„Habt‘s ihr g‘schmust?“ – fragt er nicht, der „Corona-Detektiv“ Georg Schmaderer vom Ordnungsamt Wasserburg

Besser als die geplante Corona-Tracking-App? Georg Schmaderer vom Ordnungsamt Wasserburg, der gemeinsam mit zwei Kolleginnen das Gesundheitsamt unterstützt, Kontaktpersonen von an Covid19-Erkrankten zu informieren und aufzuklären. Wer länger als 15 Minuten von Angesicht zu Angesicht mit einem Infizierten geratscht hat, von ihm angehustet, angeniest oder geküsst wurde, gilt als „Ansteckungsverdächtiger“ oder „Krankheitsverdächtiger“ und muss in häusliche Quarantäne.
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„Habt‘s ihr g‘schmust?“, das fragt er nicht, der „Corona-Detektiv“ aus dem Wasserburger Rathaus. Georg Schmaderer, Mitarbeiter des Ordnungsamtes Wasserburg, verstärkt seit Ostern das Gesundheitsamt Rosenheim im Kampf gegen die Ausbreitung der Covid19-Pandemie. Dabei klappern er und sein Team telefonisch oder via eMail die Listen der Kontaktpersonen ab, die mit einen nachweislich Infizierten zusammentrafen.

Von Andrea Klemm

Wasserburg – Gemeinsam mit zwei Kolleginnen bearbeitet er im Wasserburger Rathaus die Liste der Kontaktpersonen von Menschen, die nachweislich infiziert sind und sich schon in Haus-Quarantäne befinden. „Jeder, der positiv getestet wurde, ist beim Gesundheitsamt registriert und bekommt ein Schreiben, er möge seine Kontaktpersonen benennen. Die telefonieren wir dann alle ab und klären, wie eng der Kontakt war und ob eine häusliche Quarantäne erforderlich ist“, erzählt Schmaderer im Gespräch mit der Wasserburger Zeitung.

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Der Kreistag Rosenheim hatte angeregt, die Kommunen sollen das Gesundheitsamt bei dieser wichtigen Aufgabe unterstützen. Durch die Ermittlung der Kontaktpersonen und Gespräche mit ihnen, soll die Ausbreitung des Covid19-Virus weiter verlangsamt werden. „Bei der Menge an Erkrankten war das für das Amt nicht mehr zu stemmen. Jetzt helfen auch Lehrer mit oder wie bei uns, Finanzbeamte auf Fortbildung, deren Unterricht auch gerade pausieren muss“, berichtet Schmaderer.

Was heißt „enger Kontakt“?

Bei den Telefonaten handelt das Team nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und hält sich an die Allgemeinverfügung für begründete Verdachtsfälle im Zuge des Infektionsschutzgesetzes, die das Landratsamt Rosenheim fortlaufend aktualisiert. So seien Fragen wichtig, wie „Hatten Sie mindestens 15 Minuten Face-to-Face-Kontakt mit dem bestätigten Covid19-Erkrankungsfall?“ Oder wurde man angehustet oder angeniest, gab es direkten Kontakt zu Sekreten (darunter fiele auch das Küssen)? Denn dann gilt man als „Ansteckungsverdächtiger“ oder „Krankheitsverdächtiger“ und muss in häusliche Quarantäne.

Bestätigung für Arbeitgeben zum vorlegen

Betroffene, die sich dann vorsorglich in die Isolation begeben müssen, bekommen auch vom Gesundheitsamt eine Bestätigung für ihren Arbeitgeber.

Ein Teil der Corona-Erkrankten in Hausquarantäne meldet sich von sich aus, um die Namen all jener anzugeben, mit denen sie Begegnungen hatten und die sich auch angesteckt haben könnten. Beim Rest telefonieren Schmaderer und die Kolleginnen hinterher.

