Keine Hochwasser-Gefahr für Wasserburgs Altstadt: Inn-Pegel knapp unter höchster Meldestufe

Mit der Baggerschaufel touchierte der Maschinenführer - wenn nötig - große Baumstämme, die im Inn trieben und hielt die Brückenpfeiler vom Treibholz frei. So konnte sich das Schwemmholz nicht verkeilen und einen Damm bilden. Vorsorglich war die Brücke gesperrt.
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Mit der Baggerschaufel touchierte der Maschinenführer - wenn nötig - große Baumstämme, die im Inn trieben und hielt die Brückenpfeiler vom Treibholz frei. So konnte sich das Schwemmholz nicht verkeilen und einen Damm bilden. Vorsorglich war die Brücke gesperrt.
  • Andrea Klemm
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  • Winfried Weithofer
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„Ich habe immer noch keine Gummistiefel an, ein gutes Zeichen“, sagt Wasserburgs Bürgermeister Michael Kölbl bei der Pressekonferenz am Mittag des 4. August im Feuerwehrgebäude. Doch die Lage ist eng. Der Pegel am Inn liegt nur 10 Zentimeter unter der höchsten Meldestufe.

Wasserburg – Eine Gefährdung der Altstadt durch ein Hochwasser sei nicht zu befürchten. Gegen 15.30 Uhr ist ein Pegelstand von 5,90 Meter erreicht. Erst ab 6 Metern gilt Meldestufe 4.

„Bleibt von den Innufern weg, Leute“, appellierte Stefan Gartner, Pressesprecher der Feuerwehr in Wasserburg am Vormittag des 4. August, „es besteht Lebensgefahr“ (Alle Nachrichten aus der Region im Hochwasser-Ticker). Bäume und Schwemmholz, die nah ans Ufer geraten und sich ineinander verkeilen könnten, könnten Menschen mitreißen.

Gut zu tun hatte die örtliche Feuerwehr, wenn die Lage auch nicht brenzlig war. Unser Bild zeigt die gesperrte Rote Brücke.

Die Einsatzleitung der Feuerwehr war wegen der Hochwassergefahr seit den frühen Morgenstunden im Einsatz. Am Vormittag wurden Dammbalken entlang des Deiches angebracht und der Inndeich wurde gesperrt.

Regen ließ kurz nach Mittag deutlich nach

Gegen Mittag wurde die Rote Brücke für den Verkehr gesperrt. Ein Bagger platzierte sich auf der Brücke. Der Baggerführer hatte die Aufgabe, die im Inn treibenden Äste und Stämme von den Brückenpfeilern fernzuhalten. Er touchierte mit der Schaufel große Stämme wenn nötig, so dass sie sich nicht quer zur Brücke legten, sondern gerade unter der Brücke durch trieben. „Sonst entsteht hier ein Damm und das Wasser staut sich auf, was sehr gefährlich ist“, so Gartner.

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Die Wuhr als Inn-Zufluss im Blick

Kurz nach zwölf Uhr Mittag ließ der Regen schon deutlich nach, nur noch wenige Tropfen fielen vom Himmel.

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Und so zeigte sich Bürgermeister Michael Kölbl entspannt, als er im Feuerwehrgebäude die Pressekonferenz eröffnete: „Das Beruhigendste vorneweg: Ich habe immer noch keine Gummistiefel an. Ein gutes Zeichen.“

Solch große Stämme trieben gestern Mittag im Inn. Verkeilt sich das Schwemmholz an den Pfeilern der Roten Brücke, entsteht ein Damm. Ein Bagger war auf der Brücke platziert, um das Gehölz zu entfernen.

Bevor er dem Feuerwehrsprecher Stefan Gartner das Wort erteilte, sagte er noch: „Wir erwarten noch ein bisserl was, aber nicht mehr die Welt.“ Eine Gefährdung der Altstadt sei nicht zu befürchten.

Einzelne voll gelaufene Keller

Gartner berichtete von „ersten kleinen Baustellen“ in der Nacht – es habe einzelne voll gelaufene Keller gegeben und übergelaufene Gullys. Laut Gartner ein „Standardprogramm“ für die Feuerwehr. „Nichts Dramatisches.“ Am Vormittag habe die Feuerwehr, die mit 40 Kräften im Einsatz war, vor allem die Wuhr im Blick gehabt. „Eine neuralgischer Zufluss in den Inn“, sagte Gartner.

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Einen Übertritt der Wuhr wollte er im Bereich der Rosenheimer Straße und dem Wuhrweg nicht ausschließen, wenn der Abfluss nicht mehr gesichert sei. Vorsorglich seien Sandsäcke angefordert worden. „Noch steigt der Inn, und je mehr er steigt, desto schlechter kann die Wuhr abfließen“, so Gartner gestern Mittag. Kölbl ergänzte, dass es bei einem möglichen Sandsack-Einsatz nicht um den Schutz von Gebäuden gehe, sondern um Straßen. Er machte klar: „Die Lage ist im Griff“.

Schaulustige auf der Brücke

Gegen 15 Uhr lag der Pegelstand bei 5,88 Metern, die Prognose wurde mit etwa sechs Metern angegeben. Laut Kölbl kein Problem.

Der Inn strömte jedenfalls mit großer Wucht um Wasserburg herum, aufregend genug war das Naturschauspiel, um zahlreiche Schaulustige anzulocken.

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