden."

Wasserburg - Still steht der kleine Hecht im handwarmen Wasser des Altwasser-Tümpels. Er hat auch gar keinen Anlass, sich zu bewegen: "Die Nahrung schwimmt ihm praktisch ins Maul", ist Dr. Manfred Holzner begeistert. Der Gewässerbiologe zeigt auf Abertausende Fischlein, zwischen ein paar Millimeter und wenigen Zentimetern groß. Alles Nachwuchs von heuer, "und alles natürlich, kein Besatz."

Lange hat der Kreisfischereiverein Wasserburg für die Renaturierung der Inn-Altwasser gekämpft, hat gegen behördliche Bedenken in der Attlerau ein Vorzeige-Modell abgeliefert. Inzwischen setzte der Verbund als Betreiber der Innkraftwerke an vielen Stellen entsprechende Maßnahmen um: Schutzbereiche am Innufer hinter Buhnen, neu geöffnete Altwasser und Tümpel, Kiesbänke im Fluss und am Ufer, Vogelinseln und wieder von Wasser durchströmte Randbereiche.

Bei den Rekord-Pegelständen des letzten Hochwassers allerdings kam dann doch die bange Frage auf, ob die Planungen richtig waren und der Fischnachwuchs überlebt hat. Denn: "Wenn so ein Fischchen bei Hochwasser die Nase in die Strömung steckt, ist es acht Stunden später in Passau", so Manfred Holzner. Er berät den Fischereiverein Wasserburg und auch den Verbund in Sachen Gewässer-Ökologie und untersucht daher ganz genau, welche Maßnahmen sich bewähren, welche weniger. "Wissenschaftliche Grundlagen gibt es hier fast nicht."

Das soll künftig ein Projekt der TU München im Raum Wasserburg ändern. Im Moment ist man aber auf eigene Erfahrungen angewiesen. Und die sind aktuell "hervorragend", sind sich Fischerei-Vorsitzender Franz Göpfert, Gewässerwart Alexander Weber und der Biologe einig.

Zwar wurden die Altwasserarme Anfang Juni zum größten Teil vom Hochwasser überspült. Trotzdem boten sie offensichtlich genügend Schutz für den frisch geschlüpften Fisch-Nachwuchs. Und auch die Bautechnik stimmte. "Vielleicht muss man an dem ein oder anderen Zu- oder Ablauf noch etwas optimieren. Aber wirklich kaputt gegangen ist nichts", ist Alex Weber zufrieden.

"Hochwasser gehören existenziell zur Inn-Ökologie", stellt Dr. Manfred Holzner fest. Das Problem sei erst mit dem kanalartigen Ausbau des Flusses und dem Verlanden der Altwasser in den Staubereichen der Kraftwerke entstanden. Früher konnte das Hochwasser die Innlandschaft regelmäßig umformen und so immer wieder neu Lebensräume für Pfanzen und Tiere schaffen. Heute überaltern Auwald-Bereiche, und Wasserläufe neben dem Hauptbett werden schnell flach. "So komisch es klingt: Der Naturschutz braucht hier den Bagger", so der Biologe.

Dass an den ökologischen Sanierungsprojekten der letzten Jahre immer wieder mal Hand angelegt werden muss, um sie funktionsfähig zu halten, sei von vorneherein eingeplant gewesen, berichtet Franz Göpfert. Und es gibt Bereiche, in denen sich die Natur in den nächsten Jahren noch selbst helfen muss. So wurden an der Laimbach-Mündung gegenüber der Attlerau große Kieshaufen aufgeschüttet, die der Inn in den nächsten Jahren bei Hochwasser Stück für Stück mitnehmen soll. So sollen immer wieder Laichbänke für die Flussfische enstehen.

Frühere Massenfische heute bedroht

Nasen, Aitel, Rotaugen, Braxen: Die früheren Massen-Fischarten der Region stehen inzwischen alle auf der roten Liste. Werden sie wieder mehr, gebe es auch genug Futter für andere Arten - "auch der Kormoran wäre dann kein echtes Problem mehr", so Franz Göpfert.

In funktionierenden Altwässern fühlen sich aber auch viele andere Arten wohl wie Libellen, Kröten oder Ringelnattern. Der Biber kommt regelmäßig in die Tümpel, wie frische Spuren zeigen. Und auf den neu geschaffenen Brachflächen gehen wieder junge Bäume, Gräser und seltene Pflanzen auf, deren Samen der Inn mitbringt.

Man müsse die Pflegemaßnahmen am Inn entlang auf viele Schultern verteilen, fordet Dr. Manfred Holzner: "Verbund, Kommunen, Fischer: Da sind alle gefragt. Denn von gesunden Gewässern und einer intakten Natur profitiert die gesamte Gesellschaft." Wie zur Bestätigung ziehen in diesem Moment zwei der seltenen Flussseeschwalben innaufwärts, gefolgt von den begeisterten Blicken der Fischer.

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