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„Haben noch kein Grundwasserproblem“

Edlings Bürgermeister Matthias Schnetzer freut sich, dass es in der Gemeinde keinen kommunalpolitischen Brennpunkt gibt.  Klemm
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Edlings Bürgermeister Matthias Schnetzer freut sich, dass es in der Gemeinde keinen kommunalpolitischen Brennpunkt gibt. Klemm

Edling – Auch ohne Termin können die Edlinger beim Bürgermeister vorsprechen.

Matthias Schnetzer (CSU) ist ein Rathauschef, der den Einwohnern auf Augenhöhe begegnet. Im Interview mit der Wasserburger Zeitung erläutert er, mit welchem Selbstverständnis er sein Amt ausfüllt – und was in Edling 2019 die wichtigsten Themen sind.

Heuer ist ja wieder Faschingzug in Edling. Haben Sie schon ein Kostüm und sind Sie eigentlich dabei beim Faschingszug?

Ja freilich bin ich dabei. Kostüm hab ich noch keines. Bei der Ausrichtung des Faschingszuges wechseln wir uns ja mit der Stadt Wasserburg ab. Einmal macht es Wasserburg, einmal Edling. Dieses Konzept hat sich in den vergangenen 20 Jahren gut bewährt. Früher war es eine Parallel-Veranstaltung, das war eher schlecht. Ich bin beim Umzug oben auf einem Gerüst und moderiere das Ganze – zusammen mit Wolfgang Schmidt aus der Stadt Wasserburg. Die Wägen stehen alle auf meiner Liste und haben verschiedene Motti, die wir erklären. Wir machen auch die Prämierung. Für die drei besten Wägen und die drei besten Fußgruppen gibt es Preise.

Aber irgendein Kostüm werden Sie doch tragen, oder?

Ich muss mal schauen, ob ich in meinem Fundus noch was habe, was mir passt. Und auch nachdenken, was ich die letzten Jahre anhatte.

Als was sind Sie denn gegangen in den vergangenen Jahren?

Ich war schon mal ein Clown und auch mal a Wuidara.

Glauben Sie denn, dass die Edlinger Narren auch kommunalpolitische Aspekte thematisieren?

Nein, die Edlinger sind eher unpolitisch. Es gibt auch kommunalpolitisch jetzt keinen Brennpunkt. Wahlkampf haben wir noch nicht. Außer das Thema Wasser mit Meggle gibt es eigentlich nichts, was uns so richtig unter den Nägeln brennt. Es gibt auch kein Dauer-Streitthema im Gemeinderat.

Sie sagten es ja schon, das aktuelle Thema sei das Grundwasserproblem. Wie geht es hier weiter im Bemühen um eine Lösung?

Wir haben noch kein Grundwasserproblem! Es ist folgendermaßen: Die Firma Meggle hat östlich vom Gemeindegebiet zwischen Edling und Reitmehring einen bestehenden Brunnen, den sie seit Jahrzehnten betreibt. Da fällt Ende 2019 das Wasserschutzgebiet weg. Vor zwei Jahren hat das Unternehmen begonnen, westlich neben dem Gemeinde-Brunnen Probebohrungen zu machen zur Erschließung eines neuen Brunnens. Da kam diese ganze Thematik auf. Kritik wurde laut. Meggle benötigt 2,5 Millionen Kubikmetern Wasser im Jahr, Edling 500  000 Kubikmeter. Die Sorge ist, dass es mittelfristig für das Grundwasser der Gemeinde Folgen haben könnte.

Aber Sie sagen, noch gibt es kein Problem?

Noch nicht. Wenn man aber die trockenen Sommer anschaut, etwa 2003 oder auch den im vergangenen Jahr – da ist der Grundwasserspiegel schon gesunken. Aber noch nicht existenziell bedrohend. Es hat sich auch eine Interessensgemeinschaft für das Edlinger Wasser gebildet. Die Gemeinde arbeitet mit ihr und auch mit der Firma Meggle eng zusammen. Wir sind in einem sehr guten Dialog. Das Ganze wird uns noch die nächsten Jahre beschäftigen.

Die Firma Meggle setzt ja auch auf Wassersparen.

So ist es. Man ist bemüht um Einsparungen. Und denkt auch über einen zweiten Brunnen nach, sodass nicht alles aus Edling kommt. Jetzt hängen sie ja an einer Leitung nur an Edling. Wenn wirklich mal Engpässe oder Wasserprobleme auftreten, dann steht die ganze Produktion still.

Wen versorgt Edling noch?

