Hilfskonvoi aus Region

Wasserburger Feuerwehrler erleben bei Einsatz in kroatischem Erdbebengebiet viele Emotionen

Mehrere Feuerwehren aus Wasserburg und Umgebung haben Hilfsgüter nach Kroatien gebracht - in die Kleinstadt Petrinja.
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Mehrere Feuerwehren aus Wasserburg und Umgebung haben Hilfsgüter nach Kroatien gebracht - in die Kleinstadt Petrinja.
  • Sophia Huber
    vonSophia Huber
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Einen Beweis über die tiefe deutsch-kroatischen Freundschaft gab es zum Jahreswechsel. Die Feuerwehren aus Wasserburg und Umgebung brachten Hilfsgüter mit einem Konvoi in das Gebiet rund um die vom Erdbeben schwer getroffene Kleinstadt Petrinja. Wieder daheim erinnern sich Beteiligte an viele emotionale Momente.

Wasserburg – Es war eine emotionale Reise, bestätigt einer der Organisatoren und Mitglied der Wasserburger Feuerwehr, Josip Zilic. Dabei fing die spontane Hilfsaktion ganz klein an, mit einem Facebook-Post von Anita Arz, einer bekannten in Wasserburg lebenden Kroatin, und einer kurzen Whatsapp-Nachricht an Zilic: „Kannst du mir helfen einen Transporter zu organisieren, da ich eine kurzfristige Hilfslieferung nach Kroatien plane?“

Zilic leitete die Frage in die 80 Mitglieder starke Gruppe der Wasserburger Feuerwehr weiter, in der spontan der Beschluss gefasst wurde, zu helfen. Ein paar Stunden später landet die Anfrage schließlich bei Kreisbrandrat Richard Schrank, der klarstellt: „Wenn wir das den Feuerwehren im Landkreis sagen, wird dich eine Riesenwelle an Hilfsbereitschaft überrollen“.

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42 Fahrzeuge aus Wasserburg im Konvoi

Und tatsächlich: Die Feuerwehren des Landkreises sprangen an Bord und die Spendenbereitschaft aus der Umgebung war überwältigend. „Innerhalb kürzester Zeit konnten wir vier Tonnen Lebensmittel organisieren“, erklärt Stefan Gartner, Pressesprecher der Feuerwehr Wasserburg.

In der Nacht vom 2. auf den 3. Januar machte sich schließlich eine Kolonne von 42 Fahrzeugen mit über 100 Helfern, angeführt vom Wasserburger Kommandanten Niko Baumgartner und dem Kreisbrandrat Richard Schrank auf den Weg ins Krisengebiet, auf der letzten Station in Kroatien eskortiert von der dortigen Polizei. Das Abladen und die Rückreise mussten schnell gehen, wie Gartner erklärt, auch weil ab der Ausreise die „Corona-Uhr“ zu ticken begann. Nach mehr als 72 Stunden Aufenthalt im Ausland hätten alle Einsatzkräfte in Quarantäne gemusst.

Doch obwohl die Fahrzeuge bei Villach/Spital von 50 Zentimeter Neuschnee überrascht wurden, kamen die letzten Feuerwehrler nach 47 Stunden wieder in der Heimat an. Kreisbrandrat Schrank lobt in diesem Zug vor allem die Fahrer. „Die Organisation hat super geklappt.“ Schrank war es vor allem wichtig, die Güter direkt an Hilfsorganisationen vor Ort abzugeben. „Dadurch können sie besser und schneller verteilt werden“, so der Kreisbrandrat. Auch dies hat nach anfänglichen Schwierigkeiten schließlich geklappt.

Prägende Begegnung in einem Dorf

Insgesamt sei es eine sehr emotionale Reise gewesen, so die Beteiligen. „Nicht nur in den Orten wurden wir begrüßt, schon auf der Autobahn haben immer wieder Autos gehupt und Fahnen aus dem Fenster gehalten. Das waren fremde Menschen, die sich aber trotzdem gefreut haben, dass wir helfen“, erklärt Schrank. „Ein absoluter Gänsehautmoment“, so Gartner.

Unterwegs zeigte sich auch das Ausmaß des Erdbebens: zerstörte Straßen, eingestürzte Dächer, Häuser, die nur noch Ruinen waren. Auch Straßen waren blockiert, der Verband saß sogar einmal fest und musste von Einheimischen wieder auf eine freie Strecke gelotst werden. Außerdem kämpften die Feuerwehrler mit Organisationsschwierigkeiten vor Ort, die immer wieder Planänderungen notwendig machten.

Frauen erinnern sich an frühere Hilfe

Besonders prägend war die Begegnung mit mehreren Frauen in einem abgelegenen Dorf. „Ihnen sind die Tränen übers Gesicht gelaufen“, erklärt Gartner. Nach einem Gespräch über einen Dolmetscher stellte sich heraus, dass die Frauen ein Déjà-vu Erlebnis hatten. „Als der Krieg im ehemaligen Jugoslawien ausbrach und die Häuser in dieser Gegend zerbombt waren, kamen Deutsche mit Hilfsgütern in diese Dörfer“, erklärt Gartner. Nun – knapp 30 Jahre nach dem Krieg – sind die Häuser wieder zerstört und wieder sind es Deutsche, die in der Not helfen. Das sei ein Beweis der tiefen deutsch-kroatischen Freundschaft.

Gartner betont jedoch, dass für die beteiligten Feuerwehrler ein solcher Beweis nicht möglich gewesen wäre ohne die tatkräftige Mithilfe von vielen Privatpersonen, Unternehmen, Speditionen und Organisationen aus der Region, die in Wasserburg und im Landkreis mithalfen und spendeten. Bürger gaben sogar anonym Kuverts mit Geldsummen ab – „ein enormer Vertrauensbeweis in die Feuerwehr“, betont der stellvertretende Kommandant.

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