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150 JAHRE FRIEDENSVERTRAG MIT FRANKREICH

Heimatforscher Ferdinand Steffan berichtet über Wasserburger Soldaten im „Siebziger-Krieg“

An den Soldaten Joseph Naureich, der vermutlich an den Folgen einer Verwundung starb, erinnert dieses Gemälde.
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An den Soldaten Joseph Naureich, der vermutlich an den Folgen einer Verwundung starb, erinnert dieses Gemälde.

Wenn am 10. Mai des Friedensschlusses von Frankfurt 1871 im sogenannten Siebziger-Krieg zum 150. Mal gedacht wird, rücken jene unscheinbaren und fast vergessenen Kriegerdenkmäler und Votivbilder in den Vordergrund, mit denen an die Gefallenen oder die glücklichen Heimkehrer erinnert wird. Wasserburgs Heimatforscher Ferdinand Steffan begibt sich auf Spurensuche.

An Hand weniger Beispiele aus der Region, die Heimatforscher Ferdinand Steffan zusammen gestellt hat, sei hier an die Schicksale jener Kriegsteilnehmer erinnert worden, die damals in Frankreich kämpften.

Am 19. Juli 1870 hatte das französische Kaiserreich, provoziert durch die Emser Depesche, Deutschland den Krieg erklärt. Der Norddeutsche Bund unter Führung Preußens, die Königreiche Bayern und Württemberg sowie die Großherzogtümer Hessen und Baden standen Frankreich unter Napoleon III. gegenüber.

Schlacht bei Sedan

Die Schlacht bei Sedan am 1. und 2. September 1870 war vorentscheidend für den Ausgang des Krieges. Napoleon III., 39 Generäle und 100 000 Franzosen wurden dabei gefangen genommen. Bereits am 4. September 1870 wurde die Republik in Frankreich ausgerufen. Am 11. Oktober 1870 erfolgte die Eroberung von Orleans.

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In der Schlacht bei Coulmiers vom 9. November unterlag die bayerische Besatzungsarmee und musste einen Großteil seiner Verwundeten zurücklassen und Orleans räumen. Anfang Dezember 1870 gelang die erneute Eroberung von Orleans.

Wilhelm I. wird Kaiser

Am 18. Januar 1871 erfolgte die Proklamation König Wilhelm I. zum Deutschen Kaiser im Spiegelsaal von Versailles und am 28. Januar 1871 trat nach der Belagerung von Paris der Waffenstillstand ein. Mit der Unterzeichnung des Friedensvertrags von Frankfurt am 10. Mai 1871 endete zwar der Deutsch-Französische Krieg, doch hatte er noch Auswirkungen auf die Auseinandersetzungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Die Schlachtorte wie Sedan, Orleans, Bazeilles, Pavigny oder Epernay finden sich auch auf den Gefallendenkmälern von Wasserburg und Eiselfing.

„Ruhmvoller Tod“

Mit einem schlichten Stein im Stil der Neugotik gedenkt „die Stadt Wasserburg ihren Kriegern, welche in dem Feldzuge gegen Frankreich 1870/1871 den ruhmvollen Tod fanden“. Gegenüber den Listen des Ersten und Zweiten Weltkriegs nimmt sich die Zahl von vier Gefallenen aus dem Stadtbereich geradezu bescheiden aus, wobei sich hinter jeder Person ein schweres Schicksal, auch für die Hinterbliebenen, verbirgt:

Andreas Rannersberger, Zimmermannssohn, ist bei Sedan am 1. September 1870, mit nur 20 Jahren verstorben. Jakob Mayr, Ratsdienerssohn, gestorben zu Orleans am 29. Oktober 1870, wurde nur 27 Jahre alt. Joseph Frimberger, Schneidersohn, erlitt vermutlich den Flammentod zu Bazeilles am 1. September 1870 mit 26 Jahren. Balthasar Matheis, Maurersohn, wurde bei Orleans verwundet und starb im Alter von 27 Jahren am 3. Januar 1871.

Gemälde im Rathaus Eiselfing

Der Veteranenverein Eiselfing, schon 1839 gegründet, gedenkt mit einem großformatigen Gemälde, das heute im Treppenhaus des Rathauses hängt, der Gefallenen der Umgebung. Auf dem Sockel eines Grabsteins sind acht Personen aufgeführt, von denen sechs an ihren Verwundungen oder Typhus in den Lazaretten starben.