Edling hat eines der größten Grundwasser-Reservate. Wir versorgen nicht nur unsere Gemeinde, sondern auch Ramerberg und Teile der Stadt Wasserburg – bis nach Attel. Wir haben einen Vertrag mit der Gemeinde Ramerberg, die wir zu hundert Prozent versorgen. Und auch Teile von Reitmehring-Süd. Reitmehring-Nord deckt ja die Firma Meggle ab. Das Unternehmen hat jetzt ein Ingenieurbüro beauftragt, um zu eruieren, ob man etwa fürs Kühlen das gute Trinkwasser braucht, und welche Wasserqualität in welchen Mengen benötigt wird.

Welche Themen gibt es noch, die den Edlinger Gemeinderat bewegen?

Wir haben die dritte Ausbaustufe in Sachen Breitband auf den Weg gebracht (wir berichteten, Anm. d. Red.), das heißt die „weißen Flecken“ in der Gemeinde werden abgedeckt. Kostenpunkt: 908  000 Euro. Im Verhältnis zu den wenigen Anschließern ist es sehr teuer. Es wird aber auch mit 80 Prozent gefördert. Es ist eine Investition in die Infrastruktur für die nächsten Jahrzehnte.

Sind dann alle Anwesen abgedeckt?

Es gibt noch ein, zwei Häuser, die können technisch nicht angeschlossen werden. Die müssen mit der Funklösung arbeiten. Aber die Versorgung liegt im Gemeindegebiet bald bei 98 oder 99 Prozent. Wir haben auch beschlossen, dass die Schule ans Glasfasernetz angeschlossen wird. Das schlägt mit etwa 53 000 Euro zu Buche.

Geschieht das im Rahmen der Digitalisierungsoffensive für die Schulen?

Ja. Und wir sind da schon gut dabei an der Schule. Wir haben das Smartboard und Dokumentenkameras. Aber wenn der Anschluss schon gefördert wird – von 53 000 Euro bekommen wir 80 Prozent – dann sollte man da mitmachen.

Die Gemeinde steht , was schnelles Internet betrifft, also gut da.

Vor fünf, sechs Jahren, als wir mit dem Ausbau angefangen haben, konnte davon noch keine Rede sein. Jetzt sind wir durch. Was die Politik und der Bund in Zukunft vorhaben, kann man nicht sagen. In Deutschland herrscht da ein bissl ein Durcheinander: Jedes Bundesland wurschtelt vor sich hin, der Bund legt nochmal eins drauf.

Welche Themen gilt es heuer in Edling anzupacken?

Wir bauen für eine halbe Million Euro einen neuen Kanal nach Reitmehring rüber. Da steht ja unsere Pumpstation. Gemeinsam mit Wasserburg und Eiselfing betreibt Edling die Kläranlage in Wasserburg. Vor 30 Jahren haben wir miteinander gebaut. Unser Abwasser von Edling wird größtenteils gepumpt. Vor zwei Jahren haben wir die neue Pumpstation bei der Firma Meggle in Betrieb genommen. Nur unser Kanal dort rüber ist an der Kapazitätsgrenze. Da wollen wir 2019 einen zweiten dazu bauen. Durch die Erschließung der Außenbereiche und weil Edling auch wächst, wurde das Abwasser mehr. Der Großteil geht nach Wasserburg und ein kleiner Teil im Süden nach Ramerberg, wo wir beteiligt sind. Wäre ja ein Wahnsinn, wenn man von Atteltal nach Wasserburg pumpt, wenn Ramerberg vor der Haustüre ist.

Edling wächst, ist ja auch ein Zuzugsort.

Ganz massiv spüren wir den Siedlungsdruck, speziell aus dem Münchner Umland. Da geht es Pfaffing und Albaching nicht anders. Oder Wasserburg. Die Münchner drücken raus. Ist natürlich eine preisliche Geschichte. Unser Bauland ist noch bezahlbar. Aber Bauland zu schaffen, wird immer schwieriger. Landwirte geben den Grund nicht mehr gerne her – wenn du nicht eine Tauschfläche im Verhältnis 1:2 oder 1:3 anzubieten hast. Glücklicherweise konnten wir von zwei Landwirten was kaufen und schaffen so 15 Parzellen. Der Bebauungsplan ist rechtskräftig.

Wann geht’s los?

Im Herbst. Die Vergabe erfolgt im Einheimischenmodell. Für 15 Bauplätze sind schon 50 Bewerbungsunterlagen abgeholt worden. Da bin ich nicht bange, verbetteln brauchen wir die Parzellen nicht. Der Quadratmeterpreis von 220 Euro wurde bewusst niedrig gehalten. Es ist quasi der Selbstkostenpreis – damit Familien sich das leisten können. Ein Grundstück behält sich die Gemeinde, um im sozialen Wohnungsbau tätig zu werden.

