Der Hiebl Schorsch verabschiedet sich nach 49 Jahren aus dem Edlinger Gemeinderat

49 Jahre lang war er Gemeinderat: Schorsch Hiebl.

Zusammen haben sie in Edling 121 Jahre Gemeinderatsarbeit geleistet: Georg Hiebl, Knut Hörger, Resi Hargasser und Elfriede Fichtl-Huber. Edlings Bürgermeister Matthias Schnetzer verabschiedete die ausscheidenden Gremiumsmitglieder in der letzten Sitzung der aktuellen Amtsperiode. Wenn die Corona-Krise vorüber ist, soll noch einmal in einem würdigen Rahmen gemeinsam angestoßen werden.

Von Andrea Klemm und Andreas Burlefinger

Edling – „Politisches Leben ist kein Zuckerschlecken, sindern harte Arbeit. Wer Jahrzehnte dabei ist, bekommt mit, wie viel Arbeit, wie viel Projekte ein Gemeinderat zu stemmen hat“, sagte Bürgermeister Matthias Schnetzer (CSU) in der letzten Gemeinderatssitzung seiner Amtsperiode, als es galt, die ausscheidenden Gremiumsmitglieder zu verabschieden.

„Kein Konflikt war so groß, als dass er nicht überwunden werden konnte“, so der Bürgermeister weiter, der sich freute, dass es häufig – quer durch die politischen Überzeugungen Einstimmigkeit gab, weil alle das Gemeinwohl im Blick hatten. „Ihr ward ein tolles Gremium“, sagte er in die Runde, „ohne Euch alle würde Edling heute nicht so gut dastehen.“ Er richtete auch an die Familien der Gemeinderäte seinen Dank, denn die hätten Rückhalt geboten, „sonst hätte der eine oder andere vielleicht das Handtuch geschmissen“, so Schnetzer.

Hiebl Schorsch war 49 Jahre im Rat

Ungewöhnlich lange war Schorsch Hiebl (CSU)Mitglied des Gemeinderates: 49 Jahre. Mehr als ein halbes Leben hat sich der Edlinger für seine Heimatgemeinde zur Verfügung gestellt. Aus gesundheitlichen Gründen kam er nicht zur letzten Sitzung seiner Amtszeit.

Bei der letzten Kommunalwahl im März nun hat er nicht mehr kandidiert. Schon 1971 war er Mitglied im Rat der Gemeinde. Bürgermeister war damals der Huber Michi. Als der nach wenigen Amtsjahren verstarb, übernahm der Vater vom Hiebl Schorsch, als Zweiter Bürgermeister die Amtsgeschäfte. In der darauf folgenden Kommunalwahl wurde Hellmuth Schnetzer, der Vater des heutigen Bürgermeisters, in das Amt des Gemeindeoberhaupts gewählt. Und auch der Hiebl Schorsch wurde wieder Gemeinderat.

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Als am 1. Mai 1978 Edling ein Ortsteil von Wasserburg wurde, löste sich auch der Gemeinderat auf. Im Februar 1981 wurde die Eingemeindung daraufhin für nichtig erklärt. Dies war auch der Anlass für das erste „Edlinger Gmoafest“, für das der Hiebl-Schorsch gleich einen ausgewachsenen Grillochsen stiftete.

Bei der im darauf folgenden Juli stattgefundenen außerordentlichen Kommunalwahl, wurde Hellmuth Schnetzer wieder Bürgermeister und der Hiebl Schorsch war auch wieder als Gemeinderatsmitglied mit von der Partie. Ohne Unterbrechung bis heute.

Noch zwei weitere Bürgermeister erlebte er im Amt. Als Nachfolger von Hellmuth Schnetzer den Steppacher Sebastian Widauer und zuletzt Matthias Schnetzer.

Mit allen Bürgermeistern habe er gut zusammengearbeitet. Im Telefonat mit der Wasserburger Zeitung hob Hiebl aus seiner Zeit als Gemeinderat zudem die gute und faire Partnerschaft mit dem aktuellen Wasserburger Bürgermeister Michael Kölbl hervor.

Gerne blickt er auf seine Mitwirkung bei wichtigen Entscheidungen für die Edlinger Bürgerschaft zurück, wie er erzählt. „Die Schaffung von Arbeitsplätzen und der Siedlungsbau im Ort waren wesentlich für die Entwicklung von Edling“, sagt Georg Hiebl beim Interview.

