Haags Pfarrer Idkowiak zur Corona-Zeit: „Darauf besinnen, was im Leben zählt“

Messen alleine und ohne die Gläubigen zu halten, war für Haags Pfarrer Pawel Idkowiak „persönlich nicht leicht“.
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Messen alleine und ohne die Gläubigen zu halten, war für Haags Pfarrer Pawel Idkowiak „persönlich nicht leicht“.

Die Corona-Krise brachte in den vergangenen Monaten auch für die Kirchen in der Region um Wasserburg große Veränderungen. So auch für den katholischen Pfarrverband Haag. Pfarrer Pawel Idkowiak sieht trotz der Gefahren durch das Corona-Virus Chancen für die Gemeinschaft der Gläubigen.

Von Johanna Furch

Haag – Gottesdienste gab es nur noch übers Fernsehen oder per Internet-Übertragungen, Beerdigungen fanden im kleinen Kreis statt und auch Erstkommunion und Firmung mussten verschoben werden. „Nach dem Ausnahmezustand in den vergangenen Monaten wegen der Corona-Pandemie kehrt jetzt langsam wieder Normalität ein“, freut sich Pfarrer Pawel Idkowiak. Dennoch heiße es jetzt, behutsam, vorsichtig und langsam den Weg zur Normalität zu gehen.

Sich nicht von der Angst leiten lassen

„Aber sich dabei nicht von der Angst leiten lassen, denn Angst ist etwas, das uns in die Enge führt und lähmt, so der Geistliche. Die schwierige Phase sei für alle Seiten keine leichte Erfahrung gewesen, da sei er sich sicher. „Wir alle hatten aber die Möglichkeit, darüber nachzudenken, was im Leben zählt und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Auch das Christentum bedeute Hoffnung“, betont der Pfarrer. „Gott lässt etwas zu, aber er macht es nicht absichtlich. Wenn etwas passiert, nehme ich es an und mache das Beste daraus im Vertrauen auf Gott.“

Die Corona-Auszeit gut genutz

Die Corona-Auszeit habe er genutzt, um das Pfarrarchiv zu ordnen und zu strukturieren. Auch Besuche mit Mund-Nasen-Schutz und Abstand seien möglich gewesen, wenn Menschen krank waren oder ein Gespräch gesucht haben, so Idkowiak. „Zudem gab es regelmäßig Gottesdienste im Bürgerheim St. Kunigund, die den Bewohnern live per Video auf ihre Zimmer übertragen wurden.“

Pfarrer betroffen von Stimmung im Pfarrverband

Eine leichte Zeit sei es für ihn persönlich nicht gewesen, ab Mitte März die Messen alleine und ohne die Gläubigen zu halten. „Zu dem Zeitpunkt wurde unser Pfarrverband angewiesen, bis es bis auf Weiteres aufgrund der Infektionsgefahrkeine öffentlichen Gottesdienste mehr geben darf“, erinnert sich Pfarrer Idkowiak. Im ersten Schritt habe der Pfarrverband auf seiner Website jeden Sonntag einen Impuls anstatt einer Predigt vorbereitet. „Das Ordinariat München wies die Gemeinden allerdings auf ein professionell gestaltetes Angebot aus München und Umgebung hin und bat darum, von eigenen abzusehen. Deshalb hielten wir uns auch in Haag in diesem Punkt zurück.

Besonders an Ostern machte Pfarrer Idkowiak die Stimmung in der Pfarregemeinde betroffen, wie er im Gespräch mit der Wasserburger Zeitung betonte. Es fehle etwas, wenn die Gläubigen nicht zusammenkommen können. Zwar habe er gemeinsam mit den Mesnerinnen aus den fünf Pfarreien die Osterkerzen gesegnet, aber „die Messe ist ein Dialog“. Und dafür brauche es die Kirchengemeinde, die nach den strengen Auflagen nicht an der Messe teilnehmen konnte.

Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat blieben vorsichtig

Die Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderäte blieben vorsichtig. Rosenheim als Hotspot in Sachen Corona gehöre zum Ordinariat München, deshalb waren und sind die Auflagen der Diözese München-Freising sehr restriktiv, so Idkowiak. „Für die Gläubigen hieß das: Kirche Dahoam. Ob über den Fernseher oder Livestreams im Internet, es gab die Möglichkeit, die Messe vom Wohnzimmer aus mitzufeiern.“ Dann gab es Lockerungen, zunächst mit Gottesdiensten im Freien, seit Pfingsten wieder Wortgottesdienste „und seit dieser Woche wird wieder die Eucharistie gefeiert“, so der Geistliche. Seine bitte: „Damit sich keine Schlangen bilden, sollen die Kirchgänger zur Kommunion sitzenbleiben, denn ich komme an die markierten Plätze.“ Am Platz selbst sei kein Mund-Nasen-Schutz notwendig, aber beim Betreten der Kirche müsse er getragen werden.

Das Singen bleibt noch problematisch

Der Pfarrer: „Das Singen bleibt noch problematisch. Aufgrund der aktuellen Lage lautet die Anweisung: Entweder dezent oder gar nicht.“ Auch gebe es keine Gotteslobe, sondern, „Frau Klein bereitet Liederzettel vor“. Von einem zeigt sich Pfarrer Idkowiak überzeugt: Er glaube, dass die Krise spirituell auch eine positive Wirkung haben könne. Denn in dieser Zeit könne man sich bestärkt auf das besinnen, was einem wirklich gefehlt habe und was besonders wichtig ist. Der Glaube gebe zusätzlichen Halt, denn: „Ich kann nicht tiefer fallen als in die Hände Gottes.“

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