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Handel im Wandel: Jetzt wird gewohnt

Stadtarchivar Matthias Haupt mit dem Plan des im 19. Jahrhundert veränderten Salzlagers mit Salzhandel in der Färbergasse. Burlefinger

Vielleicht nimmt man es beim Rundgang durch die Wasserburger Altstadt kaum mehr war, wenn aus alten Geschäftshäusern, manchmal ohne große Aufmerksamkeit, Wohnstätten mit Loftaussicht zur Innleiten werden. Diesen Wandel, der soziale Strukturen und deren Miteinander in einer Stadt beeinflusst, gibt es aber nicht erst in neuerer Zeit.

Wasserburg – Der diplomierte Stadtarchivar Matthias Haupt, ein versierter Kenner wenn es um die Historie der Innstadt geht, erzählte bei seiner Führung nicht nur Interessantes und Erstaunliches über die vielen Lagerkasten, Speicher, Niederlagen und Gräden – eine Beschreibung für Lagerräume, die es wohl nur in Bayern gibt – sondern auch etwas über die Vergangenheit vieler Häuser, die nicht immer die nötige Aufmerksamkeit erhalten, die sie eigentlich verdienen würden. Die in vergangenen Zeiten eine Bedeutung für die Bürger und den Handel hatten, die längst nicht mehr existiert.

Echte Wasserburger lernten etwas dazu

Viele Besucher, unter ihnen einige „echte Wasserburger“, warteten vor der Türe des Getreidekastens auf der Burg auf Matthias Haupt und sein Wissen. Wie hat sich die Stadt, wie haben sich ihre Gebäude im Laufe der Jahrhunderte dem Handel angepasst? Gerade der Getreidekasten – in der Schule hat man früher noch das Wort Zehentkasten gelernt – war ein wichtiges Gebäude zur Ernährung der regionalen Bevölkerung, der Landeshauptstadt München und bis hinaus nach Augsburg. Der Erbauer Wilhelm IV. wollte, dass die Raumnutzung dem Handel eine gute Grundlage gibt. Nur im Dach gab es eine Wohnnutzung für Amtspersonen. Mit einem Badhaus und einer Bäckerei. 1803, wusste Matthias Haupt, endete der ursprüngliche Bedarf für das Gebäude. Eine Anstalt für unerzogene Jungen war mal drin, später dann ein Gefängnis. Jetzt ist das Gebäude einfach nur da. Schade war, dass bei der Führung eine Innenansicht der Räume nicht möglich war. Und leid konnte einem der Stadtarchivar tun, wenn gerade wieder eine Gruppe Motorräder durch die Burg fuhr, deren Interesse hörbar nicht der Historie der Stadt galt, sondern dem lautstarken Klang des Auspuffes.

Interessant war es dann auch in der Färbergasse, die Geschichte des Hauses der Salzlagerung zu erleben. Bis ins 19. Jahrhundert hinein war dieses Gebäude am Allwang-Durchgang ein Handelshaus, eine Lagerstätte. Zum Schluss mit dem Wein- und Salzhandel Obermaier. Dann wurde es verkauft und zum Wohnhaus verändert. Es erhielt schon damals das heutige Aussehen. Große alte Fotos hatte Matthias Haupt dabei, mit denen er zeigte, wie der Wandel vom Handel zum Wohnen optisch die Architektur des Hauses veränderte. Nicht zum Vorteil seiner ursprünglichen Ausstrahlung, wie die Gäste der Führung meinten.

Haus Nummer 183 ist ein Speichergebäude und noch fast original

Eines der ältesten noch unsanierten Gebäude in der Wasserburger Altstadt ist ein Haus, das in einem alten ersten Stadtplan aus dem Jahr 1615 noch die Nummer 183 hat. Heute und seit vielen, vielen Jahren ist es die Fletzingergasse 6. Ein altes Speichergebäude, mit überbauten Resten der alten Stadtmauer. Das Gesamtgebäude, fast im Original erhalten mit wenigen Veränderungen, ist ein durchgehendes Haus. Vorne in der Salzsenderzeile mit der Wohnnutzung und früher einem richtigen Wirtshaus für die Bürger der Stadt. Hinten raus mit einer Brauerei und einem Malzlager. Genutzt wurde es zeitweise noch als Stall und Wagenremise. Was wird aus dem Gebäude werden, wenn der Dornröschenschlaf einmal endet?

Außerhalb der Stadtmauern, im Schwemmland des Inns, waren mehrere große Lager. Eines davon war der Salzstadel am heutigen Kaspar-Aiblinger-Platz. Im Urzustand erdgeschossig, mit einem spitzen Pultdach, diente es der Salzlagerung. Große Tore machten die direkte Durchfahrt zum Abladen der Salzscheiben möglich.

Der Handel blühte, die Lagerflächen wurden knapp

Es gab damals Zeiten in Wasserburg, wie Matthias Haupt wusste, da wurde der Lagerplatz knapp. Private Lagerräume mussten her und die Innenseite der Stadtmauer wurde zur Rückseite von Lagern. Der Handel blühte und die Zünfte aus Wasserburg und München organisierten in „gegenseitiger Absprache“, wie man heute sagen würde, den Transport der Waren durch die Stadt und von der Stadt hinaus. Im 19. Jahrhundert erhielt das Gebäude in etwa das Aussehen von heute. Aus einer stattlichen Lagerstätte wurde der mehrstöckige Zweckbau, der eine zeitlang noch zur Trocknung für Hopfen genutzt wurde und 1866 eine Umnutzung erhielt. Lange Zeit, wie man so weiß, als Kaserne. Heute beherbergt er die Polizeiinspektion und unter anderem auch eine evangelische Religionsgemeinschaft.

Zum Schluss führte der städtische Archivar seine interessierten Besucher noch zum Rathaus. Erstanden als große Gebäudestruktur, mit schmucken Sälen und Räumen, mit einer beinahe protzigen Fassade, die von der Vergangenheit der einstmals reichen Innstadt und ihrer Aufsichtsfunktion für den Handel erzählt.

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