Chöre in und um Wasserburg dürfen nach Corona-Pause "Hallejuja" singen - oder andere Lieder

Der „Gospel Train“ in Fahrt bei einem Konzert 2020 in Mettenheim.
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Der „Gospel Train“ in Fahrt bei einem Konzert 2020 in Mettenheim.
  • vonRegine Falk
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Endlich wieder gemeinsam singen: Die Motivation hunderter Sänger rund um Wasserburg ist groß. Musikmachen im Homeoffice – das war für die meisten nur eine unzureichende Option. Jetzt können sie wieder auf laut stellen.

Wasserburg – „Singen verboten“ hieß es viele Wochen für alle Chorsänger in ganz Bayern. Nach ersten Lockerungen für Profimusiker vor einer Woche ist jetzt auch das Singen in Laienchören wieder möglich. „Oh Happy Day“ werden da die Gospelchöre in Wasserburg und Umland anstimmen wollen. Zwar müssen sie bei Proben – sofern die Chormitglieder teilnehmen wollen – strenge Schutz- und Hygienemaßnahmen einhalten. Doch die „kulturelle Seele Bayerns“, wie sie Kunstminister Bernd Sibler nennt, darf aufatmen.

Denn der von der Bayerischen Staatsregierung am 16. März 2020 ausgerufene Katastrophenfall ist mit Ablauf des 16. Juni 2020 aufgehoben worden. Am gleichen Tag gab das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst am Dienstag bekannt, dass Laienchöre wieder gemeinsam singen können.

Laienchöre waren nicht untätig

Damit dürfte es wieder fröhlicher werden in Wasserburg und Umland. Als vor etwa 3 Monaten alle Veranstaltungen abgesagt und sämtliche Treffen außerhalb des eigenen Hausstandes eingeschränkt wurden, ist es leise geworden in dem musikalisch so umtriebigen kleinen Städtchen. Doch leise bedeutet ja nicht Stillstand. Und so haben viele Laienchöre ihre eigene Strategie gefunden oder getestet, mit der Corona-Krise umzugehen.

„Wir singen aktuell daheim in der Dusche alleine, halten uns an die Allgemeinverfügung und freuen uns auf die Zeit nach Corona!“ heißt es auf der Homepage des „Circle of friends“ in Soyen.

Der „Circle of friends“ bei einem Benefizkonzert zugunsten der Björn Schulz Stiftung.

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Corprobe im Freien?

Noch vor den Lockerungen für Laienchöre gab es Überlegungen, mal im Freien zu proben. „Vielleicht ja in Edling am Stoa? Da müsste es von der Akustik her klappen, trotz Abstand“, sagt Gabi Freundl vom Chor-Management. Sie weiß, dass vielen Chormitgliedern das Miteinander sehr fehlt. Sie selbst war im März an Corona erkrankt, nach eigener Angabe zeitgleich mit ihrem Mann genau fünf Tage nach einer letzten Probe im Kirchenchor.

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Der Griesstätter Chor „La Cantara“ ist laut Manfred Huber seit Corona „daheim geblieben“ (mehr möchten seine Mitglieder gegenüber unserer Zeitung nicht sagen). Auch für den Bach-Chor in Wasserburg war es „eine schwierige Zeit“, sagt Angelica Heder-Loosli. Die Chorleiterin ist froh, dass es in ihren Sängerreihen bislang kaum Corona-Erkrankungen gegeben hat. „Ein Chor lebt von einem Miteinander und dass man zusammen singt, etwas Höheres vollbringt“. Das habe sehr gefehlt.

Jede Woche eine Mail an alle Mitglieder

Bis Pfingsten hat sie den etwa 60 Chormitgliedern jede Woche eine Mail geschickt mit Angeboten des Hamburger Chorverbandes mit einem Online-Kurs zum Blattsingen lernen. Um eine virtuelle Chorprobe vorzubereiten, hat sie Stücke aus dem Repertoire eingesungen und mitgeschickt. „Aber viele haben keinen Zugang zu Online-Geschichten“, so Heder-Loosli. Alleine vor dem PC zu singen, empfänden sie als frustrierend. „Die Sänger wünschen sich nichts sehnlicher, als wieder zusammen zu kommen.“

Ein Foto „aus glücklicheren Tagen“: Chorleiterin Angelica Heder-Loosli mit dem Wasserburger Bach-Chor beim letzten Konzert „vor Corona“ am 24. November 2019.

