Aus dem Historischen Lexikon Wasserburg: Eine Straße, die an den Bierbrauer Ponschab erinnert

Eine Postkarte von 1917 – die sich im Bestand des Stadtarchivs befindet – lenkt den Blick auf das noch weitgehend unbebaute Burgerfeld und in die Ponschabau.
+
Eine Postkarte von 1917 – die sich im Bestand des Stadtarchivs befindet – lenkt den Blick auf das noch weitgehend unbebaute Burgerfeld und in die Ponschabau.

Zitronengelb und gut war es, das Bier, dass der Brauer Andreas Ponschab im 19. Jahrhundert in Wasserburg braute. Nach seinem Familiennamen war auch die Au benannt, die Ponschabau. Heute erinnert noch ein Straßenname, die Ponschabaustraße, an diese ursprünglichen Besitzverhältnisse.

Wasserburg – Im Historischen Lexikon Wasserburg wird die Serie der Wasserburger Straßennamen jetzt auch für die übrigen Stadtgebiete fortgeführt. Bei dem Straßennamen „Ponschabaustraße“ – hier wurde kürzlich eine neue Wohnanlage mit 23 Sozialwohnungen eröffnet – handelt es sich um eine „traditionsbewahrende, an den ursprünglichen Flur- und Ortsnamen Ponschabau erinnernde Richtungsanzeige“: Ein Weg, der in die Ponschabau führt, wie Stadtarchivar Matthias Haupt erklärt. Die Au war nach der Brauerfamilie „Ponschab“ benannt.

Teil des Burgerfeldes

Der Flurname bezeichnete die Au, die im 19. Jahrhundert der Brauerfamilie Andreas Ponschab gehörte. Hiermit waren dem Inn nahe Grundstücke im Umfeld des heutigen Innwerk-, Staustufen- und Stauseebereichs mit Innwerksiedlung und Berufsschule bis hin zur Einöde Urfahrn gemeint. Die „Ponschabau“ ist Teil des Burgerfeldes, dessen viel älterer Name erstmals 1405 mit Verleihung des Burgerfeldes und des Dobels an die Stadt erwähnt ist.

Die planmäßige Erschließung des unteren Burgerfeldes mit Innwerk und Innwerksiedlung erfolgte von der Rosenheimer Straße aus westlich über den Klosterweg und die Ponschabaustraße sowie kleinere Verbindungsstraßen in den Jahren 1918 bis 1939. Für die amtliche Straßennamenfestsetzung gibt es keinen urkundlichen Beleg. Im Zuge der Siedlungserschließung sah der Stadtrat offensichtlich nur Bedarf, die hier neu herzustellenden Verbindungsstraßen zu benennen und respektierte somit stillschweigend die bereits geprägte und überlieferte Bezeichnung der Ponschabau, so der Stadtarchivar.

+++

Lesen Sie auch: Der Corona-Ticker – Aktuelle Entwicklungen zu Covid-19 in der Region, Bayern und der Welt

+++

Schon vor dem Siedlungsbau existierte auch der unbefestigte Weg, der von der Rosenheimer Straße aus in die Ponschabau führte. Der Wegname „Ponschabauerweg“ ist seit 1917 nachgewiesen. Als „Ponschabaustraße“ 1927 auch amtlich bezeichnet im Zuge der Festsetzung der Hausnummern vom 27. März 1927. Zu dem Zeitpunkt gab es dort vier Gebäude.

Der Name der Straße geht auf die ursprünglichen Eigentumsverhältnisse zurück. Die Brauerfamilie Ponschab hatte hier im 19. Jahrhundert die Flur in Besitz, welche unterschiedlich landwirtschaftlich genutzt wurde. Spätere Eigentümer des Geländes (vor dem Innwerkbau 1938) war unter anderem die Brauerfamilie Meyer (Meyer-Bräu), womit sich aber ein umgangssprachlich geänderter Namensgebrauch, etwa in Meyer-Au, nicht einstellte.

Stadtarchivar Haupt erklärt, die dem Familiennamen Ponschab angefügte Bezeichnung „Au“ verweist auf das nahe am Inn gelegene Gebiet, das einst wasserreiches, flussnahes Land war. Mitte des 19. Jahrhunderts (1855) beantragte Andreas Ponschab Arbeiten zur Trockenlegung dieser Ponschabau, durch Abtrennung von Altwässern.

Gebraut wurde in der Altstadt

Die Brauerei Ponschab wurde in der Altstadt, der Salzsenderzeile 12 (später Bruck-Bräu/Meyer-Bräu) bis 1872 betrieben. Erstmals erwähnt ist sie 1835.

Das beim Ponschab-Bräu hergestellte und ausgeschenkte Bier gehörte wohl zu den schmackhafteren der Stadt: Nach einer am 28. und 29. April 1853 vorgenommenen Kontrolle des Sommerlagerbieres der 15 Wasserburger Brauereien wurde festgestellt, „dass die 4360 Eimer vom Ponschab Andreas zitronengelb - gut“ seien.

In einem Zeitungsartikel zu den Ergebnissen der Volkszählung und zur Verteilung der Haushaltungen und Religionsverhältnisse aus dem Jahr 1905 wird die „Ponschab-Au“ als eigener Stadtteil Wasserburgs aufgeführt. Demnach gab es hier zu diesem Zeitpunkt einen einzigen Haushalt mit sechs Bewohnern. Heute sind die ehemals freien landwirtschaftlichen, unter anderem auch zum Hopfenanbau genutzten Flächen nördlich und südlich der Ponschabaustraße, dicht bebaut.

Kommentare