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Bis heute das einzige verheiratete Paar der Einrichtung

Heidi und Karl Botzang aus der Stiftung Attl feiern nach 20 Jahren Porzellanhochzeit

Das erste Paar aus der Stiftung Attl, das geheiratet hat: Heidi und Karl Botzang. Die beiden lebten aus Betreute in einer Wohnung mit Gruppenanschluss. Heute haben sie eine kleine Wohnung in der Stadt und werden weiterhin unterstützt.
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Das erste Paar aus der Stiftung Attl, das geheiratet hat: Heidi und Karl Botzang. Die beiden lebten aus Betreute in einer Wohnung mit Gruppenanschluss. Heute haben sie eine kleine Wohnung in der Stadt und werden weiterhin unterstützt.
  • VonBirgit Schlinger
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Wenn sich Heidi Botzang über ihren Karl ärgert, stellt sie einen „Streitbären“ auf den Tisch. Der kommt erst weg, wenn sie sich ausgesprochen haben. Das trägt zu einer harmonischen Ehe bei, die die beiden Betreuten aus der Stiftung Attl führen. Vor 20 Jahren haben sie sich als erstes und einziges Paar der Einrichtung das Ja-Wort gegeben.

Von Birgit Schlinger

Wasserburg-Attel – Vor genau 20 Jahren gaben sich Heidi und Karl Botzang das Ja-Wort auf dem Wasserburger Standesamt. Das Besondere an dieser Hochzeit: Die beiden waren die ersten Betreuten aus der Stiftung Attl, die diesen Weg gingen. Jetzt feiern sie ihre Porzellanhochzeit.

Verliebt wie am Anfang

„Unsere Zweisamkeit genießen wir immer noch so wie am Anfang“, sagt Karl Botzang. Ein Riesenschritt sei das damals gewesen, bis er mit seiner Frau Heidi endlich verheiratet war.

„Aber ich würde sofort wieder heiraten, wenn ich die Wahl hätte“, sagt Karl. Beide Botzangs sind heute 60 Jahre alt und noch in den Inntal-Werkstätten beschäftigt. Unterstützung im Privaten erhalten sie nach wie vor von den Mitarbeitenden in der Stiftung Attl.

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Nicht nur vom Ambulant Betreuten Wohnen, sondern auch von Fachdienstleiterin Erika Dumler, die Paarberatung anbietet. Sie begleitete die beiden schon vor 20 Jahren auf dem Weg in die Selbstständigkeit und berät noch heute die Paare in der Stiftung Attl.

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„Es ist nicht alles Gold, was glänzt“, sagt Heidi Botzang, wenn sie ihre Ehe bilanziert. „Damit eine Ehe und das Zusammenwohnen funktionieren, müssen beide hart daran arbeiten. Am Anfang war es schon eine große Umstellung“, blickt sie zurück.

Die beiden lernten sich in der Stiftung Attl bei einem Entspannungskurs kennen. Schnell hat es dort gefunkt, auch wenn Karl zunächst noch abblockte. Er war sehr schüchtern und hatte Mühe damit, Nähe zuzulassen. Doch Heidi ließ nicht locker. Heute ist sie der Ruhepol der beiden und gleicht Karls Temperament aus. Aber sie wussten schon damals: Wir passen zusammen und wollen ein gemeinsames Leben aufbauen.

Heirat erst nach Probewohnen

Schon kurz nach ihrem Zusammenkommen tauschten sie 1995 Freundschaftsringe aus und zogen auf dem Gelände der Stiftung Attl in eine gemeinsame Wohnung mit Gruppenanschluss. Das Probewohnen sollte ihnen Gelegenheit bieten, zueinanderzufinden und die Beziehung im Alltag zu testen.

Begleitung und Unterstützung fanden sie bei Erika Dumler, der Fachdienstleiterin der Stiftung Attl. Sie berät Paare in allen Fragen von Sexualität und Partnerschaft. „Wir haben seither sehr viele Gespräche mit Erika Dumler geführt“, erzählt Heidi Botzang. „Wir wissen, dass wir Hilfe bekommen, wenn wir mal eine Krise haben.“ Und Karl ergänzt: „Ich kann jedem nur raten, dass man erst mal testweise zusammenzieht. Für mich war es eine sehr große Umstellung, dass ich mich beim Zusammenwohnen auf Heidi einlassen musste.“

Flitterwochen in der Türkei

Nach fünf Jahren erfolgreichem Probewohnen fand Heidi eine ruhige Wohnung in Wasserburg – ebenerdig mit Zugang zum Garten. Sie wagten den nächsten Schritt und zogen um. Und dann kam die Hochzeit im Juli 2001. Karl und Heidi Botzang sind das erste und bislang einzige Paar in der Stiftung Attl, das standesamtlich geheiratet hat. Und dass sie auch nach 20 Jahren noch glücklich zusammen sind, beweist, dass es damals der richtige Schritt war.

Das Hochzeitsauto vor 20 Jahren war ein schickes Mercedes-Cabriolet. Geheiratet wurde im Wasserburger Rathaus.

Schon allein mit der Hochzeitsfeier ging für die beiden ein Traum in Erfüllung. Noch heute ist Heidi ganz aufgeregt, wenn sie von ihrem großen Tag erzählt.

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Karls Onkel organisierte als Brautauto ein Mercedes-Cabriolet. Die Attler Gärtnerei, wo Heidi damals beschäftigt war, stellte den Blumenschmuck für das Hochzeitspaar. Freunde und Weggefährten backten für die Hochzeitsgäste Torten und sorgten für eine gelungene Feier – inklusive Hochzeitsstreich. „In unserem Schlafzimmer haben Freunde das Bett mit Klopapier umwickelt. Das war ein Chaos“, schüttelt Heidi heute noch lachend den Kopf.

Zur Feier kamen auch viele Gäste aus der Stiftung Attl - darunter der damalige Direktor Alfred Eiblmaier, der leider schon verstorbene Hans Miedl, damals Vorstand der Förderstiftung, sowie der damalige Wohnstättenleiter und spätere Vorstand Friedrich Seipel. Die Flitterwochen folgten ein Jahr später und führten die beiden in die Türkei, wo sie eine Rundreise machten.

„Streitbären“ helfen bei Konflikten

„Zwischen uns hat sich durch die Hochzeit eigentlich nichts verändert. Aber ich schätze sehr, dass wir endlich für uns sein konnten und seither selbstbestimmt wohnen“, sagt Karl Botzang.

Dabei knirscht es auch zwischen den beiden von Zeit zu Zeit – wie jedes Paar streiten sich auch Heidi und Karl hin und wieder, wobei es meist ums Putzen oder Einkaufen geht. Doch dafür haben Heidi und Karl ihre „Streitbären“, die sie von einer Betreuerin geschenkt bekamen.

„Immer wenn ich die Bären auf den Tisch stelle, weiß Karl, dass mich etwas ärgert. Und dann bleiben sie solange stehen, bis wir das geklärt haben“, sagt Heidi. Bisher konnten sie auf diesem Weg noch alle Unstimmigkeiten regeln und Lösungen finden.

In 5 Jahren ist Silberhochzeit

Jetzt steuert das Ehepaar der Silberhochzeit in fünf Jahren entgegen. „Ich freue mich, dass ich meinen Mann habe“, sagt Heidi. Große Pläne will sie zwar keine schmieden. „Es läuft dann doch immer anders.“ Aber gemeinsam alt werden, das fände sie schön. Ihr Mann Karl hofft, dass sie noch lange in der eigenen Wohnung bleiben können – solange es ihre Gesundheit zulässt. „Meine Heidi ist Gold wert.“

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