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Sepp Beck weckt mit Hits Emotionen und Erinnerungen

Heavy Metal und Popballaden im Gottesdienst: Ein Wasserburger rockt in Obing die Orgel

Spielt Rockklassiker wie „Stairway to heaven“ oder „A whiter shade of pale“ an der Orgel: Sepp Beck. Die Gottesdienstbesucher freut‘s.
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Spielt Rockklassiker wie „Stairway to heaven“ oder „A whiter shade of pale“ an der Orgel: Sepp Beck. Die Gottesdienstbesucher freut‘s.
  • VonChrista Auer
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Heavy Metal und Popballaden im Gottesdienst? „Passt prima“, findet Sepp Beck aus Wasserburg. Als Organist im Pfarrverband Obing lässt er die Orgel rocken. Nur an Weihnachten wird er ganz leise. „Stille Nacht“ ist sein Lieblingslied.

Wasserburg/Obing - „Er ist kein Langweiler, variantenreich, immer für eine Überraschung gut“– gemeint ist Sepp Beck, früher Keyboarder in Tanz- und Rockbands und mittlerweile seit rund 15 Jahren Organist und Chorleiter im Pfarrverband Obing. Die Vita lässt es schon erahnen: In Obing und Kienberg wird Kirchenmusik nicht nur alltäglich interpretiert und gern wird dabei über das traditionelle liturgische Liedgut hinausgeorgelt.

Ein Lächeln auf Gesichter zaubern

Im tiefsten Herzen ist Sepp Beck Rockmusiker und dementsprechend groovt es hier im Gottesdienst häufig mehr als andernorts. Ihm ist es wichtig, mit der Musik die Menschen anzusprechen und mit bekannten Hits Emotionen und Erinnerungen zu wecken. Rock und Pop könnten geistliche Musik inspirieren und dazu hat er jede Menge Lust. Bei der Kommunion und dem Auszug hat der Organist freie Musikwahl und dafür hat der gebürtige Straubinger ein breites Spektrum parat.

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 „Sepp Beck zeigt, dass liturgische musikalische Gestaltung mit modernen Stücken gut zusammenpasst und die Festlichkeit nicht verloren geht“, ist häufig von Kirchenbesuchern zu hören. Die Überlegung, was er denn da beim Orgelauszug gerade spielt – beispielsweise eine Improvisation ohne Vorlage, die an orientalische Schlangenbeschwörung erinnert – oder auch das Erkennen eines berühmten Rocksongs, zaubert häufig ein Lächeln auf ihre Gesichter. 

„Den meisten Kirchenbesuchern gefällt‘s“

Ob nun Eigenkomposition, Rockkracher oder Kreationen aus einem Mix verschiedener Musikstücke – sein Stil erfrischt. „Den meisten Kirchenbesuchern gefällt’s und die anderen sagen nichts“, lacht Beck verschmitzt. Generell mag es der ausgebildete Kirchenmusiker gerne klassisch: Bach, Mozart, Chopin sind die alten Meister seiner Wahl. Doch auch Whitney Houston, Deep Purple, Led Zeppelin und Co. stehen auf der Beck‘schen Playlist ganz oben.

„Stairway to Heaven“ an der Orgel

Arrangiert für die Orgel sorgen Titel wie „One Moment in Time“, „Stairway to Heaven“ oder „Highwaystar“ regelmäßig für berührende musikalische Momente im Kirchenraum. „Man kann fast alles auf der Orgel spielen“, sagt Beck. Viele der bekannten Rockklassiker seien perfekt für das imposante Instrument, das die Band ersetzen könne. Procol Harum beispielsweise sei bekannt für seine Liebe zur Klassik. Bis heute habe wohl kein anderer Song die Symbiose aus Klassik und Rock so fließend verkörpert wie „A Whiter Shade Of Pale“, dessen Orgel-Part an Johann Sebastian Bach angelehnt sei, schwärmt Beck.  Das sei aber nur ein Beispiel. Es gebe bei vielen Rockkompositionen Parallelen zur Klassik, beispielsweise in erkennbaren Spannungsbögen oder mehrteiligen Zyklen. Oft enthalte Rockmusik textlich intensive Bezüge zum Glauben und erreiche besonders viele Jugendliche.

C-Schein zum 50. Geburtstag

Zur Karriere als Kirchenmusiker kam Sepp Beck „ein bisschen wie die Jungfrau zum Kind“. Vor 20 Jahren habe ihn ein Notruf aus seiner ehemaligen Heimatgemeinde Soyen erreicht. Der Kirchenmusiker dort sei krankheitsbedingt ausgefallen und der Diakon habe ihn gebeten einzuspringen. Das sei für ihn als Keyboarder schon eine Herausforderung gewesen, denn der Orgelsatz mit vier Notenzeilen übereinander und entgegengesetztem Spiel von Händen und Füßen sei nicht gerade eine der leichtesten Übungen, erzählt der 66-Jährige. Er habe sich jedoch schnell zurechtgefunden und damit war der Weg für den kirchenmusikalischen Quereinsteiger geebnet. 