Deswegen hat sich die Chorleiterin ein Musikrätsel ausgedacht, um mit „ihren“ Sängerinnen und Sängern in Kontakt zu bleiben. Über eine „kreative Lösung“, wie eine Probe trotzdem stattfinden kann, hat sie oft nachgedacht. „Ich bin noch gespannt wie das Hygienekonzept der Regierung aussieht, das ja zur Bedingung gemacht wird, damit wieder gesungen werden darf“, so die Chorleiterin.

Letzte Chorprobe Anfang März

Zur Letzten Chorprobe der „Heaven Singers“ war Anfang März nur noch knapp die Hälfte der rund 100 Mitglieder gekommen, berichtet Chorleiter Christopher Rakau. Er beklagt die fehlenden Informationen von offizieller Stelle zu Beginn der Beschränkungen und auch die uneinheitlichen Regelungen. Während eine Outdoor-Chorprobe mit bis zu 50 Teilnehmern in München Mitte Mai in Ordnung gewesen sei, habe das Rosenheimer Landratsamt eine Chorprobe in Wasserburg unter freiem Himmel untersagt.

Die „Heaven Singers“ aus Wasserburg haben sich während der Beschränkungen über „Zoom“ ausgetauscht, angeleitet vom Chorleiter Christopher Rakau

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Den Kontakt mit den Sängerinnen und Sängern hielt der junge Musiker über Mail und die sozialen Medien aufrecht. Seiner Einladung zu einem digitalen Treffen vor einigen Wochen via „Zoom“ nahmen etwa 30 Chormitglieder teil. „Vor allem, um sich auszutauschen“, so der Leiter des großen Gospelchores in Wasserburg. Sorge bereitet ihm eher die Zeit, die es brauchen wird, die Gesangsstimmen wieder „aufzubauen“ und auch das soziale Miteinander in dem erst drei Jahre jungen Chor.

Kein Lied über WatsApp

Der Gospel-Train e.V. aus Gars stoppte seine Chorproben natürlich ebenfalls im März, aber noch vor der offiziellen Verfügung. Denn als im Volleyballverein erste Corona-Fälle aufgetreten sind, in dem Vereinsvorstand Roman Lanzl auch Trainer ist, war es vorbei auch mit dem Singen. Der Chorleiter (Tobias Schmidhuber) habe zwischenzeitlich zwei Stücke aufbereitet, damit die etwa 45 Chorsänger daheim proben könnten. Es sei auch probiert worden, ein Lied über WhatsApp einzusingen. „Das ist dann an der Uneinigkeit innerhalb des Chors gescheitert, wie perfekt das sein muss“, so Lanzl. Auch beim Garser Gospelchor gab es Überlegungen, einmal im Freien zusammen zu kommen, etwa am Sportplatz. „Ein Chor lebt vom zusammen singen“, so Lanzl.

Der „Gospel Train“ in Fahrt bei einem Konzert 2020 in Mettenheim.

Sorgen macht er sich nicht, dass der Chor, den es seit 42 Jahren gibt, bis zur nächsten erlaubten Probe in Kürze auseinanderfällt. „Dazu sind alle viel zu begeistert bei der Sache“.

Singen und die Aerosole

In Verruf gekommen ist das gemeinsame Singen – ob professionell oder nicht – Anfang April, als sich die Meldungen von Corona-Erkrankungen bei großen Chören in den USA, in Amsterdam, Berlin oder dem Bad Windsheimer Knabenchor häuften. Das Stichwort heißt: „Aerosole“. Die „Tröpfchenkerne“ werden durch Husten oder Niesen abgesondert, schweben besonders lange in der Luft und können Covid19 übertragen, vor allem in geschlossenen Räumen. Auch wenn es Kritik an dieser Annahme gibt sowie gegenteilige Studien, verweist das Robert-Koch-Institut (RKI) aktuell auf „weitere Studien“, welche schlussfolgerten, „dass Singen in der Gruppe Übertragungen begünstigen kann“.

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