Haft für Diebe von Bootsmotoren

Traunstein/Chiemsee - Drei junge Rumänen fuhren am 29. Oktober 2012 nachts gegen 3 Uhr auf der A 8 in Richtung Heimat. Angeblich weil die Sicht aufgrund des Wetters mit Schneetreiben schlecht war, verließen sie die Autobahn und entschieden sich für eine Route um den Chiemsee.

In Gstadt kam ihnen eine "spontane Idee": an einem Steg an der Seepromenade Bootsmotoren zu klauen. Der zunächst erfolgreiche Beutezug endete schnell - durch eine Schleierfahnderkontrolle kurze Zeit später auf bayerischer Seite der Autobahn in Richtung österreichischer Grenze. Alle Täter wanderten in Untersuchungshaft.

Auf Berufung gegen das Ersturteil des Amtsgerichts Laufen rollte die Jugendkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Dr. Klaus Weidmann den Fall jetzt von vorne auf. Das Ergebnis: Ahndung nach einem anderen Paragrafen, mildere Strafen und aufgehobene Haftbefehle.

Die Diebe waren in jener Nacht an einem Steg aktiv, der ausschließlich den Insulanern von Frauenchiemsee und ihren Booten vorbehalten ist. Das Gericht verlas die Aussage eines Geschädigten, der seit gut vier Jahren auf der Fraueninsel wohnt. Mit einem alten Fischerboot pendelt der 53-Jährige zwischen der Insel und dem Festland.

Als er morgens zu seinem Anlegeplatz kam, fehlte der im Frühjahr 2011 erworbene Außenbordmotor seines Boots, ebenso der Benzinschlauch. Eine besondere Diebstahlsicherung hatte der Bootseigner nicht angebracht. Der Motor war nur mit Flügelschrauben befestigt.

Die Angeklagten verstauten den ersten Motor im Kofferraum ihres Pkw. Das Trio stellte dann fest, es wäre noch Platz für einen zweiten Motor und machte sich noch mal ans Werk. Der Gesamtwert der Beute betrug 3000 Euro. Die teils vorbestraften Angeklagten im Alter zwischen 21 und 23 Jahren räumten die Vorwürfe von Staatsanwalt Martin Unterreiner ein und beteuerten ihre Reue.

Eine Vertreterin der Jugendgerichtshilfe beleuchtete Kindheit und Jugend der beiden inzwischen 21 Jahre alten Angeklagten, die zur Tatzeit juristisch noch Heranwachsende waren. Beiden attestierte Sabine Heimhilger vom Kreisjugendamt Traunstein gewisse Reifeverzögerungen und eine positive Sozialprognose. Einer sollte dennoch nach dem Erwachsenenstrafrecht, der andere nach dem Jugendstrafrecht behandelt werden.

Das Jugendschöffengericht Laufen hatte die Rumänen am 12. März wegen schweren bandenmäßigen Diebstahls zu Erwachsenenstrafen zwischen 20 und 14 Monaten verurteilt.

Zwei der Verteidiger, Kerstin Sedlmaier-Daubner aus Bad Reichenhall und Stefan Probst aus Teisendorf, betonten, ihre Mandanten hätten sich nicht vorher verabredet zu den Diebstählen, seien auch nicht Teil einer Bande, die tatsächlich in dem damaligen Zeitraum rund um den Chiemsee Bootsmotorendiebstähle verübt habe.

Vielmehr seien die Männer mit großen, letztlich nicht erfüllten Erwartungen von Rumänien zu einer Reise durch mehrere Länder Europas aufgebrochen. Um nicht mit leeren Händen heimzukommen, hätten sie die Motoren entwendet. Diese hätten wenigstens einige hundert Euro bringen sollen. Die Anwälte forderten Jugend- beziehungsweise Erwachsenenstrafen von acht Monaten und von einem Jahr, jeweils zur Bewährung ausgesetzt.

Der Verteidiger von einem der heute 21-Jährigen, Hans Hafner aus Berchtesgaden, kritisierte den Bericht der Jugendgerichtshilfe. Statt dem darin empfohlenen Erwachsenenrecht sei Jugendrecht bei seinem Mandanten anzuwenden. Ein "schwerer Bandendiebstahl" sei keinesfalls anzunehmen, vielmehr "einfacher Diebstahl in Mittäterschaft". Auf einen konkreten Strafantrag verzichtete Hafner. Der noch immer inhaftierte 21-Jährige sei sofort auf freien Fuß zu setzen.

Eine "Spontantat im Sinne des Wortes" schloss Staatsanwalt Martin Unterreiner aus. Man wisse nicht, was auf der Reise sonst bereits geschehen sei oder noch geplant war. Deshalb sei lediglich gemeinschaftlicher Diebstahl nachzuweisen. Beim Thema "Jugend- oder Erwachsenenrecht" sehe er bei beiden 21-Jährigen keine zwingenden Argumente für Jugendstrafrecht, so der Ankläger.

Angesichts des geänderten Straftatbestands könnten die Strafen bei allen etwas gesenkt werden - auf 15 Monate ohne Bewährung für zwei der Täter und zehn Monate mit Bewährung für den dritten.

Die Jugendkammer sprach für einen 21-Jährigen einen vierwöchigen Dauerarrest aus, der durch die Untersuchungshaft als verbüßt gilt. Ein gleichaltriger Mann erhielt eine Jugendstrafe von sieben Monaten und zwei Wochen, der 23-Jährige eine Erwachsenenstrafe in gleicher Höhe.

Vorsitzender Richter Dr. Klaus Weidmann erinnerte an die Europareise. Anhand einer Landkarte hätte das Trio den Entschluss gefasst, am Chiemsee aus der Autobahn zu fahren, um gezielt Bootsmotoren zu stehlen: "Es war keine Spontantat wie etwa, im Supermarkt wegen Hungers eine Wurst mitzunehmen. Sie hatten vielmehr vorher einen gemeinsamen Tatentschluss gefasst." Die Motoren hätten "dank des segensreichen Wirkens der Polizei" den Eigentümern unbeschädigt zurückgegeben werden können. kd

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