Auf Vorschlag des damaligen Soyener Pfarrers absolvierte er die zweijährige kirchenmusikalische Ausbildung an der Musikschule in Prien, die ihn auch zum Musikunterricht befähigt.  „Zum 50. Geburtstag habe ich mich mit dem C-Schein beschenkt und mein Hobby zum Beruf gemacht“, freut sich der ehemalige Verwaltungsangestellte am Bezirksklinikum in Gabersee. 

Musikalisches Multitalent

Musik habe immer eine wichtige Rolle in seinem Leben gespielt und ihm beispielsweise bei Konzertreisen mit der Kirchdorfer Oktoberfestmusik nach Japan oder China viele neue kulturelle Einblicke beschert.

 Als Neunjähriger wünschte sich Beck eine Ziehharmonika, weil er auch Tanzlmusik spielen wollte. Mit zwölf Jahren begann er zusätzlich Gitarre zu spielen, weil er ein großer Fan von Django Reinhardt war. Als 14-Jähriger bekam er eine Zither geschenkt und schloss sich der Soyener Saitenmusik an. Später war das musikalische Multitalent Mitglied verschiedener Bands. Davon sechs Jahre bei der Showtanzband „Allrounds“, später dann bei der Rockband „Little Red Rooster“. 

Fasziniert von „Stille Nacht“

Zu Weihnachten schlägt Sepp Beck gerne mal leisere Töne an. Obwohl er mit vielen Chorproben und Gottesdiensten in der „staden Zeit“ Hochsaison hat, bleibt er locker. „Da mach ich mir keinen Stress!“ Schließlich sei es ein schönes Erlebnis, wenn Schüler und Sänger was lernen wollten, sagt der Kirchenmusiker.

 Weihnachten wird für ihn erst am zweiten Weihnachtstag nach dem Gottesdienstmarathon besinnlich. Dann aber so richtig mit viel Zeit mit der Familie, gutem Essen und viel Musik. Er hört das volle Programm an Weihnachtsliedern, darunter auch viel traditionelles Liedgut. An „Stille Nacht“ fasziniert ihn, dass es überall auf der Welt für die Menschen eine tiefe Bedeutung habe. Auf seinen Reisen habe er erlebt, dass der Weihnachtsklassiker, beispielsweise in Costa Rica oder Mexico, schon lange vor dem Fest aus jedem Lokal erklinge. Sattgehört hat sich Sepp Beck bisher noch nicht, und so erklingt „Stille Nacht“ natürlich auch im Hause Beck bei der raschen Bescherung zwischen Kindermette und Abendmette. 

Zur Person

Name: Sepp Beck

Beruf: Verwaltungsangestellter, C-Kirchenmusiker

Geboren: 19. Februar 1956

Was gibt Ihrem Leben Sinn?

Dass ich eine liebe Familie habe. Wir haben großes Vertrauen zueinander. Meine Frau, unsere drei Kinder und die beiden Enkelkinder sind ganz tolle Menschen.

Wir unternehmen viel zusammen, wenn möglich auch gemeinsame Urlaube, in denen ich Kraft tanke und mich erholen kann.


Was können Sie nicht ausstehen?

Scheinheiligkeit und diese sehr verbreitete Doppelmoral. Beispielsweise in der Politik, Näheres dazu würde den Rahmen sprengen.


Was würden Sie gerne einmal tun?

Auf der weltgrößten Orgel im Passauer Dom spielen. Das wäre das Sahnehäubchen in meinem Leben.


Wann sind Sie schon an Ihre Grenzen gestoßen?

In der Musik, beispielsweise beim Versuch so zu spielen, wie der Keyboarder von Deep Purple. Das ist für mich einfach aussichtslos. Ich versuche es zwar immer wieder, aber…


Worauf sind Sie stolz?

Auf meine Familie, darauf, dass ich mein Hobby zum Beruf gemacht habe

und darauf, dass ich mit meiner Kirchenmusik die Gottesdienstbesucher immer wieder überraschen und begeistern kann. Und ich bin auch ein bisschen stolz auf meine Musikerkarriere, die mir Auslandstouren mit einmaligen Erlebnissen ermöglicht haben. 


Die zehn liebsten Weihnachtslieder

1. Stille Nacht

2. White Christmas

3. Mary did you know

4. Oh du fröhliche

5. Es ist ein Ros entsprungen

6. Merry Christmas

7. Nun freut euch

8. Tochter Zion

9. Maria durch ein ­Dornwald ging

10. Ein Stern strahlt

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