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VÖGEL WOLLEN NICHT UMZIEHEN

Haager Storch „Don Camillo“ lehnt den Nestersatz ab und baut auf dem Kirchendach neu

„Don Camillo“ – so hat Bürgermeisterin Sissi Schätz den Storch getauft, der sich nun mit einer „Frau“ oder einer „Haushälterin“ auf dem Kirchendach niedergelassen hat. Das goldene Kreuz dient auf dem steilen Dach dem gefiederten Paar als Stütze für das Nest.
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„Don Camillo“ – so hat Bürgermeisterin Sissi Schätz den Storch getauft, der sich nun mit einer „Frau“ oder einer „Haushälterin“ auf dem Kirchendach niedergelassen hat. Das goldene Kreuz dient auf dem steilen Dach dem gefiederten Paar als Stütze für das Nest.
  • VonLudwig Meindl
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Die Haager Störche sind wählerisch, was ihre „Wohnung“ betrifft. Sie liebten ihren einsturzgefährdeten Rößler-Kamin, auf dem sie ganz oben nisteten. Doch das Industriedenkmal musste gekürzt werden. Der Nestersatz findet bisher keinen „Mieter“. Aber auf dem Kirchendach baut gerade ein Storchenpaar ein neues Nest.

Haag – Der Rößler-Kamin hat deutlich an Höhe verloren. Das bedauern nicht nur die berühmten gefiederten Bürger von Haag, die Störche. Auch mancher Einwohner schaut wehmütig in den Himmel. Denn der Kamin gehört zur Marktgemeinde genauso dazu wie der Schlossturm. Ein anderes Storchenpaar hat sich einsweilen ein neues Zuhause auf dem Kirchdach gebaut.

Einen ungewohnten Anblick bietet der einstige Gerberkamin im Rößler-Garten am Krankenhaus: Er wurde von über 20 auf elf Meter gekürzt. Das Bauwerk gilt als Industriedenkmal – und war das Zuhause der Haager Störche.

Einsturzgefährdetes Bauwerk

Schon vor guten zwei Jahren im Dezember 2018 mussten zehn Stellplätze auf dem Parkareal an der Rute gesperrt werden, da der nahe Kamin als einsturzgefährdet eingestuft worden war, so das Resultat einer Begehung der Beamten des Denkmalamts. Die zehn Parkplätze lagen im „Schlagschatten“ des Turms, erläutert Bürgermeisterin Sissi Schätz. In den folgenden Monaten habe die Kommune festgestellt, dass sich der Kamin weiter neigte.

Eigentlich sollte der Turm erhalten bleiben, doch dann entschied man sich für das Abtragen als einfachere und billigere Lösung.

Lesen Sie auch: Neues von den Haager Störchen: zwei Todesfälle und zwei Geburten

Im Mittelpunkt der einstigen „Rot- und Lohgerberei“ stand die Lohe, gemahlene Rinde von Eichen und Fichten. Die angelieferten Tierhäute wurden enthaart und entfleischt und kamen dann in die Lohgrube. Da lagen sie schichtweise für eine Gerbzeit von drei Jahren.

Hat deutlich an Höhe verloren: der Rößler-Kamin. Das Storchennest aus Edelstahl wurde wieder oben drauf gesetzt.

Erst Schuhe und dann Pferdesport

Das Leder wurde früher vor allem für Schuhe verwendet. Bis in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts traf das auch für die Gerberei Rößler zu. Dann ging der Bedarf an Schuhleder zurück. Der Familienbetrieb, vor allem von Richard und Julius Rößler ausgeführt, widmete sich ab sofort einer Nischenproduktion im Pferdesport. Die wachsende Beliebtheit des Reitens forderte immer mehr Leder für Sättel, Geschirr, Zaumzeug und Kutschenbedarf.

Die Betriebsräume der Gerberei Rößler veränderten sich im Lauf der Jahrhunderte kaum. Sie verraten die mühevollen Arbeitsvorgänge vom Einsalzen, Entfleischen des Leders bis hin zum Ausrichten in der Maschine, zum Strecken in der tonnenschweren Lederwalze und Aufhängen im Trockenboden. Das abgeschabte Fleisch ging an die Tierverwertungsanlage in St. Erasmus. Aus dem Gerbereiabfall stellte man früher Leim her, der aufwendig gerührt werden musste. Die ausgelaugte Lohe wurde verbrannt, um mit dem Dampf Energie für den Maschinenantrieb zu erhalten. Dazu diente der 20 Meter hohe Turm.

Ist es den Störchen nicht hoch genug?

Der Haager Maurermeister Anton Egger hatte ihn 1896 errichtet, wie der heutige Besitzer des Rößler-Anwesens, Till Rößler, erzählt. Die elf Meter wurden 1937 um 4,4 Meter aufgestockt und 1960 um 4,9 Meter. Den ersten Dampfkessel hatte Till Rößlers Großvater angeschafft, den zweiten sein Vater Julius Rößler, einstiger Bürgermeister von Haag. Nach der Kürzung soll nun noch das Mauerwerk überarbeitet werden.

Mit dem Rückbau sind die Störche ausgeflogen. Der Unterbau für ein neues Nest wurde geschaffen, doch es bleibt fraglich, ob die Vögel von der Penthouseetage in den Keller ziehen. Das Nest über dem Parkplatz nebenan blieb ebenfalls unbewohnt.

Der Kamin wurde zum Teil abgebrochen und ist jetzt nicht mehr so hoch. Das Storchennest kam wieder oben drauf.

Neues Nest auf dem Kirchendach

Die Störche haben in puncto Wohnungswahl ihren eigenen Kopf. Attraktiv fanden sie das Angebot auf dem Rathausdach am Marktplatz. Am 19. Februar dieses Jahres wurde es wieder bezogen, als die Störche aus dem Winterurlaub zurückgekommen waren.

Die exakten Daten hält Bürgermeisterin Schätz fest, die mittlerweile einiges über Störche gelernt hat: „Ich bin auch an unseren gefiederten Mitbürgern interessiert.“

Sie entdeckte auch sofort die neueste Überraschung: Ein Storch umkreiste die tiefer gelegenen Nestangebote bei Rößler und Parkplatz, um sich dann für den hoch gelegenen Panoramastandort des Kirchendaches zu entscheiden, wo er den Nestunterbau schon fertiggestellt hatte.

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Bürgermeisterin Schätz gab ihm in ihren Aufzeichnungen im Storchentagebuch den Spitznamen „Don Camillo“. Der Klapperstorch auf dem Rathausdach heißt nämlich „Peppone“.

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