Wie groß wird dieses Bauvorhaben?

Ein Vier- bis Sechsfamilienhaus ist angedacht. Wir sind überzeugt: Wenn jede Gemeinde ein bissl was tut, dann entlasten wir den Mietmarkt. Der explodiert ja.

Welches Thema liegt Ihnen persönlich besonders am Herzen?

Meine Steckenpferde sind Schule, Kindergärten und Senioren. Das hat bei mir Priorität. Aufgewachsen bin ich mit vier Geschwistern, ich bin der Zweitälteste. Ich wurde auch dementsprechend erzogen von meinen Eltern. Ich habe zwei Söhne. Mein inzwischen verstorbener Vater war ja von 1974 bis 1996 ebenfalls Bürgermeister hier.

Die Schnetzers sind also eine Bürgermeister-Dynastie?

Nein, nein (lacht). Zwölf Jahre dazwischen gab es jemand anderen. Mein Vater hat sich übrigens nie eingemischt. Aber ich hab ihn ab und zu gefragt.

Eine Kindergartenerweiterung steht auch an. Wie weit ist Edling bei diesem Thema?

Das dauert noch. Platzmäßig ist eine Erweiterung nur an der Schatztruhe möglich. Nötig ist sie, weil die Betreuungszeiten immer länger werden und Mittagessen gefordert wird. In der Schule gibt es in der Mensa 140 Mittagessen am Tag. Der Bedarf nimmt zu. Weil beide Eltern berufstätig sind. Wir haben auch Kinder, von denen weiß man, dass sie nichts Gescheites zum Essen kriegen. Sie bekommen keine richtige Brotzeit mit in die Schule. Denen greifen wir unter die Arme. Unser Mittagessen wird auch gefördert.

140 Essen – das ist eine Hausnummer.

In der Tat. Wir haben eineinhalb Angestellte. Und von der Masse her ist unsere Mensa an der Kapazitätsgrenze. Bei uns isst die ganze Schule und einer der drei Kindergärten. Bei einem bauen wir gerade eine Küche ein und einen Jugendraum.

Sie wollen die Erweiterung des Kindergartens jetzt nicht mehr auf den Weg bringen?

Wie das gemacht wird, soll der neue Gemeinderat entscheiden.

Kandidieren Sie wieder?

Ich will da nicht vorgreifen. Warten wir auf die Fraktion (schmunzelt).

Blickt man auf Edling, scheint hier Zufriedenheit zu herrschen.

Die Infrastruktur passt. Wäre das Vereinsleben nicht intakt, kämen andere Aufgaben auf die Gemeinde zu. Wir haben auch eine sehr gute Jugendarbeit in sämtlichen Vereinen. Ich kann mich nicht beschweren. Unsere Finanzen passen. Man darf ja auch mal zufrieden sein.

Was sind Sie für ein Typ im Amt?

Ich bin eher der Typ der leisen Töne. Man muss zuhören können, was ich auch erst lernen musste. Man wird auch mal von dem einen oder anderen angegangen. Das darf man nicht zu persönlich nehmen. Fest steht: Auch ein Bürgermeister macht Fehler. Wichtig ist, Ärger nicht mit nach Hause zu schleppen. Ab und zu ist das Amt auch sehr anstrengend. Es gibt Wochen, in denen es heftig wird mit Abendterminen, dann gibt man sich daheim nur die Klinke in die Hand. Meine beiden Stellvertreter übernehmen jedoch viele Versammlungen und Termine. Ich muss nicht immer überall sein und auch nicht der Letzte, der heimgeht.

Wie starten Sie Ihren Tag im Rathaus?

Ich bin jeden Tag schon vor 7 Uhr hier. Ich fahre meinen Sohn noch zur Bushaltestelle und dann hab ich von 7 bis 8 Uhr Ruhe, weil noch keiner da ist und das Telefon nicht klingelt. Ich mache mir einen Tagesplan – der meistens um 10 Uhr schon nicht mehr passt (lacht). Ab 8 Uhr ist Parteienverkehr. Man braucht nicht immer einen Termin, wenn man zu mir will. Manche kommen einfach so rein. Meine Wasserburger Zeitung hab ich meistens schon daheim um 6 Uhr gelesen. Fällt mal der Träger aus und die Zeitung ist nicht da, geht mir was ab.

Interview: Heike Duczek,

Andrea Klemm

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