Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Ein halbes Jahrhundert Heimatforschung

Ferdinand Steffan schreibt Buch über Kapellen und Nebenkirchen der Stadtkirche Wasserburg

Ein „kunsthistorischer Schatz“ sagt Pfarrer Bruno Bibinger (rechts) über das jüngste Werk von Heimatforscher Ferdinand Steffan: Auf 170 Seiten widmet er sich den „Nebenkirchen und Kapellen der Stadtkirche Wasserburg am Inn. Das Buch ist im Pfarramt zu haben – oder am Sonntag, 18. Juli, nach dem Gottesdienst.
+
Ein „kunsthistorischer Schatz“ sagt Pfarrer Bruno Bibinger (rechts) über das jüngste Werk von Heimatforscher Ferdinand Steffan: Auf 170 Seiten widmet er sich den „Nebenkirchen und Kapellen der Stadtkirche Wasserburg am Inn. Das Buch ist im Pfarramt zu haben – oder am Sonntag, 18. Juli, nach dem Gottesdienst.
  • Andrea Klemm
    VonAndrea Klemm
    schließen

Er kennt sie alle, die verschwundenen, die verborgenen und die bekannten Kapellen und Nebenkirchen der Stadtkirche Wasserburg: Ferdinand Steffan. Sein Wissen, das er in einem halben Jahrhundert Forschung zusammengetragen hat, hat der Heimatforscher nun in einem Buch veröffentlicht.

Wasserburg – Pfarrer Bruno Bibinger spricht von einem „kunsthistorischen Schatz“.. „Da, wo heute die Wursttheke in den Wasserburger Markthallen steht, befand sich einst die Hauskapelle der Familie Laibinger-Gumpelzheimer“, weiß Ferdinand Steffan zu berichten. Der Heimatforscher hat über die „Die Nebenkirchen und Kapellen der Stadtkirche Wasserburg am Inn“ ein Grundlagenwerk erstellt. Seine jüngste Forschung umfasst 170 Seiten, die sich mit etwa 30 Bauten, die zum Teil aus dem Stadtbild verschwunden sind, beschäftigt.

Das könnte Sie auch interessieren: Heimatforscher Ferdinand Steffan berichtet über Wasserburger Soldaten im „Siebziger-Krieg“

Beim Festgottesdienst von St. Jakob anlässlich der Erhebung zur Stadtkirche Wasserburg am Sonntag 18. Juli, um 10.15 Uhr mit Weihbischof Wolfgang Bischof, wird Stadtpfarrer Bruno Bibinger seiner Gemeinde Steffans Werk vorstellen. Er ist selbst begeistert vom Stöbern in der Geschichte Wasserburgs und hat mit Ferdinand Steffan einen ausgewiesenen Experten zur Seite. „Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Pfarrherr, der frisch hierher versetzt wird, sich so eingehend historisch auseinandersetzt“, so der Heimatforscher.

Nur wer die Geschichte kennt, versteht die Gegenwart

Bibinger sagt, „nur, wer die Geschichte kennt, versteht die Gegenwart“. Für ihn sei es spannend, Zusammenhänge herauszufinden. Zu entdecken gebe es so viel. „Wasserburg war so eine reiche Stadt. Wir waren gut eingesäumt für Aufträge an Künstler“, sagt Bibinger, inzwischen ganz Wasserburger.

+++Aktuelle Nachrichten und Artikel rund um das Thema Coronavirus in der Region finden Sie auf unserer OVB-Themenseite +++

Als Steffan durchs Pfarrhaus schlendert, deutet er auf verschiedene sakrale Exponate, etwa jahrhundertealte Bücher aus dem ehemaligen Kapuzinerkloster, das 1803 aufgelöst wurde, oder eine Urkunde, „die er noch knacken will“. Projekte gäbe es noch viele – Steffan und Bibinger schmunzeln. „So viele, die schaffen wir gar nicht in meiner Amtszeit, ich bin ja nur noch 30 Jahre hier“, sagt der junge Pfarrer augenzwinkernd.

Reiche Familien hatten daheim eine Kapelle

Sie blättern gemeinsam im neuen „Kapellenbuch“, ein „kunsthistorischer Schatz“, wie Bibinger findet. Sie kommen auf die inzwischen verschwundenen Hauskapellen der Gebäude am Marienplatz zu sprechen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es sie noch, denn Stadtschreiber Joseph Heiserer berichtete im Jahr 1841/42 darüber im Wasserburger Anzeiger. Hier habe man auch Gottesdienste abgehalten.

Die Michaelskapelle erreicht man vom Kirchplatz aus.

Lesen Sie auch: Wasserburg hatte einst einen Platz für die Drosseljagd der Falkner

Leisten konnten sich so ein kleines privates Gotteshaus nur reiche Familien. Bibinger zieht einen Vergleich zur italienischen Geschichte. Der oberitalienische Landadel, bürgerliche Kaufleute und Bankiers bauten in früheren Jahrhunderten Türme, um ihren Wohlstand und ihr Ansehen zu demonstrieren. In Wasserburg zeigten die Patrizierfamilien ihren Status, in dem sie eine eigene Hauskapelle errichteten. „Man konnte es sich leisten, einen Raum, der nicht für Kinder oder Dientsboten gebraucht wurde, für Gott zur Verfügung zu stellen“, so der Pfarrer.

Weitere Artikel und Nachrichten aus der Region Wasserburg finden Sie hier.

Natürlich behandelt Ferdinand Steffan auch jene Kapellen, die in Wasserburg jedermann kennt, etwa die Max-Emanuel-Kapelle am Gries – die Touristen, die dort auf dem Parkplatz ihr Auto abstellen, finden hier ein erstes Kleinod. Die Urversion von Baumeister Wolfgang Obermiller hatte ein jähes Ende bei der Hochwasserkatastrophe von 1786 gefunden.

Lesen Sie auch: Einen Lockdown gab es in Wasserburg schon vor über 200 Jahren

Im März 1862 begann Baumeister Michael Geisberger durch Spenden aus der Bevölkerung die Kapelle im neugotischen Stil – wie man sie heute kennt – wieder zu errichten. Den Baustil hat Geisberger auch bei der Dirnecker-Kapelle in Eiselfing und etwa der Obinger Friedhofskapelle angewandt. „Copy und Paste anno 1870“, stellt Bibinger lachend fest.

Keine „lose Zettelwirtschaft“ mehr

Er resümiert: In dem „Kapellenbuch“ ist das Wissen aus einem halben Jahrhundert der Ära Ferdinand Steffan vereint. Dieser wiederum ist froh, dass seine Aufzeichnungen und Recherchen der vergangenen Jahrzehnte nicht mehr bloß „lose Zettelwirtschaft“ sind und dass die kleinen Kirchen und Kapellen, auch die neueren, wie etwa „Maria Rast“ am Herder sowie die Institutskapellen (etwa im Caritas-Heim) nicht in Vergessenheit geraten.

Mehr zum Thema

Kommentare