750 Jahre Grafschaft Haag

Haager schwelgen voller Wehmut in der Erinnerung an das Fest der Feste vor 25 Jahren

Lebendige Geschichte – dargestellt im Festzug.
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Lebendige Geschichte – dargestellt im Festzug.
  • vonLudwig Meindl
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Vor 25 Jahren feierten die Haager das größte Fest ihrer Geschichte. Über 10.000 kamen zum Jubiläum „750 Jahre Grafschaft Haag“. Großveranstaltungen dieser Art wären im Corona-Jahr 2020 undenkbar. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum viele davon ausgehen, dass ein Mammut-Fest nicht mehr durchführbar sei.

Haag– Die Motoren der Festwoche waren der Historiker Rudolf Münch und der bereits verstorbene Haager Kulturchef Erwin Kohl. Eine Wiederholung scheint unvorstellbar – nicht nur wegen Corona.

Selten gab es ein Fest, an das sich heute noch so viele Aktive und Zuschauer von damals mit Freude erinnern. Noch nie gab es ein Fest, das die Haager Vereine in dieser Zusammengehörigkeit verband.

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Geschichte lebendig gemacht

Rudolf Münch und Erwin Kohl, damals auch Vorsitzender der „Haager Bühne“, machten Geschichte lebendig. Zuerst gelang ihnen das mit dem Freilichttheater unter Regie von Wera Schlegel.

An zwei Sonntagen folgte dann der historische Festzug – auf einer Route von zwei Kilometer und mit 50 historisch gekleideten Gruppen ein wandelndes Geschichtsbuch.

Action zum Mitfiebern – Kampfszenen aus der Ritterzeit. Bauer

Wochen hatten die Haager an ihren Kostümen geschneidert, bis zum Hosenknopf sollte alles möglichst originalgetreu seinen. Neben den örtlichen Vereinen beteiligten sich die umliegenden Gemeinden: Aa marschierten die alten Römer aus Rechtmehring auf, die Ungarn der Wasserwacht, die Altdorfer mit Kuno Maier, die Ramsauer mit ihrem Kloster, die Kirchdorfer mit dem Bauernaufstand, die Lappacher im Pestkarren, der Tennisclub mit Zigeunerwagen, die Maitenbether thematisch mit der Schlacht von Hohenlinden, die Oberndorfer mit dem Eisenbahnbau.

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Grafen und Kaiser mischten sich unter Kaskadeure. Robert Scherzer segnete von der Kutsche aus als Bischof die Passanten. Die wehrhafte Vergangenheit repräsentierten Helmut Wagner mit dem „Haager Fähnlein“ und Ludwig Meindl mit dem „Haager Regiment“ auch mit lautstarkem Salut. Das Schlusslicht bildete Fred Giebel im Ami-Jeep.

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Das Festzelt für die Festwoche stand auf der Schex-Wiese. In dem historischen Lagerleben nebenan klirrten Gläser wie Schwerter, hallten Schüsse und lachten Marketenderinnen. Extra ließen die Schützen des Schwarzpulververeins dafür Schwarzbier brauen, was die Haager Schwarzbierwoche begründete.

Zelt musste sogar vergrößert werden

Zum krönenden Abschluss des „Jahrhundertfestes“, wie es Schirmherr Hermann Dumbs nannte, musste das Festzelt vergrößert werden.

Die Freimehringer parkten ihren Galgenwagen und sagten: „Wir hängen bloß Auswärtige auf.“ Der Skiclub baute die Kaiserloge. Met trank man im gräflichen TSV-Zelt. Kanonier Josef Buschek von der FSG ließ es immer wieder krachen. Als Bauern kamen die Albachinger mit Sebastian Friesinger. Robert Scherzer dinierte mit Herbert Zeilinger im Kaiserzelt. Den krassen Gegensatz boten die mit Dreck beschmierten Steinzeitmenschen, die um das Lagerfeuer in Felle gehüllt an Knochen nagten.

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Erwin Kohl zog die Lose zur Tombola mit einem Fiat Coupé als Hauptpreis. Rudolf Münch sprach der gesamten Grafschaft Dank für das Mitmachen aus. Gerhard Kramer vom Geschichtsverein und Robert Scherzer vom Verschönerungsverein erhielten Ehrenkrüge.

Nicht mehr alle werden das erleben, was damals ein kleines Mädchen am Straßenrand zu seiner Mutter über 750 Jahre Grafschaft Haag sagte: „Und wenn’s 800 Jahr feiern, schauma‘s a wieda o!“

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