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Sie stammten aus Bachmehring, Mais, Viehhausen, Pfaffing, Schilchau, Mernham, Attel und Fuhrstetten (Fürstett). Die Geschichtsbücher berichten, dass die bewaffneten Einwohner die vorrückenden bayerischen Soldaten und die sich zurückziehenden Verwundeten aus verschanzten Kellerverstecken heraus angegriffen, woraufhin die Bayern Häuser anzündeten, sodass bald der ganze Ort in Flammen stand. Dabei dürfte auch Frimberger im Feuer umgekommen sein. Das Durchschnittsalter der Gefallenen betrug 26 Jahre.

Erinnerungstafel im Museum Wasserburg

Zu Joseph Haureich, Dinstlbauerssohn von Schilchau, existiert im Museum Wasserburg noch eine auf Blech gemalte Erinnerungstafel, die wohl früher einmal am Familiengrab angebracht war. Darauf ist im Zentrum groß der Soldat in der Uniform des Ersten königlichen Infanterie-Leibregiments dargestellt, während im Hintergrund ein Kampf zwischen den Franzosen und seiner Einheit stattfindet. Die Angaben über den Todesort stimmen zwar nicht überein, einmal stirbt „er am 30ten Okt: 1870 an seiner Verwundung in Epernay“, auf der anderen Tafel ist er „im Spital zu Arpajon in Frankreich an seiner Verwundung gestorben“. Die Differenzen lassen sich wohl durch die ungenügenden geografischen Kenntnisse zur damaligen Zeit erklären.

Maler verliert seinen Sohn bei Artenay

Diese individuelle Erinnerungstafel und auch das große Gedenkbild des Veteranenvereins Eiselfing dürfte von Johann Baptist Streng senior gemalt worden sein, der seinen 24-jährigen Sohn Johann Baptist (1846 bis 1870) bei Artenay verloren hat. Streng junior hatte gerade seine dreijährige Malerlehre bei seinem Vater beendet, als er sich für den bevorstehenden Frankreich-Feldzug beim Artillerie-Regiment Prinz Luitpold in München als Bombardier meldete und an die Front kam. In Artenay, Département Loiret in der Region Centre-Val de Loire, fand am 10. Oktober 1870 ein entscheidendes Gefecht zwischen dem Ersten Bayerischen Korps und dem französischen XV. Korps der Loirearmee statt. 14 000 Bayern mit 100 Kanonen standen 8000 Franzosen mit nur 16 Kanonen gegenüber. Die bayerische Armee verzeichnete in der Schlacht 200 Tote und Verwundete, die Franzosen hatten 900 Tote, Verwundete und Gefangene zu beklagen.

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Über den Tod von Johann Baptist Streng liegen unterschiedliche Angaben vor: Einerseits sei er im Spital von Artenay an Typus gestorben, andererseits soll er am 27. Oktober 1870 im Schloss Reuil infolge einer Fußamputation verstorben sein. Die Barschaft von 4 Gulden 51 Kreuzern wurde an den Vater nach Evenhausen geschickt, wo am 1. Dezember der Seelengottesdienst für den verstorbenen Soldaten stattfand.

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So, wie die Soldaten der Pfarrei Gars für die glückliche Heimkehr ein Votivbild mit dem Heiligen Felix und der Mutter der immerwährenden Hilfe malen ließen, haben auch in der Pfarrei Griesstätt eine „Verlobniß-Tafel […] zum Andenken und zur Danksagung für ihre glückliche Heimkunft die genanten Soldaten, anfertigen lassen“, wobei sie sich hier unter den Schutz der Muttergottes von Altötting stellten. 19 Soldaten in vorwiegend blauen Uniformen sind hier knieend in vier einander gegenübergestellten Bänken dargestellt und in einem Schriftblock, teilweise mit der Angabe ihrer Einheit und ihres Ranges, aufgelistet. Lücken zwischen den einzelnen Namen weisen darauf hin, dass das Schicksal einiger Kameraden noch nicht geklärt und daher Platz für Nachträge gelassen worden war.

Sedanfeiern abgeschafft

Die Pfarrei Wang hat an einer von einem Kreuz bekrönten Granitsäule unter einem Baum am Vorplatz zur Kirche eine schlichte Tafel: „Zum Gedenken der Gefallenen 1870 – 1871“ angebracht.

Für die aus dem Feld zurückgekehrten Soldaten waren die staatspolitischen Veränderungen, die sich aus dem Sieg ergaben, etwa der dauerhafte Verlust der staatlichen Souveränität Bayerns, meist von untergeordneter Bedeutung. Geblieben sind für sie die von kirchlicher wie weltlicher Seite ab etwa 1873 allgemein eingeführten Sedanfeiern am 2. September, die 1919 in der Weimarer Republik zwar abgeschafft wurden, sich aber da und dort noch einige Jahre erhalten haben. (re)

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