Hermann Jäger ist tot: Abschied von einem Haager Milchpionier

Hermann Jäger
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Der Haager Unternehmer Hermann Jäger ist verstorben.

Eine große Unternehmerpersönlichkeit im Haager Land ist tot: Hermann Jäger, Seniorchef des Milchwerks Jäger, verstarb am Donnerstag im Alter von 89 Jahren. Die letzten Stunden konnte er nach einem Klinikaufenthalt aufgrund einer Operation am Arm im Kreise seiner Familie daheim verbringen.

Von Heike Duczek und Karlheinz Günster

Haag – Hermann Jäger war der einzige Sohn des Molkereibesitzers und langjährigen Haager Bürgermeisters Georg Jäger und seiner aus der Brauereifamilie Kern stammenden Mutter Maria.

Seine Kindheit und Jugend waren nicht einfach, denn mit anderen Haagern aus dieser Zeit verband ihn das Schicksal, im strengen Algasinger Internat aufwachsen zu müssen. Weil der Vater im sogenannten Dritten Reich Bürgermeister in Haag, jedoch nicht auf Parteilinie war, galt es für den Sohn, viele Hindernisse zu überwinden. Wenn schon nicht der Vater, dann sollte doch wenigstens der Sohn auf Linie zu bringen sein, formulierten das die Nationalsozialisten. Von dieser Strenge gab Hermann Jäger an seine beiden Kinder Adele und Hermann nichts weiter, die er zusammen mit seiner Frau Rosemarie – sie stammt aus dem Sudetenland – großzog.

Nach dem Abitur war sein Berufsweg aufgrund der Familientradition vorgezeichnet: Er erlernte den Beruf des Molkereifachmanns von der Pike auf und schloss mit der Meisterprüfung in Weihenstephan ab. Danach folgte noch ein Studium mit Abschluss als Diplomkaufmann.

Hermann Jäger übernahm 1968 die Leitung des Familienunternehmens, das sein Großvater Georg 1870 als kleine Käserei in Haag gegründet hatte. Der Verstorbene gilt als Pionier bei der Erschließung internationaler Märkte für bayerische Milchprodukte. Unter seiner Leitung gelang dem Milchwerk Jäger als erstem Betrieb der systematische Eintritt in den italienischen Markt.

„Er war Unternehmer durch und durch“, erinnert sich Sohn Hermann junior, der heute die Molkerei führt. Ständig präsent im Alltag der Familie war die Firma. Laufend entwickelte der Vater Visionen.

Hermann Jäger war bekannt für seinen unternehmerischen Mut und seine Innovationskraft. Unter anderem rüstete er die Produktion auf modernste Techniken um, erhöhte die Produktionsmengen und die Zahl der Arbeitsplätze. Das Milcheinzugsgebiet rund um Haag wurde vergrößert – bis nach Österreich.

Hermann Jäger war auch überregional für die Branche tätig: unter anderem als Vorsitzender des Verbandes der Privatmolkereien. Die Süddeutsche Butter- und Käsebörse zeichnete ihn mit der Verdienstmedaille für 40-jährigen Einsatz aus.

Nachdem der Verstorbene die Geschäftsleitung 2001 an seinen Sohn übergeben hatte, widmete sich Hermann Jäger senior noch intensiver seinen Hobbys: Lesen, Reisen und das Studium ferner Kulturen. Schon zu Zeiten, als Fernreisen noch nicht so üblich waren, besuchte er Länder auf vielen Kontinenten – „am liebsten da, wo nicht alle hinfahren“, erinnert sich sein Sohn. Ziele waren unter anderem Russland und Nordafrika.

Gemeinsam mit seiner Frau setzte Hermann Jäger sich außerdem für die Partnerschaft zwischen Haag und der ungarischen Gemeinde Lajoskomárom ein. Er war Gründungsmitglied des Lions Clubs Wasserburg.

Der Verstorbene war bei der Bevölkerung sehr beliebt – als Arbeitgeber mit großem Verantwortungsbewusstsein den Mitarbeitern gegenüber, aber auch als Haager Bürger. Er galt als liebenswürdig und bodenständig.

Um Hermann Jäger trauern Ehefrau Rosemarie, mit der er 1963 den Bund der Ehe schloss, Tochter Adele, Sohn Hermann junior und vier Enkeltöchter. Noch im hohen Alter interessierte er sich sehr für die Entwicklung des Familienunternehmens. Mit Stolz erfüllte ihn die Tatsache, dass sein Sohn das Milchwerk in vierter Generation erfolgreich weiterführt.

Die Beerdigung erfolgt aufgrund der Corona-Pandemie im kleinen Familienkreis in der kommenden Woche. Das sei aber auch im Sinne des Vaters, betont Sohn Hermann, denn große Veranstaltungen habe der Verstorbene nicht gemocht. Hermann Jäger senior lebte lieber zurückgezogen, Ruhe fand er auch bei Waldspaziergängen. Vorausgesetzt, dass sich die Lage rund um die Coronavirus-Krise entspannt, ist ein Gottesdienst für den 2. Mai vorgesehen. Dann wäre Hermann Jäger 90 Jahre alt geworden.

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