Befragte fühlen sich nicht ausgespäht

„Bis jetzt sind die Rückmeldungen durchwegs positiv. Überwacht oder ausgespäht fühlt sich durch diese Maßnahme keiner“, sagt Schmaderer auf Nachfrage. Peinliche Fragen werden ohnehin nicht gestellt. Also, ob sich Zwei etwa geknutscht haben. „Wenn jemand mit seinem Freund zusammenwohnt, reicht mir die Aussage, dass sie in häuslicher Gemeinschaft leben“, sagt Schmaderer schmunzelnd. Indiskret gehe es mitnichten zu, versichert er. Man sei schließlich auf die Mitarbeit der Leute angewiesen.

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In Zeiten des Online-Datings – sofern es nicht bei einem Internetchat bleibt – sollten die Kontaktpersonen den Namen des Dates angeben, appelliert er.

Durch Kontaktsperre ist Liste übersichtlicher geworden

Durch die Ausgangsbeschränkungen der vergangenen Wochen seien die meisten Menschen daheim und haben wenig Gelegenheit, andere Menschen zu treffen und sich im schlimmsten Fall gegenseitig anzustecken. Die Kontaktsperre greife also, das sehe man auch an den Listen, die abgearbeitet werden. Die seien inzwischen übersichtlicher – im Vergleich zum Beginn der Maßnahme vor einigen Wochen.

„Wir tun mehr als die Tracking-App, die kommen soll“, erklärt Schmaderer weiter. Denn die Menschen werden nicht nur informiert, dass sie Kontakt zu einem Infizierten hatten. „Wir suchen das Gespräch, fragen die Symptome ab, erfahren, wenn sich der Zustand verschlechtert und erklären, aus welchen Gründen, sich eine Quarantäne verlängert“, so der „Corona-Detektiv“.

Haben Sie Symptome?

Besprochen werden die Symptome Husten, Schnupfen, Fieber, Kurzatmigkeit, Störungen des Geschmacks- und Geruchssinn, Muskel- Gelenk, Kopf- oder Halsschmerzen. Die Quarantäne dauert 14 Tage – gerechnet ab dem Zeitpunkt, an dem man die erkrankte Person in zu geringem Abstand getroffen hat. Vor Ablauf der Quarantänephase müssen die letzten 48 Stunden symptomfrei sei.

„Wir bleiben in Kontakt und haken nach. Wenn alles passt, können die Leute ihre Haus-Quarantäne beenden. Wenn aber doch Symptome auftreten, werden die 14 Tage ab diesem Tag an gerechnet.“

Wichtig sei auch zu erfahren und dem Gesundheitsamt zu melden, wenn ein Risikopatient Symptome zeige und ihn aufzufordern sich telefonisch an den Hausarzt zu wenden oder die 116117 anzurufen, um das weitere Vorgehen – ob ein Test nötig ist oder nicht – abzuklären. Ganz generell: Wenn sich die Symptome bei den Leuten auf der Liste verschlechtern, wird auch so verfahren.

Schmaderer erinnert: Auch wenn die Quarantäne ereignislos verläuft und man nicht krank wird, heißt das nicht, dass man sich nicht mehr anstecken könnte. „Man muss auch dann wachsam bleiben.“

STICHWORT CORONA-APP

Die Funktionsweise der Corona-Tracking-App ist vergleichsweise simpel. Die App erfasst im Hintergrund andere Smartphones in unmittelbarer Nähe auf Basis von Bluetooth. Dabei erfasst die App nur eine ID. Die Speicherung erfolgt lokal. Gibt nun ein Anwender der App die Information, dass er infiziert ist, so kann das System jene anderen Nutzer benachrichtigen, die sich in den vergangenen Tagen in unmittelbarer Nähe zu dem Smartphone des Infizierten aufgehalten haben. Welche Kompromisse beim Datenschutz nötig sind, ob die App im Mai kommt und wie sinnvoll sie ist, wenn sie auf Freiwilligkeit setzt, ist noch offen.

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