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Aus der Geschichte der Pfarrei Haag

Hobbyhistoriker Dr. Keller deckt auf: Reibereien in Haager Pfarrei

Hobbyforscher Dr. Eugen Kellner
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Hobbyforscher Dr. Eugen Kellner holte manch interessante Geschichte der Pfarrei Haag aus dem Archiv an die Öffentlichkeit.
  • VonLudwig Meindl
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Aus dem dunklen Archiv ans Licht der Öffentlichkeit: Hobbyhistoriker Dr. Keller aus Haag beschreibt kuriose Begebenheiten in der Pfarrei.

Haag - Die erste „Geschichte der Pfarrei Haag“ legte vor 25 Jahren Hobbyhistoriker Dr. Eugen Kellner auf. Neun Jahre hatte sich der bereits verstorbene Dr. Eugen Kellner, den man in Haag in erster Linie als Arzt mit Praxis in der Mühldorfer Straße kannte, in den Archiven der Forschung gewidmet. Heute gilt seine Veröffentlichung als Rarität und ist vollständig vergriffen. In mühevollen Fleißarbeit wertete er Geburts- und Sterberegister, „Einnam und Ausgab“ in alten Rechnungsbüchern, handschriftliche Notizen der Pfarrer in Latein und offizielle Urkunden aus. Damit gab er noch unberührte Haager Kulturgeschichte frei.

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Die „Pfarrgeschichte“ mit Register- und Bilderanhang auf 100 Seiten stellte er vom Jahr 1620 an zusammen. Obwohl seit 1325 in Haag eine Schlosskapelle bestand, richteten die Fraunberger erst im 17. Jahrhundert für Haag ein Schlossbenefizium ein. Dagegen protestierte der Kirchdorfer Pfarrer, der Einbußen befürchtete. Das politische Zentrum lag bis dahin in Haag, das geistliche in Kirchdorf.

Dr. Kellner fand auch heraus, dass es in Haag zu Reibereien gekommen war, weil die Pfarrer ihre Mitarbeiter, die „Cooperatoren“ nur zu gern ohne Bezahlung arbeiten ließen. Eine besondere Stellung nimmt Benefiziat Pollin ein, der in seinen „Functiones spirituales“ Haager Kirchengeschichte schrieb und „alia Notanda“ (anderes Notierenswertes) aufschrieb. 1738 ging er zu Dreikönig mit Weihrauch nicht nur ins Schloss, sondern auch ins Buchbinderhaus, zum Lederer, Bräu und Marktkramer.

Cooperator Hörmann hatte sich an der „allhiesigen Freyung“ nahe der Kirche ein Haus gebaut, weil er den Aufenthalt in den Herbergen zu beschwerlich fand. Beim Pfarrschuster- und Tavernwirt feierte er 1768 sein Priesterjubiläum mit 28 Geladenen. Sein Nachfolger, der Haager Mesnerssohn Gartmayr, wirkte als erster Lokalschulinspektor.

Im Jahr 1808, hielt Dr. Eugen Kellner fest, zählte der Benediktinerpfarrer Stichauer bereits 1090 „Seelen“ für Haag. Das Kircheninnere sah seinerzeit vor dem großen Brand ganz anders aus: „Es war überreich mit Bildern angefüllt.“ Den barocken Charakter des gotischen Baus zeichneten viele Votivtafeln und die 16 Fahnen der Haager Zünfte.

Ein „Leichenacker“ wurde 1813 in Haag angelegt

Mit beschrieben und erstmals in der Öffentlichkeit dargestellt hatte der Hobbyforscher auch das Anlegen des „Leichenackers“ im Jahr 1813, den Bau der Friedhofskapelle 1829, die Entstehung des Lokalkrankenhauses 1854 und die Entwicklung der Haager Schule mit Kindergarten. Der Autor der Haager Pfarrgeschichte hielt auch fest, dass die „Wundarztenswitwe“ Katharina Faber, die im September 1819 im Alter von 69 Jahren verstorben war, als erste auf dem Haager Friedhof begraben wurde.

Gegen „Sittenlosigkeit“, darunter das „Einfinden am Kammerfenster“, gab es früher Rutenhiebe. 1830 schimpft Pfarrer Wandner auf seine Wohnung: „Hat der Pfarrhof kaum seinesgleichen in Bayern, da nicht der kleinste Hofraum dabey ist, ohne Waschhaus … ohne Hühnerstube.“ So hielt er das Federvieh in seinem ‚Wohnzimmer‘ wo das „Gekrähe höchst störend und der Geruch höchst widerlich“ war.

Junge Leute schwänzten die Messe und besuchten die Bierwirtschaft

Ausführlich berichtet Dr. Kellner in seiner Pfarrgeschichte vom Haager Brand und den folgenden Aufbau mit feierlicher Einholung der neuen Glocken. Kritik an den sonst wohl braven Haager Gläubigen wurde 1882 laut: Die „jungen genußsüchtigen Leute“ schwänzten die Messe und hielten sich in der Bierwirtschaft auf. Pfarrer Eduard Sterler, der von München nach Haag gekommen war, notierte: „Man hat die Wirtsleute schon öfters ermahnt – doch ohne Erfolg.“

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