Der Erhalt und die Festigung des Schulstandortes, der Bau der Sportanlagen und die Gemeindekindergärten zum bestehenden katholischen dazu waren und sind aus seiner Sicht die Voraussetzungen dafür gewesen, dass sich der Ort in den vergangenen 35 Jahren um gut 1500 Einwohner vergrößern konnte und „geschickt stufenweise“ eine gesunde Gemeindeentwicklung entstand. „46 Gemeinderatsmitglieder habe ich miterlebt“, sagt der Schorsch im Rückblick auf sein Ehrenamt. Auf die Frage, ob ihn da auch manchmal etwas geärgert hat, muss er etwas länger nachdenken. „Wenn vor den Kommunalwahlen die ansonsten gute fraktionsübergreifende Zusammenarbeit im Gremium plötzlich vom Wahlkampfgetue überlagert wurde, hat mich das schon ziemlich geärgert.“

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Seine Überzeugung lautet: „Es soll und darf in Gemeinderäten eben keine Parteipolitik, sondern muss Politik für die Bürgerschaft gemacht werden“. Wahrgenommen habe er in den letzten Jahren eine Veränderung im Miteinander durch Gemeinderatsmitglieder, die selbst keine gebürtigen Edlinger sind. „Da dauert es anfangs immer eine gewisse Zeit, bis sie die Erfahrung machen, dass manche Dinge in so einer Gemeinde einfach nicht machbar sind“.

Seit über 30 Jahren ist er der Hiebl Schorsch Schützenmeister des Edlinger Schützenvereins. Besonders am Herzen liegen ihm dabei die Edlinger Böllerschützen, die 2011 als Abteilung des Vereins auch von ihm mit begründet wurden. Ebenso war er über viele Jahre aktives Mitglied der Edlinger Feuerwehr und Gründungsmitglied des Sportvereins. Gemeinsam mit dem Sohn bewirtschaftet er nun den landwirtschaftlichen Betrieb. „Leider habe ich damit wieder zu wenig Zeit für meine Leidenschaft als Jäger“, sagt Hiebl zum Schluss des Gesprächs. Ohne Wehmut aber dafür mit Stolz schaut er zurück auf das, „was ich für meine Heimatgemeinde machen durfte“.

„Der Schorsch hat 49 Jahre Gemeinderat aufm Buckel und ein unglaubliches Wissen. Ich hoffe, dass ich bei ihm ab und zu nachfragen darf“, sagte Bürgermeister Schnetzer in der Sitzung.

Auch auf eine lange Zeit blickt Dr. Knut Hörger (ÜWG) zurück, auf 36 Jahre als Gemeinderatsmitglied in Edling. Schnetzer beschrieb ihn als geradlinig, als jemanden, der sich nicht verbiegen lasse. „Er scheute die Konfrontation nicht und wenn er von etwas überzeugt war, hat er Pflöcke eingeschlagen“, so Schnetzer. Hörger sei für den Bürgermeister immer ein Gradmesser gewesen, wenn Diskussionen unnötig lange dauerten, „hat man seine Adern am Hals anschwellen sehen“. Durch kurze und prägnante Argumente habe er Überzeugungsarbeit geleistet.

Neuer Stil kam mit der UBG

24 Jahre dabei war Therese Hargasser (UBG). „Du kamst damals, 1996, mit der neu gegründeten UBG zu uns und hast einen neuen Stil eingeführt, der nicht zum Nachteil war“, wie Schnetzer zu ihr sagte. Resi Hargasser war Mitglied im Finanz- und Bauausschuss.

Seit 2008 im Gremium war Elfriede Fichtl-Huber(CSU), „die gern noch weiter gemacht hätte“, so der Bürgermeister in seinen Abschiedsworten. Er bedauere, dass dies nicht mehr geklappt habe und der Wähler so entschieden habe. „Du lässt dich nicht abspeisen, hinterfragst, bist hartnäckig – so wie es deine Mutter schon war.“ Fichtl-Huber gehörte seit 2008 dem Finanzausschuss an. Er ermutigte sie, es in sechs Jahren erneut mit einer Kandidatur zu versuchen. Mit Blick auf die Corona-Krise sagte Schnetzer abschließend zu seinen Dankesworten an alle: „Wir stehen vor Herausforderungen, die noch nicht absehbar sind“.

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