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Helfer in der Not selbst in Not

Gaby und Hans Schuster genießen mit einigen ihrer Schützlinge die Sonne. Streicheleinheiten inklusive.  Foto  Auer
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Gaby und Hans Schuster genießen mit einigen ihrer Schützlinge die Sonne. Streicheleinheiten inklusive. Foto Auer

Nach sechs Jahren droht dem Verein "Lichtblick für Tiere", der sich um Hunde in Not kümmert, das Aus: Der Gemeinderat lehnte eine beantragte Nutzungsänderung für das 4500 Quadratmeter große Grundstück am Obinger Ortsrand ab. Nachbarn hatten sich über bellende Hunde beschwert.

Auch ein Lärmschutzgutachten half nicht.

Obing - Der Verein "Lichtblick für Tiere" sieht sich aufgrund eines Gemeinderatsbeschlusses in seiner Existenz bedroht. Der Antrag auf Nutzungsänderung ihres Wohnhauses in eine "Tierheimähnliche Einrichtung", sowie die Errichtung eines Sichtschutzzaunes wurde vom Rat vor kurzem abgelehnt. Doch die Tierliebhaber Gaby und Hans Schuster wollen für ihre Lebensaufgabe kämpfen. Sie wollen weiterhin in Not geratene Hunde in der Familie betreuen und betonen: "Es handelt sich um kein Tierasyl".

Noch immer ist das Ehepaar Schuster fassungslos. Seit 2008 bewohnt es ein großzügiges Anwesen am Ortsrand von Obing und seit dieser Zeit teilen die Schusters rund 400 Quadratmeter Wohnfläche und gut 4500 Quadratmeter Garten mit in Not geratenen Hunden. Zwischen 16 und 20 vom Tod bedrohte Vierbeiner werden hier das ganze Jahr über in der Familie wieder aufgepäppelt und sozialisiert, um anschließend an ein neues Herrchen oder Frauchen weitervermittelt zu werden.

Bereits 2004 hatte das Paar mit Gleichgesinnten den Tierschutzverein "Lichtblick für Tiere" in Oberhaching gegründet und sich die Rettung bedrohter Tiere im In- und Ausland zur Lebensaufgabe gemacht. Bisher haben so über 700 Hunde eine neue Heimat gefunden und vielen Menschen konnte der Wunsch nach einem eigenen Tier erfüllt werden. Auch das Tierheim Traunstein schicke immer wieder "Hundesuchende". Dabei werde besonders geschätzt, dass die vermittelten Tiere liebevoll und an die Familie gewöhnt seien, erzählt Gaby Schuster. Einige Monate bis zu ein oder zwei Jahren dauere es, bis ein Hund abgegeben werde, denn es werde sehr darauf geachtet, dass Hund und Herrchen zueinander passen.

Doch nun droht die Lebensaufgabe zu scheitern, denn der Gemeinderat sprach sich gegen die beantragte Nutzungsänderung des Wohnhauses aus. Für das Ehepaar Schuster ist diese Entscheidung unverständlich, zumal es lange Zeit überhaupt keine Probleme gegeben habe. "Bevor wir 2008 das Haus in Obing erwarben, haben wir mit den Nachbarn gesprochen", berichtet Gaby Schuster. Damals habe es keine Einwände gegeben und das Verhältnis sei ausgesprochen gut gewesen.

Gerne kämen auch Kinder oder ältere Menschen aus dem Ort, die selber keinen Hund halten könnten, zum Gassigehen vorbei und die Tür für Besucher stünde immer offen. Der amtliche Veterinär habe, nach einer umfassenden Prüfung, die Erlaubnis zur Haltung von bis zu 20 Hunden erteilt und die Gemeinde habe die Befreiung von der Hundesteuer veranlasst. Aus Rücksicht auf die Nachbarn sei Zug um Zug ein 1,8 Meter hoher Sichtschutzzaun errichtet worden.

Alles habe gepasst, bis vor rund eineinhalb Jahren das Bauamt vorstellig geworden sei und die fehlende Nutzungsänderung und den zu hohen Zaun beanstandet hatte. "Das hat uns regelrecht den Boden unter den Füßen weggezogen, denn wir sind von der Gemeinde nie darüber informiert worden, dass wir eine Nutzungsänderung beantragen müssen", beteuert Gaby Schuster. Obwohl allseits bekannt war, dass sie hier mit unserem eingetragenen Tierschutzverein "Lichtblick für Tiere" meist um die 15 Hunde in der Familie betreuen. Dabei handle es sich um kein Tierasyl und auch "tierheimähnliche Einrichtung" treffe es nicht ganz, weil die Betreuung eine ganz andere sei.

Um die Genehmigung nachträglich zu erhalten, habe man ein umfassendes Schallschutzgutachten eingeholt, das zu dem Ergebnis kam, "dass die tierheimähnliche Einrichtung in der Ameranger Straße - unter der Voraussetzung einer konsequenten Einhaltung der vorgestellten Auflagen - keine Konflikte mit dem Anspruch der Nachbarschaft auf Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch Geräusche erwarten lässt". Bisher sei sehr darauf geachtet worden, dass sich die Hunde nicht vor 7 Uhr und nicht nach 20 Uhr in dem großen, in drei Bereiche aufgeteilten Grundstück aufhielten, auch die Mittagsruhe zwischen 12 und 14 Uhr werde eingehalten und auch alle weiteren, gesetzlichen Auflagen erfüllt, versichert Gaby Schuster.

Sie kann die Entscheidung des Gemeinderats nicht verstehen, denn ihrer Meinung nach ist das Schallschutzgutachten zu wenig berücksichtigt worden und auch kein Gemeinderatsmitglied habe sich vor Ort informiert. Deshalb will sie weiter für ihre gute Sache kämpfen und hofft auf eine positive Entscheidung des Landratsamts als nächster Instanz.

Auf Nachfrage bedauerte Bürgermeister Hans Thurner den negativen Bescheid für die Familie Schuster. Bisher sei die Einrichtung geduldet worden, aber "wenn Nachbarn sich beschweren, muss die Gemeinde handeln". In letzter Zeit sei dies häufiger geschehen und auch Anwohner aus der benachbarten Siedlung Kohlstatt hätten ihren Unmut über das Hundegebell geäußert. Daraufhin sei das Landratsamt tätig geworden und habe auch die Gemeinde zu einer Stellungnahme aufgefordert.

Bei seiner Ablehnung habe der Gemeinderat dem Schallschutzgutachten keine so große Bedeutung zugemessen, da es schwer vorstellbar sei, so viele Hunde im Haus zu halten und die Belästigung durch Hundegebell sehr individuell empfunden werde. Die Ablehnung der Einfriedung sei dagegen eine klare Sache, weil die Gestaltungssatzung nur eine maximale Höhe von 1,3 Meter zulasse. Allerdings wolle er noch einmal das Gespräch mit dem Landratsamt suchen, um eine annehmbare Lösung für die Familie zu finden.

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